Frankreichs Künstler heisst Abalo

Der französische Flügel Luc Abalo ist einer der spektakulärsten Spieler auf der rechten Aussenbahn überhaupt. Heute trifft der Linkshänder mit seinem Team auf die Schweiz. Aus Abalo wäre aber beinahe ein Kunstmaler geworden.

Christof Krapf
Merken
Drucken
Teilen
Der 31jährige Franzose Luc Abalo ist auf dem rechten Flügel der weltweit spektakulärste Spieler. (Bild: imago)

Der 31jährige Franzose Luc Abalo ist auf dem rechten Flügel der weltweit spektakulärste Spieler. (Bild: imago)

HANDBALL. Luc Abalo hat es weit gebracht. Für einen, der von sich sagt: «Sport war für mich nie eine Berufung oder etwas, das ich unbedingt gebraucht hätte.» Trotz dieser Einstellung hat der Franzose seit 2006 drei EM- und zwei WM-Titel sowie zweimal Olympia-Gold geholt – den dritten Gewinn der Weltmeisterschaft im vergangenen Januar in Qatar verpasste er verletzt. Vielleicht ist Abalo nach seiner langwierigen Adduktorenverletzung aktuell nicht mehr der beste rechte Flügel der Welt – mit Sicherheit ist der Franzose aber der spektakulärste Spieler auf dieser Position.

Auf dem Feld wirkt er feingliedrig – mit 1,82 Metern ist er selbst für einen Flügel kleingewachsen. Ein Kraftpaket wie seine Teamkollegen Nikola Karabatic oder Daniel Narcisse ist er nicht. Trotzdem geht Abalo dorthin, wo es wehtut – das verlangt jeder Trainer von seinen Spielern. Im Gegenstoss, seiner Spezialität, setzt er sich oft auch durch, wenn er von drei Gegnern umringt ist. In diesen Situationen explodiert der Linkshänder. Prellend trägt er den Ball über das Feld. Dribbelt die Gegner schwindlig, eilt mit grossen Schritten dem Tor entgegen, springt am höchsten und erzielt meistens einen Treffer.

Sportlehrer erkennt das Talent

Dass der 31-Jährige zum Handball kam, war reiner Zufall. Als Kind, aufgewachsen in Ivry-sur-Seine in der Pariser Banlieue, spielte er Fussball. In der Schule fiel allerdings einem Sportlehrer Abalos Handball-Talent auf – der Lehrer hatte früher beim französischen 1.-Liga-Verein US Ivry gespielt. Mit zwölf Jahren wechselte der Spieler mit Wurzeln im afrikanischen Togo zum Club von Ivry-sur-Seine – der Sportartenwechsel war ein Glücksfall für den Verein. 2007 führte Abalo die Pariser überraschend zum Meistertitel. Mittlerweile ist er in seine Heimatstadt zurückgekehrt; nachdem er mit dem nach einem Konkurs aufgelösten spanischen Verein Ciudad Real die Champions League gewonnen hat. Abalo spielt aber nicht mehr beim Vorortclub Ivry, sondern bei Paris St-Germain. Dort, wo das Geld dank katarischer Sponsoren locker sitzt.

Malerei als wahre Leidenschaft

Der Sport ist zwar nicht die Berufung, wohl aber der Beruf von Abalo. Aus dem Buben aus der Banlieue ist ein gutverdienender Sportler geworden. Beinahe wäre aber alles anders gekommen: «Meine wahre Leidenschaft ist die Malerei», sagt Abalo. In Paris hat er schon eigene Bilder ausgestellt. Als Kind erhielt er Malunterricht, bis seinen Eltern das Geld ausging und der Sport wichtiger wurde. Ein Künstler ist aus Abalo trotzdem geworden – nur nicht im Atelier, sondern auf dem Handballfeld.