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FINANZEN: Der Geldfluss stockt

Der neue TV-Vertrag zwischen der englischen Premier League und den Bezahlsendern spült der Liga knapp fünf Milliarden Euro für drei Spielzeiten in die Kasse. Das klingt nach viel, ist aber ein Rückgang.
Sergio Dudli
Wer Harry Kane im Fernsehen sehen will, muss tief in die Tasche greifen. (Bild: Getty (Southampton, 21. Januar 2018))

Wer Harry Kane im Fernsehen sehen will, muss tief in die Tasche greifen. (Bild: Getty (Southampton, 21. Januar 2018))

Sergio Dudli

Es war ein gewaltiger Ruck, der vor drei Jahren die Fussballwelt erzittern liess. Im Februar 2016 hatte die Premier League ihren Deal mit den britischen Bezahlsendern Sky und BT Sport kommuniziert. Nach heutigem Währungskurs war es den beiden TV-Unternehmen rund 5,8 Milliarden Euro wert, den Grossteil der Spiele der höchsten englischen Liga zwischen Sommer 2016 und Sommer 2019 zu übertragen. Mit diesem Milliarden-Deal stellte die Premier League alles Bisherige in den Schatten. Allein im Vergleich zum vor­herigen Vertrag konnte die Liga Mehreinnahmen von zwei Milliarden generieren.

Diese Geld-Explosion hat nach wie vor Auswirkungen auf den internationalen Transfermarkt. Für die zahlungskräftigen Vereine aus der Premier League spielt Geld nur noch eine untergeordnete Rolle. Mit den Milliarden im ­Rücken sind der Kaufwut der ohnehin schwerreichen Besitzer ­keine Grenzen gesetzt. Allein im Transferfenster dieses Winters gaben die zwanzig Clubs von der Insel weit über 480 Millionen Euro aus – mehr als alle Vereine aus Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich zusammen. Viele Anhänger und Experten stellten sich nach dem Deal im Februar 2016 die Frage: Ist die Grenze in Sachen TV-Gelder erreicht oder wird die Premier League bei den nächsten Verhandlungen die Kuh noch mehr melken können?

Zehn Millionen für ein Spiel

Bei den neuesten Verhandlungen ging es um die Übertragungsrechte für 200 Partien pro Saison während dreier Jahre. Verkauft wurden die Rechte in sieben unterschiedlichen Paketen, jedes mit einer bestimmten Anzahl an inbegriffenen Spielen. Nach den Verhandlungen zwischen der Premier League und den Interessenten verkaufte die Liga fünf der sieben Pakete. Total bezahlen die TV-Unternehmen fünf Milliarden Euro für die Übertragungsrechte an 160 Spielen. Zwei Pakete à 20 Live-Partien werden noch zu einem späteren Zeitpunkt vergeben.

Am tiefsten in den Geldbeutel greift das TV-Unternehmen Sky. Für knapp vier Milliarden Euro ­sicherte die Firma mit Hauptsitz in London sich die Rechte an 128 Spielen. Eine einzige Partie kostet Sky umgerechnet 10,5 Millionen Euro. BT Sport bezahlt für ein Paket mit 32 Spielen rund eine Milliarde. «Dass wir erneut solche Summen erzielen konnten, verdanken wir dem exzellenten Fussball, den die englischen Clubs ­bieten», sagte Liga-Chef Richard Scudamore zu den Deals. Fünf Milliarden Euro für drei Saisons. Was nach viel Geld klingt, entpuppt sich bei genauem Hinsehen als Rückschritt für die Premier League. Experten gehen nicht davon aus, dass die beiden übrigen Pakete eine zusätzliche Milliarde einbringen. Somit dürfte der neue Vertrag der Liga, der für die Spielzeiten von 2018/2019 bis 2020/2021 gilt, weniger Geld einbringen als der bisherige. Noch nicht verkauft hat die höchste Liga Englands die internationalen Übertragungsrechte. Vor drei Jahren nahm die Liga allein damit 3,7 Milliarden Euro ein.

Der Schuss in das eigene Bein

Die Gründe für den Rückgang der Einnahmen scheinen hausgemacht. Die Liga schiesst sich mit ihrer Geldgier und der daraus resultierenden Ausschlachtung der Übertragungsrechte selber ins Bein. Wegen des sogenannten «Drei-Uhr-Blackouts» dürfen auf der Insel zwischen 14.45 und 17.15 Uhr keine Spiele im Fernsehen übertragen werden. Diese Regel stammt aus den 60er-Jahren und sollte Anhänger dazu animieren, die Partien im Stadion zu ver­folgen. Durch diese Limitierung entgehen der Liga wertvolle Einnahmen. Um dennoch möglichst viele Spiele verkaufen zu können, werden die Spieltage immer weiter zerstückelt. Allein am Samstag wird es ab der kommenden Saison vier unterschiedliche Anspielzeiten geben. Durch diese Auffächerung kann die Premier League zwar mehr Spiel-Pakete anbieten, allerdings vergrössert sich dadurch auch die Anzahl von Bezahlsendern, die sich die Rechte an diesen Paketen sichern. Für den englischen Fussball­anhänger hat das weitreichende Konsequenzen: Will er das komplette Fussballprogramm vor dem Bildschirm verfolgen, muss er mindestens zwei Pay-TV-Sender abonnieren. Kosten, die sich nicht jeder auferlegen will – zumal die monatlich verrechneten Abonnements immer teurer werden. Schliesslich wollen Sky, BT Sport und Co. ihre investierten Mil­liarden wieder reinholen. Ein Teufelskreis.

«Dann sieht es wieder ganz anders aus»

Auch wenn die Einnahmen nach Verkauf aller Spiel-Pakete leicht rückläufig sein dürften – die Premier League ist nach wie vor die mit Abstand finanzkräftigste Fussballliga der Welt. Seit Jahren hinken andere Topligen wie die Bundesliga hinterher (siehe Grafik). Während die Engländer in dieser Saison fast zwei Milliarden Euro aus den TV-Gelder generieren, steht die Bundesliga derzeit bei rund 1,2 Milliarden.

Für Uli Hoeness, Präsident des FC Bayern München, ist es derweil nur eine Frage der Zeit, bis der Markt in England zusammenbrechen wird. «Ich bezweifle, dass der englische Fussballanhänger diese Entwicklungen auf Dauer so mitmacht», so der 66-Jährige. Das spiegle sich jetzt in den sinkenden Einnahmen. Und der ­Präsident des deutschen Rekordmeisters ergänzt: «Wenn das Ganze zusammenbricht, sieht die Verteilung der Gelder wieder ganz anders aus.»

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