FORMEL 1: Selbstsucht im Vordergrund

Nach dem Machtwechsel läuft die Planung für Veränderungen auf Hochtouren. Die angedachte Optimierung ist wohl sinnvoll, kann aber nicht zum Wohle aller Involvierten umgesetzt werden.

David Bernold (sda)
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Auf Formel-1-Boss Chase Carey – links im Bild mit dem früheren Teamchef Flavio Briatore – wartet viel Arbeit. (Bild: Luca Martini/Freshfocus)

Auf Formel-1-Boss Chase Carey – links im Bild mit dem früheren Teamchef Flavio Briatore – wartet viel Arbeit. (Bild: Luca Martini/Freshfocus)

David Bernold (SDA)

Nächste Station Silverstone. Die Formel 1 ist an diesem Wochenende dort zu Gast, wo vor gut 67 Jahren alles begonnen hat. Mehr Tradition geht nicht. Abseits der Rennstrecke auf dem ehemaligen Militärflughafen in der Grafschaft Northamptonshire interessiert allerdings mehr die Zukunft als die Vergangenheit. Die Kündigung des Vertrages durch die örtlichen Veranstalter, der die Durchführung des Grand Prix von Grossbritannien bis 2026 gesichert hätte, zieht neue Verhandlungen mit sich. In Silverstone sind sie unzufrieden mit den mit dem ehemaligen Promoter Bernie Ecclestone vereinbarten Konditionen. Auch für sie ist die Formel 1 zu teuer geworden.

Gefordert wird dieser Tage primär Chase Carey sein. Der von den neuen Machthabern der ­Formel 1 als Geschäftsführer installierte Amerikaner wird einmal mehr überzeugen und beschwichtigen müssen – und versuchen, seine Visionen von der «neuen Formel 1» darzulegen. Der Weg hin zum für alle Beteiligten attraktiven Produkt wird beschwerlich sein. Die über Jahrzehnte von Ecclestone initiierten, nicht mehr zeitgemässen Strukturen lassen sich nicht von heute auf morgen aus der Welt schaffen. Dafür sorgt allein schon das sogenannte Concorde Agreement. Die Verfassung der Formel 1 hat noch bis 2020 Gültigkeit.

Steigende Tendenz Richtung Pay-TV

Die Probleme, die Carey und sein Team aus der Welt zu schaffen haben, sind vielschichtig. Übertragungsrechte, finanzielle Abgeltung der Teams oder die Rechte und Pflichten der Veranstalter sind Themen, die den Boss fordern. Carey hat Lösungen im Kopf. Deren Umsetzung dürfte nicht ohne Nebengeräusche von sich gehen. Die Interessen aller unter einen Hut zu bringen, kommt der Quadratur des Kreises gleich, zumal in einem Geschäftsfeld, in dessen innerstem Zirkel die Selbstsucht und der Eigennutz im Vordergrund stehen. Seine Gedanken hat Carey grossflächig offengelegt. Be­treffend Übertragungsrechte der Grands Prix ist für ihn die ­steigende Tendenz in Richtung ­Bezahlfernsehen der zentrale Punkt. Als ehemaliger Intimus von Medienmogul Rupert Murdoch weiss er um die aktuellen Strömungen im TV-Markt – und um die Möglichkeit, damit gutes Geld zu verdienen. Gleichwohl wird er nicht darum herumkommen, Stationen des frei empfangbaren Fernsehens in seinem ­Kundenstamm zu halten. «Wir möchten so viele Zuschauer wie möglich und Anhänger auf allen Plattformen erreichen», sagt Carey. «Free-TV, Pay-TV, digitale oder soziale Medien – all das gehört bei dieser Mischung dazu.»

Carey hat auf Besonderheiten einzelner Länder und Märkte Rücksicht zu nehmen. In den USA haben mehr als 80 Prozent der Haushalte mindestens ein Pay-TV-Abonnement gelöst, ­wogegen es etwa in der Schweiz ­lediglich drei Prozent sind.