FORMEL 1: Offene Rechnungen

Dritter Sieg für Vettel? Erfolg für Hamilton? Comeback für Red Bull? Vor dem Grand Prix von China bringen sich die Topteams schon einmal verbal in Form.

Christian Menath (sid)
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Mike Künzle erzielt gegen Luganos Goalie Elvis Merzlikins (verdeckt) den entscheidenden Treffer. (Bild: Alessandro Crinari/KEY)

Mike Künzle erzielt gegen Luganos Goalie Elvis Merzlikins (verdeckt) den entscheidenden Treffer. (Bild: Alessandro Crinari/KEY)

Christian Menath (SID)

Sebastian Vettel wagte nach zwei Siegen selbstbewusst das nächste Frisurenexperiment und liess sich nicht in die Favoritenrolle drängen, Heisssporn Max Verstappen ging nach dem Crash von Bahrain auch verbal auf Konfrontationskurs zu Weltmeister Lewis Hamilton. Schon vor den ersten Testrunden beim Grossen Preis von China nahm der Kampf der Top-Stars in der Formel 1 Fahrt auf. Während der Druck auf Verstappen und Hamilton nach zwei äusserst enttäuschenden Rennen spürbar gross ist, kann Vettel den dritten Saisonlauf am Sonntag in Schanghai entspannt angehen. «Die letzten beiden Rennen sind gut verlaufen. Wenn wir unsere Hausaufgaben erledigen, sollte es ein gutes Wochenende werden», sagte der viermalige Weltmeister am Donnerstag.

Vettel präsentierte sich bei seinem ersten Auftritt vor den Toren der Millionenmetropole wieder mit frischgeschertem Haupt. Schon in Australien hatte der eigenwillige Haarschnitt Glück gebracht, gegen weitere Parallelen zum Auftaktrennen hätte der Ferrari-Star nichts einzuwenden.

Trotz der Maximalausbeute von bislang 50 WM-Punkten blieb Vettel in seiner Prognose verhalten. «Es ist schwierig vorherzusagen. Ich bin zuversichtlich, das Auto funktioniert gut. Aber Mercedes ist noch immer der Favorit», sagte Vettel.

Hamilton: «Ich glaube, wir sind das beste Team.»

Die Silberpfeile stehen in Shanghai unter Zugzwang, dürfen sich aber tatsächlich berechtigte Hoffnungen auf den ersten Saisonsieg machen. Die 5,451 km lange Strecke kommt den Stärken des Autos entgegen, die Schwächen des Boliden dürften dagegen weniger zum Vorschein kommen. Die häufig launischen Hinterreifen werden in China nicht so stark gefordert, auch hohe Temperaturen, die Mercedes in Bahrain nicht zum ersten Mal zu schaffen machten, sind nicht zu erwarten. Ein Sieg für Hamilton oder Valtteri Bottas ist daher fast schon Pflicht. «Es sollte ein guter Kurs für uns sein. Ich glaube weiter, dass wir das beste Team sind. Aber es ist wichtig, dass wir alle sehr aufmerksam bleiben», sagte Hamilton, der mit fünf Erfolgen Rekordsieger in Schanghai ist. Einen weiteren Rückschlag darf sich vor allem Hamilton nicht ­erlauben, um den Rückstand von derzeit 17 Punkten auf Vettel nicht weiter anwachsen zu ­lassen.

Mit grossen Ambitionen startet auch Red Bull. Im Dreikampf der Top-Teams waren die Bullen bislang die grosse Enttäuschung. Kein Podest in Australien, Totalschaden in Bahrain: In Schanghai muss das einstige Weltmeisterteam seinen Ansprüchen endlich gerecht werden. Das gilt auch für Verstappen. Das 20 Jahre alte Toptalent hatte mit einem verhängnisvollen Überholmanöver gegen Hamilton in Bahrain für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Am Donnerstag legte der Niederländer mit Sticheleien gegen Hamilton nach. «Ich habe nichts falsch gemacht», sagte Verstappen und wehrte sich gegen Kritik des Mercedes-Stars: «Es ist einfach, dem jüngeren Fahrer die Schuld zu geben. Für mich gibt es keinen Grund, etwas zu ändern.»

Keine Aussprache zwischen Hamilton und Verstappen

Hamilton hatte Verstappen am vergangenen Sonntag in der Hitze des Gefechts als «Schwachkopf» bezeichnet und ihm wenig später «unreife Entscheidungen» vorgehalten. «Es war nichts Verrücktes oder Riskantes. Manchmal klappt es, manchmal nicht», erwiderte Verstappen nun. Eine Aussprache zwischen Hamilton und Verstappen hat es bislang nicht gegeben. Die passenden Antworten soll es auf der Strecke geben.