Fifa-Chef Gianni Infantino schickt zur Verteidigung die Artillerie

Der Weltfussballverband Fifa erklärt am Montagnachmittag den Medien, wieso das Strafverfahren gegen seinen Präsidenten falsch ist. Und er verlangt, dass in der Öffentlichkeit keine Vorverurteilung von Gianni Infantino stattfindet.

Rainer Sommerhalder
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Gianni Infantino will mit den Behörden «vollumfänglich kooperieren».

Gianni Infantino will mit den Behörden «vollumfänglich kooperieren».

Bild: EPA

Die Fifa geht für einmal medial in die Offensive und erklärt der Weltpresse ihre Sicht der Dinge rund um das Strafverfahren gegen Gianni Infantino. Der stellvertretende Generalsekretär Alasdair Bell versprach im Vorfeld zusätzliche Hintergrundinformationen. Er stellte dabei zwei Dinge vor. Einerseits die zur Verteidigung des Fifa-Präsidenten engagierten Anwälte David Zollinger und Marc Henzelin, zwei renommierte Juristen aus Zürich und Genf.

Andererseits die felsenfeste Überzeugung, dass der Fifa-Chef bei seinen drei Treffen mit Bundesanwalt Michael Lauber im Frühjahr 2016 in keiner Weise ein strafrechtliches Fehlverhalten begangen habe. Und somit sei das von Stefan Keller, dem ausserordentlichen Staatsanwalt des Bundes, eröffnete Strafverfahren wegen des Verdachts zur «Anstiftung des Bundesanwalts und anderen Personen zum Amtsmissbrauch und zur Verletzung des Amtsgeheimnisses» haltlos.

20 Fragen später keine neuen Erkenntnisse

Die Fifa bemühte sich bei dieser Gelegenheit, ein Bild von Offenheit und Transparenz abzugeben. In der Vergangenheit nicht immer eine ausgewiesene Stärke der Organisation. «Die Fifa und Gianni Infantino haben nichts zu verbergen. Wir wollen, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Wir teilen deshalb alle Informationen, die wir haben, mit den Medien», sagte Bell.

Eine Stunde später waren die wenigsten Teilnehmer der Videokonferenz entscheidend klüger. Wie auch? Schliesslich drehten sich die Diskussionen in der Fragerunde um die nicht protokollierte Treffen zwischen Infantino und Lauber, an deren exakte Teilnehmerliste sich nicht alle erinnern können. Oder um den möglichen Grund für das Strafverfahren, das sich aus Sicht der Fifa auf anonyme Anzeigen - vielleicht sogar böswillige Anschwärzungen - gegen ihren Präsidenten stützt. Und zu guter Letzt um eine mögliche Reaktion der Ethikkommission der Fifa, deren Arbeit und Kommunikation auch in Zeiten einer neuen Transparenz vornehmlich im Dunkeln liegt.

Diese Fifa-interne und gemäss Reglement unabhängige Kontrollinstanz hätte bei einem laufenden Verfahren die Möglichkeit, Infantino für 90 Tage vom Amt zu suspendieren. Es ist nicht anzunehmen, dass die kolumbianische Chefermittlerin Maria Claudia Rojas ein solches Ethikverfahren einleiten wird. So blieb Alasdair Bell abschliessend nichts anderes übrig, als zuhanden Medien und Öffentlichkeit zu appellieren, keine Vorverurteilung vorzunehmen.

Für Präsident Gianni Infantino kommen die Schlagzeilen im dümmsten Moment. Der 50-jährige Oberwalliser sah sich und seine Arbeit bereits vor Eröffnung des Verfahrens in den Medien unfair dargestellt. Doch anstatt der geplanten Charmeoffensive drohen nun für Monate wenn nicht Jahre belastende strafrechtliche Themen die Diskussionen rund um ihn und die Fifa zu dominieren.

Ironie des Schicksals: Genau, weil Infantino nach seinem Amtsantritt im Sinne eines Neustarts möglichst schnell die negative Presse rund um die Fifa-Bestechungsskandale hinter sich lassen wollte, drängte er auf die frühen Treffen mit Bundesanwalt Lauber, zum ersten Mal gerade mal 24 Tage nach seiner Wahl. Doch anstatt abgeschlossene Verfahren gegen seine Vorgänger generierte er nun damit ein neues gegen sich selber.