FORMEL 1: Hoffnungsschimmer

Sebastian Vettel gewinnt den Saisonauftakt in Melbourne und zeigt damit auf, dass er mit den Fahrern des zuletzt überlegenen Teams Mercedes konkurrenzfähig ist.

David Bernold (sda)
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Sebastian Vettel feiert im Grand Prix von Australien seinen ersten Sieg seit über einem Jahr. (Bild: Andy Brownbill/AP)

Sebastian Vettel feiert im Grand Prix von Australien seinen ersten Sieg seit über einem Jahr. (Bild: Andy Brownbill/AP)

David Bernold (SDA)

Sebastian Vettels Sieg im ersten Rennen der neuen Saison macht nicht nur den Ferraristi Hoffnung. Mit seinem Triumph vor Lewis Hamilton und Valtteri Bottas in den Mercedes lieferte der deutsche Ferrari-Pilot ein starkes Argument, dass das Jahr 2017 die zuletzt schmerzlich vermisste Spannung und Abwechslung in die Formel 1 zurückbringen könnte. Er tat einen ersten Schritt, um der kriselnden und der in der Gunst des Publikums gefallenen Rennserie neues Leben einzuhauchen.

Die Art und Weise, wie Vettel seinen zweiten Grand-Prix-Sieg in Melbourne nach jenem von 2011 errang, befeuert den Optimismus zusätzlich. Der vierfache Weltmeister profitierte wohl von einem für ihn vorteilhaften Rennverlauf und der perfekt umgesetzten Taktik seiner Crew. Vettel durfte aber auch zur Kenntnis nehmen, dass der neue Ferrari dazu taugt, die in Maranello seit Jahren unerfüllten Titelträume endlich Realität werden zu lassen. Das rote Auto war an diesem Sonntag eindeutig das beste im Feld. In der zweiten Rennhälfte vermochte selbst Hamilton Vettels beeindruckende Geschwindigkeit nicht mehr mitzugehen.

Entscheidende Boxenstopps

Der Vorteil kippte im Zuge der einzigen Boxenstopps der Spitzenfahrer auf die Seite Vettels. Der aus der Pole-Position gestartete Hamilton, der bis dahin in Führung gelegen hatte, kehrte nach seinem Zwischenhalt hinter Max Verstappen im Red Bull auf die Strecke zurück, vermochte den Niederländer nicht zu überholen und büsste Zeit ein.

Vettel, der mit dem ersten Reifensatz sechs Runden mehr abspulte als Hamilton, genügte dessen Zeitverlust, um den entscheidenden Vorstoss zu lancieren. Als Leader blieb er danach unbehelligt. Sein 43. Grand-Prix-Sieg, der erste seit dem im September 2015 in Singapur, löste eine Welle von Freude und ­Erleichterung aus. «Ein grosser Tag, ein grosses Auto», schrie der überglückliche Vettel auf seiner Ehrenrunde in den Funk. Endlich war die Scuderia Ferrari wieder dort angelangt, wo sie im Selbstverständnis aller Beteiligten und Anhänger in der Formel 1 auch hingehört.

«Ein totaler Fehlentscheid»

Trotz Freudentaumels fand Vettel zur Sachlichkeit zurück. «Unsere jetzige Situation lässt sich mit der vor zwölf Monaten nicht vergleichen. Wir stehen jetzt ganz anders da.» Auch Vettel sieht die Voraussetzungen gegeben, um im dritten Jahr als Angestellter von Ferrari den hohen Erwartungen gerecht werden zu können.

Eindruck hinterliess Vettel auch im Lager von Mercedes. Sportchef Toto Wolff übte aber auch Selbstkritik: «Der frühe Boxenstopp von Lewis Hamilton war ein totaler Fehlentscheid», sagte der Österreicher.