FORMEL 1: Das Fahrzeug entscheidet

Sebastian Vettel will im Grand Prix von Ungarn der Tendenz der vergangenen Wochen im Titelkampf entgegenwirken. Er hofft, mit dem Ferrari im Vergleich zu Konkurrent Lewis Hamilton im Vorteil zu sein.

David Bernold (sda)
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Sebastian Vettel liegt in der Gesamtwertung nur noch einen Punkt vor Verfolger Lewis Hamilton. (Bild: Valdrin Yhemaj/EPA)

Sebastian Vettel liegt in der Gesamtwertung nur noch einen Punkt vor Verfolger Lewis Hamilton. (Bild: Valdrin Yhemaj/EPA)

David Bernold (SDA)

70, 80 oder 90 Prozent? Die Frage, wie gross der Anteil des Autos am Erfolg eines Formel-1-Fahrers ist, begleitet die Rennserie seit deren Gründung vor 67 Jahren. Am Grand-Prix-Wochenende im rund 20 Kilometer von Budapest gelegenen Mogyorod ist das Auto ein viel diskutierter Faktor. Natürlich steht der Titelkampf zwischen Vettel und Hamilton auch in Ungarn im Brennpunkt, selbstverständlich sorgen der Deutsche und der Engländer für die grössten Schlagzeilen. Der Zweikampf elektrisiert. Der Vorsprung von Leader Vettel in der Gesamtwertung auf Verfolger Hamilton beträgt nur noch einen Punkt.

Allerdings wird dieser Tage nicht darüber diskutiert und debattiert, welchem der beiden Hauptdarsteller die Eigenschaften des Hungarorings mehr zusagen. Prognosen über den möglichen Ausgang des elften Grand Prix des Jahres gründen auf den Einschätzungen betreffend Leistungsfähigkeit des Ferraris und des Mercedes.

Abtrieb als wichtiges Kriterium

Die Charakteristik der Strecke in Mogyorod ist eine ganz andere als jene des Rundkurses in Silverstone, wo Hamilton vor zwei Wochen im Grand Prix von Grossbritannien eine Klasse für sich war. Auf dem Hungaroring, auf dem im Normalfall bei den Durchschnittstempi die zweittiefsten Werte nach denen in Monaco erreicht werden, sind andere Vorzüge des Autos gefragt als auf einer Hochgeschwindigkeitspiste. Nicht primär die Kraft des Motors ist entscheidend. Im Vorteil darf sich wähnen, wer über ein Auto verfügt, das möglichst viel Abtrieb generiert.

Das wiederum lässt die Kenner der Szene einen Vorteil von Ferrari gegenüber Mercedes vermuten. Zumindest die Statistik gibt dieser Einschätzung recht. Der Hungaroring ist jene Strecke im Kalender, auf der sich die Fahrer von Mercedes seit Wiederbeginn der Turbo-Ära vor drei Jahren am schwersten getan haben – ungeachtet des Doppelerfolgs im Vorjahr. Werden demgegenüber die bisherigen Ergebnisse der Fahrer für eine Prognose in Betracht gezogen, so hat aber auch in Ungarn Hamilton die Nase vorn. Der Sieg vor zwölf Monaten war sein fünfter gewesen in Mogyorod. Vettel gewann hier erst einmal, 2015.

«Ich erwarte eine sofortige Reaktion»

Ein weiterer Erfolg liesse Vettel nicht nur als Führenden in die vier Wochen dauernde Sommerpause gehen. Vorab hätte er etwas Beruhigendes an sich. Er würde eine Phase beenden, in denen das Pendel immer mehr zu Gunsten Hamiltons ausgeschlagen hat. In den vorangegangenen vier Grands Prix sammelte der Engländer 72 Punkte, 24 mehr als Vettel. Der Deutsche selber lässt sich davon nicht beeindrucken. Viel lieber hebt er die eigenen Stärken hervor. «Wir sind auf dem richtigen Weg. Unser Auto ist gut und stark.» Vettel wird den Worten Taten folgen lassen müssen, denn in der Chefetage ist Unruhe auszumachen. «Ich erwarte eine sofortige Reaktion», gab sich der für seine Ungeduld bekannte Ferrari-Präsident Sergio Marchionne unmissverständlich.

Hamilton seinerseits beobachtet die Entwicklung des Titelkampfs mit Zufriedenheit. «Wir haben eine gute Grundlage für den zweiten Teil der Saison.» Die Einschätzung bezieht sich selbstredend auf den Mercedes mit der Typenbezeichnung W08. «Wir verstehen das Auto immer besser», sagt der Brite. Es könnte das entscheidende Detail sein im Kampf um den Weltmeistertitel. Kein Wunder bei dem hohen Erfolgsanteil des Autos. Ob der nun 70, 80 oder 90 Prozent ausmacht, ist nebensächlich.