FORMEL 1: Vettels Pech ist Hamiltons Glück

Lewis Hamilton ist auf bestem Weg, nach 2008, 2014 und 2015 zum vierten Mal Weltmeister zu werden. Der Brite feiert in Suzuka seinen 61. GP-Sieg und kann schon in zwei Wochen in Austin den Titel holen.

Mario Casanova (sda)
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Der zweitklassierte Max Verstappen (links) und Daniel Ricciardo (rechts) flankieren in Suzuka den Sieger Lewis Hamilton. (Bild: Diego Azubel/EPA)

Der zweitklassierte Max Verstappen (links) und Daniel Ricciardo (rechts) flankieren in Suzuka den Sieger Lewis Hamilton. (Bild: Diego Azubel/EPA)

Mario Casanova (SDA)

Den Weltmeistertitel hatte Lewis Hamilton schon einmal in den USA sichergestellt – 2015, als er in Austin siegte und deshalb seinem damaligen Teamkollegen Nico Rosberg auch drei Siege in den letzten drei Saisonrennen nichts mehr nützten. Die Ausgangslage in diesem Jahr ist komfortabel: Der Vorsprung auf seinen ärgsten Konkurrenten Sebastian Vettel beträgt bereits 59 Punkte. Bei einem Sieg Hamiltons am 22. Oktober in Austin muss Vettel mindestens Fünfter werden, um sich noch theoretische Chancen auf den Titel zu wahren. Mit dem vierten Titel würde Hamilton in der Bestenliste zu Vettel und Alain Prost aufschliessen. Nur Michael Schumacher mit sieben Erfolgen und Juan Manuel Fangio mit fünf Titeln waren noch erfolgreicher.

Grund für die komfortable Ausgangslage ist das anhaltende Pech von Vettel. Der 30-jährige Wahlthurgauer wurde dies wie schon in Singapur und Malaysia nicht los. Auf dem Rundkurs in Suzuka im Land der aufgehenden Sonne, auf dem er bereits viermal gewinnen konnte, ging für Vettel die Sonne bereits nach vier Runden unter. Wegen Problemen mit der Zündkerze, die kurz vor dem Start noch gewechselt worden war, fuhr der Deutsche den Ferrari nach vier Runden in die Garage und musste aufgeben.

Bevor er das Renngelände fast fluchtartig verliess, sagte Vettel: «Das Problem bestand schon auf dem Weg zur Startaufstellung. Es war keine Leistung da. Ich drückte den Reset-Knopf, um sämtliche Sensoren aufzuwecken. Leider funktionierte es nicht.» Vettel war überzeugt, dass er schneller gewesen wäre als Hamilton: «Die Pace bei uns stimmt. Aber manchmal geht halt etwas schief.» Die erneuten Probleme bei den Roten aus Maranello dürften den obersten Chef Sergio Marchionne noch mehr ärgern. Schon vor dem Rennen in Japan tobte er: «Die Qualität unserer Komponenten entspricht nicht der eines Rennwagens. Da müssen wir einschreiten.» Er kündigte «organisatorische Veränderungen» an – ohne zu sagen, was er damit meint. Vettel liess sich den Frust nicht anmerken und meinte dazu: «Ich muss das Team und meine Jungs in Schutz nehmen. Eigentlich haben wir alle schon mehr erreicht, als wir erwarten durften.»

Beide Red Bulls auf dem Podest

In den letzten fünf Grands Prix gewann Vettel, der nach neun Rennen die WM noch mit 20 Punkten Vorsprung angeführt hatte, nur gerade 45 Zähler, während Hamilton sein Konto um 118 Punkte aufstockte. «Es sind immer noch hundert Punkte zu vergeben», erklärte Hamilton, der am Samstag seine 71. Pole-Position erobert hatte. «Wie das Beispiel Ferrari zeigt, kann noch sehr viel passieren. Das Rennen war kein Spaziergang. Am Ende waren wir mit den Reifen am Limit. Zudem hatte ich beim Überrunden von Alonso und Massa viel Zeit verloren.»

Wie schon in Malaysia standen die beiden Fahrer von Red Bull auf dem Podest. Max Verstappen, der Sieger vor einer Woche, kam in den letzten Runden dem Leader noch gefährlich nahe und verlor nur 1,2 Sekunden. Daniel Ricciardo, der zum neunten Mal in diesem Jahr auf dem Podest stand, lag knapp zehn Sekunden zurück und rettete nach 53 Runden neun Zehntelsekunden Vorsprung auf Valtteri Bottas im zweiten Mercedes ins Ziel.