Fluglärm, der begeistert

Das Schweizer Daviscup-Team ist im Höhenflug. Nach den Siegen von Roger Federer und Stan Wawrinka im Halbfinal gegen Italien steht die Schweiz mit einem Bein im Final. 18 400 Zuschauer machen in der Palexpo-Halle Stimmung.

Matthias Hafen/Genf
Drucken
Teilen
In Genf entfachen die beiden Schweizer Tennisprofis Stan Wawrinka und Roger Federer mit zwei Siegen im Einzel gegen Italien eine riesige Euphorie. (Bild: ky/Salvatore di Nolfi)

In Genf entfachen die beiden Schweizer Tennisprofis Stan Wawrinka und Roger Federer mit zwei Siegen im Einzel gegen Italien eine riesige Euphorie. (Bild: ky/Salvatore di Nolfi)

TENNIS. Roger Federer drückte es in Worten aus, Stan Wawrinka mit seinen feuchten Augen. Die 2:0-Führung der Schweizer im Halbfinal gegen Italien ist der erhoffte Traumstart ins Daviscup-Wochenende in Genf. Von den kommenden drei Partien – das Doppel heute um 13 Uhr und die beiden abschliessenden Einzel morgen – müssen die Schweizer nur noch eine gewinnen, um nach 22 Jahren wieder einmal den Final zu erreichen.

Die Schweizer Rekordkulisse von 18 400 Zuschauern trug die beiden einheimischen Profis in der Palexpo-Halle förmlich zu ihren Siegen. Tröten, Rätschen, Programmhefte: Alles wurde gebraucht, um den Lärmpegel auf einen Maximalwert zu bringen. Und auch optisch wusste das Heimpublikum zu überzeugen: Wer nichts Rotes trug, fiel auf – oder eben ab.

Federers verbale Verneigung

«Ich bin sehr glücklich, dass ich das miterleben darf», sagte Federer (ATP 3) nach seinem 7:6 (7:5), 6:4, 6:4-Sieg gegen Simone Bolelli (ATP 76). «Ich kenne ja die 18 000 Zuschauer nicht. Aber wenn ich unten auf dem Platz stehe, schaue ich jeden von ihnen irgendwie als Freund an. Denn sie wollen ja, dass ich gewinne. Und das spüre ich in diesem Moment.» Federers Worte waren eine verbale Verneigung. Denn der akustische Support der Zuschauer übertönte zeitweise gar die startenden Jets vom angrenzenden Flughafen. Und die Schiedsrichter verzweifelten schier, weil sich die entfesselten Anhänger in den entscheidenden Phasen auch von ihren Ermahnungen nicht auf Anhieb ruhigstellen liessen. Als Wawrinka (ATP 4) nach seinem 6:2, 6:3, 6:2-Sieg gegen Fabio Fognini (ATP 17) auf dem Platz bejubelt wurde, waren seine Emotionen an den wässrigen Augen abzulesen. Er, der oft Mühe bekundete, vor Heimpublikum zu brillieren, besiegte die italienische Nummer eins noch überzeugender als Federer zuvor Bolelli. «Ich spiele schon über zehn Jahre Daviscup, aber so etwas wie hier habe ich noch nie erlebt», sagte der Romand. Schon die Einstimmung auf die Begegnung war emotional. Auf den beiden Grossleinwänden wünschten Schweizer Sportler wie Dario Cologna, Matthias Sempach, Belinda Bencic, Thabo Sefolosha, Mark Streit oder Roman Josi per Videobotschaft viel Glück.

Doppel Chiudinelli/Lammer?

Und weil die Schweizer am Starttag so erfolgreich waren, haben sie nun Optionen fürs Doppel. Teamcaptain Severin Lüthi schloss es jedenfalls nicht aus, heute Marco Chiudinelli und Michael Lammer spielen zu lassen, um den Stars Erholung zu gönnen. «Sie wären alles andere als chancenlos», so Lüthi.

Aktuelle Nachrichten