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FINAL: «Wir sind gekommen, um Gold zu holen»

Die Mixed-Curlingspieler Martin Rios und Jenny Perret werden für die Schweiz eine Medaille gewinnen. Nach dem Erfolg gegen die Russen treffen sie heute im Final um 12.05 Schweizer Zeit auf Favorit Kanada.

Was war das für ein Nervenspiel: Vor der letzten russischen Abgabe lag ein Schweizer Stein beim Stand von 6:5 Shot. Die Russen hätten nur einen Stein reinlegen müssen, um ein Zusatzend zu erzwingen. Doch Alexander Kruschelnitzki versagten die Nerven, der Stein geriet zu lang und Jenny Perret und Martin Rios lagen sich in den Armen.

Gestern agierten die beiden fokussiert, ihre Diskussionen waren sachlicher als auch schon. ­Zudem zeigten sie sich nervenstärker als die Russen, in einer unterhaltsamen und am Ende spektakulären Partie. «Ich war nervös wie noch nie, schon Stunden vor dem Spiel», sagte die 26-jährige Seeländerin Jenny Perret. Ihr zehn Jahre älterer Glarner Partner Martin Rios kommentierte das auf seine bekannt träfe Art: «Es war sehr gut, dass Jenny nervös war, denn wenn sie den Kopf abstellt und nicht über alles nachdenkt, spielt sie am besten.» Seine eigene Gemütslage vor dem Spiel beschrieb er so: «Zwar war ich am Nachmittag auch etwas nervös, aber als das Spiel begann, wurde ich sehr ruhig. Ich habe irgendwie gespürt, dass es gut kommt.»

Geholfen habe auch ein Gespräch mit Andreas Schwaller, Chef Leistungssport im Curlingverband. Er habe von seinen ­Erfahrungen und Erfolgen gesprochen, nur kurz, aber das sei wichtig gewesen. Für einmal begannen die Schweizer gut, nachdem sie am Olympiaturnier bisher öfters erst in der zweiten Spielhälfte erwacht waren. Bis zur Pause nach vier Ends führte die Schweiz mit 4:2, doch im fünften glichen die Russen auf 4:4 aus. Im sechsten End verpassten die Schweizer die Vorentscheidung, als sie beim Versuch, mit dem letzten Stein zwei Punkte zu schreiben, ihren Shot liegenden Stein selber rauskatapultierten. Und so stand es 4:5 statt 6:4.

«Der Erfolg gibt uns recht»

Für einmal haben die Schweizer ihre Nervosität in positive Energie umgewandelt. «Ich weiss, jetzt sagen wieder viele: Können diese zwei ‹Lölis› nicht ein bisschen anders umgehen miteinander. Aber das ist unsere Sache. Jedenfalls kann nicht alles so falsch sein, der Erfolg gibt uns recht», so Rios, der als Doppelbürger einmal zwei Jahre für Spanien gespielt hat. Und jetzt also der Olympiafinal um Gold. «Wir haben das vorher niemandem gesagt, aber wir zwei haben das ganz klar ausgedrückt: Wir sind nur hierher gekommen, um Gold zu holen», sagte Rios. Es klang nicht etwa überheblich, sondern offenbarte das Selbstbewusstsein des bodenständigen Glarners, der sich nicht scheut, auch an Olympischen Spielen hohe Ziele zu formulieren: «Der goldene Staubfänger ist schöner, als der silberne. Ich hoffe, wir werden noch die Hymne hören.» Das Rezept ist ihm klar: «Wenn wir die erste Hälfte der Partie von heute und die zweite des Gruppenspiels gegen die Russen zusammenbringen, dann wird es für die Kanadier nicht einfach, uns zu besiegen.» (eisa)

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