Fertig lustig in Deutschland: Nun finden auch in der Bundesliga Geisterspiele statt

Während in der Schweiz der Spielbetrieb ruhte, gingen in Deutschland weiterhin zehntausende Menschen ins Stadion. Das wird sich nun ändern. Auch das Champions-League-Spiel in Paris geht ohne Publikum über die Bühne. 

Renato Schatz
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Am vergangenen Samstag pilgerten 53877 Menschen in den Borussia Park, als Mönchengladbach gegen Dortmund spielte. Obschon der nur wenige Kilometer entfernte Landkreis Heinsberg besonders betroffen ist vom Corona-Virus. Doch die Bundesliga, ein Heiligtum in Deutschland, setzte ihren Betrieb scheinbar ungerührt fort.

Deutschland empfiehlt Verzicht auf Grossanlässe

Doch nun hat das Virus auch auf die Bundesliga spürbare Auswirkungen. Am Sonntag meldete sich der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn via Twitter zu Wort. Er «ermuntere» dazu, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen. An der gestrigen Bundespressekonferenz wiederholte der 39-Jährige seine Empfehlung. Die Entscheidungsgewalt obliegt allerdings den lokalen Gesundheitsbehörden.

Dass Spahns Bitte umgesetzt werden dürfte, liess Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister Nordrhein-Westfalens, bei «Anne Will» durchblicken. Im sonntagabendlichen Talk in der ARD sagte er: «In Wahrheit ist es wie eine Anordnung.» Er werde die Empfehlung des Gesundheitsministers umsetzen.

Folglich findet wohl mindestens das anstehende Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 vor leeren Rängen statt. Eine finale Entscheidung ist heute zu erwarten.

Das Revierderby am Wochenende wird wohl ohne Zuschauer auskommen müssen.

Das Revierderby am Wochenende wird wohl ohne Zuschauer auskommen müssen.

Bild: Keystone

Saison muss zu Ende gespielt werden

Betroffen ist auch das Rheinderby zwischen Mönchengladbach und Köln. Wegen des Orkans «Sabine» wurde die Begegnung auf diesen Mittwoch verlegt. Eine erneute Verlegung steht im Raum. Ansonsten droht ein Geisterspiel. Auch in diesem Fall ist heute mit einem Beschluss zu rechnen.

Die Deutsche Fussballliga (DFL) wies gestern in einem Statement nochmals daraufhin, dass die Politik darüber befindet, ob und wie ein Spiel ausgetragen wird. Sie schreibt, «dass die zuständigen staatlichen Stellen vor Ort an den Stadion-Standorten über entsprechende Konsequenzen entscheiden». Die laufende Saison müsse wie vorgesehen bis zum Sommer 2020 zu Ende gespielt werden. «Um Auf- und Absteiger sowie die Teilnehmer für die internationalen Wettbewerbe zu ermitteln.» Der Planungssicherheit wegen.

In Leipzig entschieden die Verantwortlichen entgegen Spahns Empfehlung. Das Champions-League-Spiel am Dienstagabend zwischen Leipzig und Tottenham wird vor Publikum durchgeführt.

Paris gegen Dortmund vor leeren Rängen

Ganz anders ist die Situation in Frankreich. Die Polizeipräfektur in Paris bewilligt keine Zuschauer im Parc des Princes, wenn am Mittwochabend Borussia Dortmund seinen 2:1-Vorsprung verteidigen will.

In Italien sind Geisterspiele mittlerweile Pflicht. Das Dekret des Ministerpräsidenten Giuseppe Conte gilt vorerst bis zum 3. April. Morgen berät der italienische Fussballverband über die Fortführung der Serie A.

In Griechenland oder Dänemark sind derzeit ebenfalls nur Geisterspiele erlaubt.