FINAL: Erfolgreich – und kurz vor der Trennung

Thomas Tuchel hat den besten Punkteschnitt aller Dortmunder Trainer – und kann mit seinem Team heute gegen Frankfurt Cupsieger werden. Trotzdem deutet alles auf einen Abschied hin.

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Natürlich liess sich Thomas Tuchel nicht locken von dieser Frage. Wie er denn damit umgehe, dass dieser Final vielleicht sein letztes Spiel als Dortmund-Trainer sei. Tuchel rang sich ein Lächeln ab und erklärte: «Das spielt überhaupt keine Rolle. Ich spüre ein grosse Ruhe.» Ob das wirklich so ist, kann man nicht mit Gewissheit abschätzen. Klar ist nur, dass sich dieser Tage jeder Dortmunder darum bemüht, den Anschein von Normalität zu wahren. Auch Clubchef Hans-Joachim Watzke schlug zuletzt moderate Töne an. «Wir setzen uns nach der Saison zusammen und besprechen, wie es weitergeht», sagte er. So ganz klar ist den meisten Beobachtern allerdings nicht, was es noch zu besprechen gäbe. Das Verhältnis zwischen Tuchel und den Verantwortlichen ist zerrüttet. Zudem wird seit Wochen über mögliche Nachfolger spekuliert. Als Favorit wird Lucien Favre gehandelt, aktuell noch in Nizza unter Vertrag.

Wer nur die Ergebnisse der Dortmunder verfolgt, wird dieser Diskussion freilich recht ratlos gegenüberstehen. Denn Tuchel ist mit einem Punkteschnitt von 2,11 Zählern pro Partie der erfolgreichste Dortmund-Trainer aller Zeiten. Erfolgreicher als Ottmar Hitzfeld und Jürgen Klopp. Er hat mit seinem Team in zwei Jahren kein Bundesliga-Heimspiel verloren. In der vergangenen Saison war die Mannschaft der beste Zweite aller Zeiten, erreichte das Viertelfinale in der Europa League und verlor den Cup-Final gegen Bayern München erst im Penalty-Schiessen. Auch in dieser Spielzeit führte Tuchel das Team als Dritter direkt in die Champions League, scheiterte in der Königsklasse erst im Viertelfinale und kann die Saison heute noch mit dem Cupsieg krönen.

Aber fachlich gibt es ja sowieso keine Zweifel an Tuchel. Selbst seine Kritiker würden unterschreiben, dass Tuchel in taktischen Fragen ein Genie ist. Das Problem ist nur: Einer wie Tuchel taugt nicht für den diplomatischen Dienst. Nicht im Verhältnis mit der Mannschaft, und schon gar nicht im Umgang mit Funktionären. Es geht aber auch um persönliche Befindlichkeiten. Watzke ist ein starker Vorsitzender, der den Club 2005 in schwierigen Verhältnissen übernahm – und wieder an die Spitze geführt hat. Und er hat zwei Probleme mit Tuchel. Erstens: Er tritt ihm zu dominant auf. Zweitens: Er ist nicht Jürgen Klopp. Mit dem heutigen Liverpool-Coach verbindet Watzke eine Freundschaft. Klopp strahlte zudem eine Wärme aus, die sie beim BVB an Tuchel vermissen. Deshalb wird es nach dem Cupfinal ziemlich sicher zur Trennung kommen.

Carsten Meyer

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