FORMEL 1: Mit Geschick und Glück

Sebastian Vettel behält auch im zweiten Saisonrennen der Formel-1-WM die Oberhand. In einem am Ende dramatischen Grand Prix von Bahrain siegte der Deutsche mit 0,7 Sekunden Vorsprung vor Valtteri Bottas.

Roman Eberle (sda)
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Sebastian Vettel feiert mit den Ferrari-Mitarbeitern den Sieg in Bahrain. (Bild: Valdrin Xhemaj/EPA)

Sebastian Vettel feiert mit den Ferrari-Mitarbeitern den Sieg in Bahrain. (Bild: Valdrin Xhemaj/EPA)

Roman Eberle (SDA)

Das eine Jubiläum hinter sich gebracht, das nächste nach einem mitreissenden Rennen vor Augen: Auf dem Bahrain International Circuit fuhr Sebastian Vettel in seinem 200. Formel-1-Rennen den 49. GP-Sieg ein. Der Deutsche mit Wohnsitz im Thurgau triumphierte auf der Insel im Persischen Golf nach 2012, 2013 und 2017 zum vierten Mal und bewies dabei Nerven und fahrerisches Geschick zugleich.

Wie die im zweiten und dritten Rang klassierten Mercedes-Fahrer Valtteri Bottas und Lewis Hamilton liess sich Vettel nur einmal neue Reifen aufziehen. Der viermalige Weltmeister wurde zu dieser Ein-Stopp-Strategie ­gezwungen, da ihn ein weiteres Ansteuern der Ferrari-Box – anders als bei Rennhälfte noch gedacht – den Rennsieg gekostet hätte. Der WM-Leader war auf den letzten 39 Runden mit der weicheren Reifenmischung unterwegs als die Silberpfeile, entsprechend schneller bauten die Pneus am Ferrari mit der Nummer fünf ab. Unter Kontrolle habe er das Rennen während der letzten zehn Runden nicht mehr wirklich gehabt, gab Vettel bei der Siegerehrung denn auch unumwunden zu: «Es hat gerade so funktioniert. Valtteri sind am Ende die Runden ausgegangen.»

Unfall beim Boxenstopp

Ausgelassen freuen konnten sich Vettel und Ferrari ob des erzitterten Sieges gleichwohl nicht. Der Grund hierfür lag in einem völlig missglückten zweiten Boxenstopp von Kimi Räikkönen. Der 38-jährige Finne bekam die Erlaubnis zum Verlassen der Box, obwohl noch nicht alle Räder gewechselt waren. Als Räikkönen losfuhr, riss er einen Mechaniker mit, der sich laut ersten Diagnosen das Schien- und Wadenbein brach. Für den zu diesem Zeitpunkt vor Hamilton im dritten Zwischenrang klassierten Nordländer war das Rennen nach diesem Schreckmoment vorbei – und Ferrari gingen weitere taktische Optionen aus. Eine überaus wilde Startphase mit diversen Überholaktionen hatte die Formel-1-Fans früh für das ereignisarme Rennen von vor zwei Wochen in Melbourne entschädigt. Grosser Verlierer dabei war Red Bull-Renault. Die zweite Runde verlief für den österreichisch-britischen Rennstall geradezu verheerend, musste doch Daniel Ricciardo wegen eines Defekts aufgeben und beklagte Max Verstappen nach einem Überholmanöver gegen Hamilton einen Reifenschaden. Wenig später war wegen eines technischen Pro­blems auch für den Niederländer der Grand Prix in der Wüste von Sakhir zu Ende. Völlig anders war die Gefühlslage nach dem ­Rennen bei Red Bulls Schwester-Team Toro Rosso, das den Franzosen Pierre Gasly auf Platz vier brachte. Es ist für Honda das beste Ergebnis seit der Rückkehr in die Formel 1 vor drei Jahren.

Zu den Gewinnern durfte sich auch der Brite Lewis Hamilton zählen, auch wenn sein Rückstand in der WM-Wertung gegenüber Vettel um zehn auf 17 ­Punkte anwuchs. Der 33-jährige Engländer, der wegen eines unerlaubten Getriebewechsels nur als Neunter hatte losfahren dürfen, schaffte es als Dritter trotzdem noch auf das Podest und kam zum 27. Mal in die Punkteränge. Damit egalisierte er Räikkönens Bestmarke aus den Jahren 2012 und 2013.