Francesco Tottis Zeit zerrinnt

Francesco Totti wird 39 und spielt seine 24. Saison für die AS Roma. Auch wenn sein Aktionsradius immer kleiner wird, bleibt der Stürmer Publikumsliebling. Heute in der Champions League gegen Barcelona sitzt er wohl auf der Bank.

Lukas Plaschy
Merken
Drucken
Teilen
Francesco Totti, der treuste und älteste AS-Roma-Spieler, hat eine schwere Saison vor sich. (Bild: epa/Claudio Peri)

Francesco Totti, der treuste und älteste AS-Roma-Spieler, hat eine schwere Saison vor sich. (Bild: epa/Claudio Peri)

FUSSBALL. «No Totti – no Party» ist eines der Spruchbänder, welches die Tifosi in der legendären «Curva Sud» des Römer Olympiastadions jeweils hochhalten. Kein Slogan könnte passender sein. Unzählige rauschende Festspiele hat Francesco Totti mit seinen Toren den «Romanisti» bisher beschert. 299 Treffer, um genau zu sein. 2001 erreichte er seinen einzigen Meistertitel, damals feierten eine Million Menschen in der Ewigen Stadt den dritten und bisher letzten «Scudetto» der Stadtrömer. Nun steigt der unverwüstliche Blondschopf mit den blauen Augen, den die Anhängerschaft im typisch römischen Slang nur «El Capitano» nennt, in seine 24. Saison mit der AS Roma. Nur Paolo Maldini bei der AC Milan brachte es in der Serie A auf mehr. 39 Jahre wird Totti am 26. September, und noch immer ist sein Trikot mit der Nummer zehn das meistverkaufte in den Fanshops der Stadt.

Doch mehr als je zuvor scheiden sich an Totti heuer die Geister. Während die einen das römische Urgestein endgültig zum Alteisen degradieren wollen, sind die anderen immer noch davon überzeugt, dass Tottis Talent für eine weitere Saison auf höchstem Niveau genügen wird. In der letzten Saison kam Totti insgesamt 36mal zum Einsatz und trug mit zehn Treffern zur direkten Champions-League-Qualifikation der Roma bei. Dass der Captain langsamer und sein Aktionsradius kleiner geworden ist, können aber auch seine treuesten Fans nicht negieren.

Marcello Lippis Verständnis

Mit der Verpflichtung des bosnischen Mittelstürmers Edin Dzeko sowie der Chelsea-Leihgabe Mohammed Salah stehen dem französischen Trainer Rudi Garcia in der Offensive nun mehr Varianten zur Verfügung. Leidtragender der neuen personellen Ressourcen ist der gealterte Spielmacher, der sowohl beim Auftaktspiel in Verona gegen Hellas (1:1) als auch beim 2:1-Sieg gegen Meister Juventus Turin jeweils 90 Minuten auf der Bank schmoren musste. Vor 20 Jahren als Junior hatte Totti zuletzt die ersten beiden Pflichtspiele verpasst.

In den lokalen Gazzetten, den privaten TV-Stationen und dem halben Dutzend römischer Lokalradios, welche 24 Stunden nonstop über den Club berichten, hielten sich in unzähligen Fankommentaren Totti-Freunde und -Gegner die Waage. Er selbst, eigentlich kein Freund medialer Kommunikation, liess – ganz Teamplayer – über seinen Internetblog verlauten, das Wohl der Mannschaft stehe über dem Einzelnen. Marcello Lippi, der Italien mit Totti, Buffon und Cannavaro 2006 zum WM-Titel geführt hatte, brach im Interview mit der «Gazzetta dello Sport» eine Lanze für Totti. Er sei ein wichtiger Spieler und dürfe nicht vier Matches hintereinander auf der Bank schmoren.

Bald in neuer Rolle?

Als ob er es gehört hätte, rotierte Garcia am Sonntag beim Auswärtsspiel gegen Aufsteiger Frosinone (mit dem Rorschacher Daniel Pavlovic) viele Stammkräfte und ermöglichte Tottis Saisondébut. Bestärkt sahen sich danach dessen Kritiker. 20 verlorene Bälle, eine gelbe Karte und ein einziger Schuss in Richtung Tor, so Tottis Bilanz in 81 Spielminuten. Nicht, dass der Rest des Teams beim zähen 2:0-Sieg geglänzt hätte. Sollte sich die Roma heute abend gegen den letztjährigen Champions-League-Sieger Barcelona nicht steigern, droht eine Schmach wie beim 1:7 gegen Bayern München im Vorjahr. Bereits im August hatten die Hauptstädter im Nou Camp eine 0:3-Niederlage kassiert – notabene ohne einen einzigen Schuss aufs gegnerische Tor abgegeben zu haben. Danach hatten Totti und Messi die Trikots getauscht und gemeinsam vor der Kamera posiert.

Zum Wiedersehen im ausverkauften «Olimpico» wird es heute abend wohl nicht kommen. Neben dem gesetzten Dzeko werden Salah sowie der Spanier Iago Falque das Offensivtrio bilden. Und auch Tottis Traum, im neuen Stadion aufzulaufen, wird wohl unerfüllt bleiben. Die Arena wird erst 2018 bezugsbereit sein. Die Clubführung möchte Totti aber nach dessen Karriereende als eine Art Botschafter langfristig an den Club binden. Ob es Totti gelingt, als Funktionär im feinen Anzug ebenfalls für Partystimmung zu sorgen, steht noch in den Sternen.