Fifa nimmersatt

Fifa-Präsident Gianni Infantino will eine WM mit 48 Teams. Für diesen Vorschlag wird der Walliser harsch kritisiert. Es gehe ihm um Wählerstimmen und um noch mehr Geld für die Fifa.

Patricia Loher
Merken
Drucken
Teilen

Der Fussball-Weltverband Fifa ist wieder einmal in den Schlagzeilen. An einem Vortrag an der Universität in Bogotá sagte Präsident Gianni Infantino, es schwebe ihm vor, ab 2026 die Zahl der WM-Teilnehmer von 32 auf 48 zu erhöhen. In einem ersten Vorschlag, der ihm im Februar wohl auch den Sieg in der Präsidentschaftswahl eingebracht hat, hatte der 46jährige Walliser noch für 40 Teilnehmer plädiert.

Nachdem die Meldung am späten Montagabend aus Südamerika in Europa eingetroffen war, sah sich Infantino schnell im medialen Gegenwind. «So haben endlich auch Fussballverbände aus Usbekistan, Panama und Zypern zumindest eine kleine Hoffnung auf eine WM-Teilnahme», schrieb das Magazin «11 Freunde» in seiner Online-Ausgabe. Und weiter: Wenn auch die 48er- Runde nicht reichen sollte, könnte man das Teilnehmerfeld noch weiter ausbauen. «Auf 211 Teilnehmer zum Beispiel. Dann wären auch Amerikanisch-Samoa und Bhutan dabei. Verbände, die es Infantino danken werden. Spätestens bei der nächsten Wahl des Fifa-Präsidenten.» Der «Blick» schrieb in seinem Online-Kommentar: «Was sich wie eine flotte Geste anhört, ist vor allem für etwas gut: Sich die Stimmen der Kleinen für die Wiederwahl zu sichern. Da diese dann auch von einer WM-Teilnahme träumen dürfen. Und natürlich spült dieser Schachzug auch mehr Geld in die Fifa-Kassen.»

Eine Playoff-Runde mit 32 Teams

Es wäre aus Sicht von «11 Freunde» eine XXL-WM, an der sich fast ein Viertel aller 211 Fifa-Mitgliedsländer beteiligen darf. Infantino hat auf dem Reissbrett bereits einen Modus entworfen. Zunächst spielen 32 Mannschaften in einer Playoff-Runde gegeneinander. Für die Verlierer ist die WM nach nur einem Spiel zu Ende. Die 16 siegreichen Teams werden mit 16 gesetzten Mannschaften auf acht Gruppen verteilt, von wo es mit Gruppenpartien und K.o.-Spielen weitergeht. Der Weltmeister wird nach 80 Partien ermittelt sein. Das sind 16 Spiele mehr als an der WM 2014 in Brasilien. «Mehr Länder und Regionen in der ganzen Welt wären dann glücklich», sagte Infantino in Kolumbien.

Die NZZ stellte Fragen: «Welches Ausrichterland kann 48 Teams beherbergen und jedem Unterkunft sowie Trainingsmöglichkeiten bieten? Wie lässt sich ein derart aufgeblähtes Turnier in den internationalen Spielkalender einbauen? Welche Auswirkungen hat das auf Ligen und Vereine?» Anzunehmen ist, dass sich grosse Verbände gegen die Aufstockung wehren. Der deutsche Bundestrainer Joachim Löw sagte kürzlich: «Ich halte das für nicht gut, der sportliche Wert darf nicht verwässern.»

Über ein neues WM-Format und den Vergabeprozess für das Turnier von 2026 berät das Fifa-Council am 13. und 14. Oktober in Zürich. Entschieden werden soll Anfang 2017.