FORMEL 1: Spekulationen um Entlassung

Die Nachricht kam völlig überraschend: Die 46-jährige Österreicherin Monisha Kaltenborn sei ab sofort nicht mehr Teamchefin im Hinwiler Rennstall Sauber-Ferrari.

Mario Casanova (sda)
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Monisha Kaltenborn war seit 1998 für das Hinwiler Team tätig, ab 2012 war sie Teamchefin. (Bild: Srdjan Suki/EPA)

Monisha Kaltenborn war seit 1998 für das Hinwiler Team tätig, ab 2012 war sie Teamchefin. (Bild: Srdjan Suki/EPA)

Mario Casanova (SDA)

Seit gestern Vormittag wurde auf diversen Internetportalen über die Entlassung von Monisha Kaltenborn berichtet. Bis am späten Abend gab es von offizieller Seite aber weder eine Reaktion noch eine Bestätigung. Auf Anfrage hiess es, die verantwortlichen Personen seien immer noch auf der Reise nach Aserbaidschan. Fakt ist jedoch: Kaltenborn ist bereits nicht mehr nach Baku gereist, wo am Sonntag der Grand Prix von Aserbaidschan ausgetragen wird. Und: Teammanager Beat Zehnder wurde von den neuen Teambesitzern beauftragt, dass er mit dem Technischen Direktor Jörg Zander die operative Leitung am Wochenende übernimmt, wie er der Nachrichtenagentur dpa bestätigte.

Kaltenborn ist (oder war) seit 1998 für das Hinwiler Team tätig. Zuerst in der Rechtsabteilung, ab 2001 als Mitglied der Geschäftsleitung, seit 2010 als Geschäftsführerin und ab 2012 als erste Frau in der Formel 1 als Teamchefin. Ihr Vertrag würde noch bis 2019 laufen. Die erfolgreichste Zeit erlebte das Sauber-Team in den vier Jahren, als BMW das Sagen hatte. Da gab es in der Kon­strukteurenwertung die Ränge fünf (2006), zwei (2007), drei (2008) und sechs (2009). Höhepunkt war 2008 der Doppelsieg von Robert Kubica und Nick Heidfeld im GP von Kanada.

Immer wieder Negativschlagzeilen

Seither ging es mit dem Hinwiler Rennstall sowohl sportlich als auch finanziell bergab mit dem Tiefpunkt 2014 mit 0 Punkten. Im vergangenen Jahr konnte Sauber-Ferrari über eine längere Phase die Löhne für einen Teil der Angestellten nicht pünktlich bezahlen und wurde von mehreren Seiten betrieben. Im Juli 2016 gelang Kaltenborn aber die Rettung des kriselnden Unternehmens und verkaufte das Formel-1-Team an schwedische Investoren. Das Finanzunternehmen Longbow Finance SA übernahm auch die 30-Prozent-Anteile von Kaltenborn und Teamgründer Peter Sauber. Die neuen Perspektiven sorgten für Optimismus im Zürcher Oberland. Doch hinter den Kulissen soll es zuletzt zu einem heftigen Streit gekommen sein. Dabei soll es um die Hierarchie der Fahrer gegangen sein. Die schwedischen Investoren haben enge Verbindungen zum Tetra-Pak-Konzern, einem der Hauptgeldgeber von Marcus Ericsson. Kaltenborn soll sich aber gegen eine Bevorzugung des schwedischen Fahrers gestellt haben und wollte den Mercedes-Junior Pascal Wehrlein nicht zur Nummer zwei degradieren.

Bestätigung hin, Bestätigung her. Im Fahrerlager in Baku wurde bereits über die Nachfolge von Kaltenborn spekuliert. In der Pole-Position scheint der 49-jährige Deutschrumäne Colin Kolles zu sein. Der gelernte Zahnarzt war schon bei verschiedenen Formel-1-Teams engagiert, unter anderem auch als Rennleiter bei Force India. Zuletzt war Kolles in der Langstrecken-WM mit einem eigenen Team unterwegs. (sda)