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FINANZEN: Es geht ans Eingemachte

Die neue Führung des FC St. Gallen hat alle Hände voll zu tun, um die Existenz des Vereins zu sichern. Vieles ist vor ihrer Zeit aus dem Ruder gelaufen, wie Resultate der Finanzprüfung zeigen.
Christian Brägger
«Ich dachte, das ist doch nicht möglich»: Präsident Matthias Hüppi. (Bild: Urs Bucher)

«Ich dachte, das ist doch nicht möglich»: Präsident Matthias Hüppi. (Bild: Urs Bucher)

Christian Brägger

Bald sagt Matthias Hüppi den einen Satz: «Der FC St. Gallen ist nicht über dem Berg, aber er kommt wieder auf Kurs.» Durchatmen. Denn die Finanzprüfer von Pricewaterhouse Coopers bringen offenbar wenig Gutes ans Tageslicht, als sie im Februar den Club für die neue Führung und die Erteilung der Lizenz röntgen. Fazit: Das «Kulturgut» geht am Krückstock, nur mit einem Kraftakt kann es sich ihm entledigen. Wofür insbe­sondere im Nachwuchsprojekt Future Champs Ostschweiz (FCO) das Budget zurückgestutzt wird von 4,5 auf 3 Millionen Franken. Ohne dass der Service darunter leiden soll.

Es ist Freitag, 15.45 Uhr, als Präsident Hüppi mit Christoph Hammer, als Verwaltungsrat für die Finanzen zuständig, an einer Pressekonferenz über den Zustand des FC St. Gallen orientiert. Hammer präsentiert den Halbjahresabschluss, der ein Minus von 358000 Franken ausweist. Gäbe es den ausserordentlichen Ertrag von 1,6 Millionen Franken aus dem Ajeti-Transfer nicht, fehlten fast zwei Millionen Franken in den ersten sechs Monaten. Eine unglaubliche Summe. Dank Ajeti und aufgegleisten Korrekturen rechnet Hammer am Ende der Saison mit einem strukturellen Defizit von einer Million Franken. Ohne Ajeti würde das Minus von 2,6 Millionen Franken aus der Vorsaison knapp unterschritten. Wie nur, FC St. Gallen, konnte es soweit kommen?

Misswirtschaft und eine Art Selbstbedienungsladen

Die Zahlen sprechen für sich. Sie zeugen von Misswirtschaft, die sich infolge fehlender Corporate Governance und Mängeln in der Geschäftsführung mit der Zeit ausbreitet, aber strafrechtlich keine Konsequenzen hat. So steigt die Lohnsumme der Festangestellten in den Monaten zwischen Juli und Dezember 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 45 Prozent. Altlasten (Joe Zinnbauer usw.) von 400000 Franken plagen in dieser Zeit zusätzlich den Verein, die Matcheinnahmen gehen in der Hinrunde um 283000 Franken zurück, im Nachwuchs die Kosten dafür um weitere zehn Prozent rauf. Später spricht Hüppi von «Selbstbedienungstendenzen und von Dienstleistungen, die ohne irgendeine Offerte bezahlt wurden. Und ohne dass man genau wusste, wofür.» Hammer sagt: «Man hätte Gegensteuer geben müssen. Aber man tat es nicht.»

Immerhin ist die Liquidität gesichert – Ajeti sei Dank. Und es gibt keine Pferdefüsse, die Zahlen sind absolut, bereinigt. Dafür musste jedoch eine Million Franken von den Reserven herhalten. Damit alles einigermassen im Lot bleibt, muss die Führung das Steuer sofort herumreissen. «Sonst droht der Kollaps», sagt Hüppi. Demnach setzt der Verwaltungsrat auf ein Performance Programm, um das strukturelle Defizit weiter zu reduzieren. Bereits Ende 2018 will er eine ausgeglichene Rechnung präsentieren. Dafür werden im FC St. Gallen, im Nachwuchs und in der Event AG zum Beispiel Synergien besser genutzt und damit Kosten gespart. Ein Ferruccio Vanin, dem man auf Ende August gekündigt hat, wird nicht ersetzt, was zusätzlich einschenkt. Letztlich soll es möglich sein, in der Super League «mit einer schwarzen Null» zu wirtschaften, wie Hammer sagt. In Anbetracht der Umstände ein frommer Wunsch.

Zwei Verträge, die nicht hätten sein dürfen

Konkrete Fehlleistungen der Führungsriegen vergangener Jahre wollen weder Hüppi noch Hammer an diesem Nachmittag nennen. Schuldzuweisungen gibt es keine. Dölf Früh, Stefan Hernandez oder deren Gefährten sollen Geschichte bleiben dürfen. Hüppi sagt: «Wir wollen vorwärtsschauen. Gruppenbildung wird es nicht mehr geben. Wir agieren als Team und unabhängig von irgendwelchen äusseren Einflüssen. Auch vom Aktionariat.» Der Präsident sagt aber auch: «Es wurden Sachen gefunden, von denen ich dachte: Das ist doch gar nicht möglich.» Und dann nennt Hüppi doch noch ein Exempel. Dabei geht es um zwei Talente von FCO, die im vergangenen Herbst Kontrakte zu besseren Konditionen als die anderen Nachwuchsspieler erhalten. Ohne dass Hernandez davon weiss. «Die Verträge hatten zudem Klauseln, dass die Jungen ohne Ausbildungsentschädigung den Club verlassen können, wenn sie nicht spielen.» Immerhin kann hier die Führung eingreifen. Infolge Formfehlern haben die Verträge keine Gültigkeit, weil der Schweizerische Fussballverband Brigitta Mettlers Unterschrift nicht anerkennt. Präsident Hüppi will die beiden Nachwuchsakteure schützen, nennt sie nicht beim Namen. Doch jeder im Raum weiss: Es handelt sich um Noah Blasucci und Dennis Vanin, die hier der Spielball von Machenschaften sind.

Die Kommunikation, die Beziehung zu den Fans und Sponsoren, vieles ist mit Hüppi nun wieder auf einem besseren Weg. Wie auch die erste Mannschaft des FC St. Gallen, um die es sich letztlich dreht. Sie ist nicht in Schieflage und morgen dann ab 16 Uhr in Thun gefordert.

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