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Formel 1: Ferrari-Drama in drei Akten

Bringt die Powerstrecke in Spielberg am Sonntag den ersten Saisonsieg für Ferrari? Sebastian Vettel sagt: «Das ist definitiv ein Rennen, das ich gewinnen möchte.»
Thomas Weitekamp (SID), Spielberg
Zweifelnde Miene: Ferrari-Pilot Sebastian Vettel (in Weiss). (Bild: Charles Coates/Getty (Le Castellet, 21. Juni 2019))

Zweifelnde Miene: Ferrari-Pilot Sebastian Vettel (in Weiss). (Bild: Charles Coates/Getty (Le Castellet, 21. Juni 2019))

Auf lange Sicht ist die Lage für den italienischen Formel-1-Rennstal Ferrari trotzdem ziemlich aussichtslos. Und dafür gibt es Gründe. Das Versagen der Roten im Jahr 2019 ist ein Drama in bislang drei Akten.

Akt 1: Verplant

Die Wurzel des Übels liegt ziemlich tief. Wohl etwa im Sommer des vergangenen Jahres traf man in Maranello eine folgenschwere Grundsatzentscheidung: Das Aerodynamik-Reglement für 2019 wurde radikal angegangen, höchste Effizienz war gewünscht. Der neue Frontflügel sollte für möglichst geringen Luftwiderstand sorgen, deutlich weniger Anpressdruck wurde dafür in Kauf genommen. Andere Teams wie etwa Mercedes wählten den entgegengesetzten Weg.

Bei den Wintertests in Barcelona machte Ferrari dann auch einen rundum starken Eindruck, und der SF90 galt deutlich vor dem Mercedes W10 als klarer Favorit für das neue Formel-1-Jahr. Schon wurde gemunkelt, Mercedes habe sich mit seinem Frontflügel-Konzept verplant. Vier Monate später weiss man, dass es genau umgekehrt ist. Mercedes hatte bei den Tests aus anderen Gründen Startprobleme – und liess die Scuderia damit besser erscheinen, als sie tatsächlich war.

2. Akt: Verschätzt

Bis diese Erkenntnis auch bei Sebastian Vettel und seinem Team ankam, vergingen allerdings quälend lange und ziemlich wertvolle Wochen, die Probleme wurden verdrängt. Das lag auch daran, dass die ersten Rennen zu Trugschlüssen verleiteten. In Australien setzte es gleich eine heftige Klatsche, Ferrari war chancenlos – stand aber noch ganz unter dem Eindruck der vermeintlich starken Tests. «Das Auto ist gut, wir müssen nur sein Potenzial abrufen», sagte Vettel.

Beim nächsten WM-Lauf in Bahrain hätte Rot dann gewinnen müssen, nur die streikende Technik verhinderte den Sieg von Charles Leclerc. Dass der Wüstenkurs zu den ganz wenigen Strecken zählt, auf denen der SF90 funktioniert, war damals noch nicht klar. Also hiess es: weiter so. Erst nach der folgenden Pleite in China wurde so langsam klar, «dass wir ein Problem zu lösen hatten», räumte Teamchef Mattia Binotto später ein. Und zwar ein grundlegendes. Dennoch hielt die Scuderia noch eine Weile an ihrer Ursprungsidee fest, schätzte «Stärken und Schwächen falsch ein», entwickelte «in die falsche Richtung», wie Binotto einräumt.

3. Akt: Verloren

Erst vor dem Grand Prix in Kanada, dem siebten der Saison, war die Wahrheit spruchreif. «In absehbarer Zeit haben wir keine Möglichkeiten für Änderungen am Auto, die einen entscheidenden Einfluss auf unsere Probleme nehmen würden», sagte Binotto Anfang Juni. Denn die vielfältigen Schwierigkeiten von Ferrari hängen wohl alle mit dem Frontflügel zusammen: Ein Problem führt dabei zum nächsten. «Uns fehlt in den Kurven grundsätzlich Abtrieb», erklärt der Teamchef, «und dadurch haben wir auch Schwierigkeiten, die Reifen auf der Temperatur zu halten, mit der sie optimalen Grip aufbauen.» Doch mit einem neuen Frontflügel ist das nicht gelöst, denn die Luft wird entlang des gesamten Autos anders geleitet als bei der Konkurrenz.

Ferrari muss nun also im laufenden Wettbewerb versuchen, mit kleineren Schritten doch noch ein Allround-Auto auf die Strasse zu stellen. Wie schwierig das ist, wurde am vergangenen Wochenende in Frankreich deutlich. Im Training wurde probeweise ein neuer Front- und Heckflügel sowie ein neuer Unterboden verbaut. Man glaubte allerdings gar nicht, eine Lösung gefunden zu haben. «Wir wollen Erkenntnisse für unsere nächsten Schritte gewinnen», sagte Binotto. Ferrari führt also Testfahrten mitten in der Formel-1-Saison durch. Der Gedanke an eine Aufholjagd verbietet sich da fast.

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