FIFA-AFFÄRE: Verbittert in der Verbannung

Noch bis zum 8. Oktober 2019 ist der ehemalige Uefa-Präsident Michel Platini wegen angeblicher Korruption gesperrt. Der 62-jährige frühere Weltstar ist aus der Öffentlichkeit verschwunden.

Merken
Drucken
Teilen
Michel Platini flüchtet sich auf Golfplätze. (Bild: imago)

Michel Platini flüchtet sich auf Golfplätze. (Bild: imago)

Wenn Michel Platini sein Anwesen in Cassis verlässt, setzt er die Sonnenbrille auf, klappt den Mantelkragen hoch und zieht sich das Käppi tief ins Gesicht. Der einstige Superstar ist verbittert, das ist kaum zu übersehen. Die Sperre, die erst im Oktober 2019 ausläuft, und das abrupte Ende seiner Amtszeit als Uefa-Präsident haben ihn gezeichnet.

Das Schlimmste für den Franzosen war die EM 2016 in seinem Heimatland. Kein einziges Spiel verfolgte Platini im Stadion, das liess sein Stolz nicht zu. «Ich bin doch kein Penner, der nicht weiss, ob er auf dem vierten oder fünften Rang sitzen darf», hat er laut der französischen Sport­zeitung «L’Equipe» zu Freunden gesagt: «Die EM, die sehe ich in meinem Swimmingpool.» Das Urteil des Sportgerichtshofes CAS in Lausanne auf Platinis ­Rekursantrag – Reduzierung der Sperre von sechs auf vier Jahre statt einem Freispruch – hat ihm den Boden unter den Füssen entzogen. Seine Frau Christele hatte ihn gewarnt, die Affäre – Platini erhielt kurz vor der Fifa-Präsidentenwahl eine Zahlung in der Höhe von zwei Millionen Franken für eine angebliche «Beratung von Sepp Blatter», der seinerseits Stimmen für seine Wiederwahl sammelte – nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Platini fühlte sich ungerecht behandelt und fiel umso tiefer. Noch heute kann er keine Pokal- und Medaillenübergabe im Fernsehen ertragen. Sieben Jahre hat er das selber gemacht. Und diese Adelung herausragender Spieler war für den einstigen Weltklassespieler immer ein Vergnügen, ein Festtag.

Nur drei Spiele live im Stadion

Platini flüchtet sich auf Golfplätze, vermeidet Stadionschüsseln aus Beton. Bis zum 22. Februar 2017, an dem er der Versuchung nicht mehr widerstehen kann. St-Etienne, wo er zum Weltstar avancierte, empfing damals in der Europa League Manchester United. Auf dem Weg ins Stadion hört er keine Pfiffe. Im Gegenteil: Die Fans wollen Selfies mit ihrem einstigen Liebling. Im Salon, der seinen Namen trägt, begegnet Platini anderen Legenden wie Alex Ferguson und Bobby Charlton. Trotz der mässigen Leistung seines ehemaligen Clubs haben Beobachter das Gefühl, dass Platini den Live-Fussball geniesst. Danach besucht er im Mai das Turiner Derby und das Spiel Nancy gegen St-Etienne, war also nur in den drei Stadien, in denen er selbst einst als Profi einlief.

Was aber wird aus ihm werden, wenn seine Verbannung in zwei Jahren endet? Eine Rückkehr zur Uefa scheint ausgeschlossen. Auch der französische Fussballverband zeigt ihm die kalte Schulter. «Ich interessiere mich nicht mehr für ihn», sagt Präsident Noel le Graet. Platini selbst spricht kaum noch mit den Medien, dafür sagt sein Sohn Laurent: «Er ist 62, also noch nicht in Rente.» Platinis Medienfreunde suchen einen Experten-Job für ihn. Der einstige Weltstar ist tief gefallen. Aber anscheinend noch nicht am Ende. (sid)