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Feinfühliger Erfolgstrainer

Vor dem Final der Fussball-EM gab es Momente, die einen Trainer dazu hätten bringen können, im Umgang mit den Medien die Zurückhaltung abzulegen.
Der Spanier Vicente Del Bosque ist einer der erfolgreichsten Fussballtrainer der Neuzeit. (Bild: epa/Georgi Licovski)

Der Spanier Vicente Del Bosque ist einer der erfolgreichsten Fussballtrainer der Neuzeit. (Bild: epa/Georgi Licovski)

Vor dem Final der Fussball-EM gab es Momente, die einen Trainer dazu hätten bringen können, im Umgang mit den Medien die Zurückhaltung abzulegen. Nur Vicente Del Bosque liess sich trotz all der Diskussionen um die Auftritte seines Teams nicht aus der Ruhe bringen. Als der spanische Nationaltrainer gefragt wurde, ob es gegen Italien nicht an der Zeit sei, die Taktik zu überdenken, sagte er: «Ja, wir werden mit drei Stürmern spielen.» Natürlich war das ein Scherz. Der 61-Jährige nominierte auch am Sonntag keinen gelernten Stürmer für die Startformation und trotzdem demonstrierte Spanien beim 4:0 seine Vormachtstellung. Noch nie hat eine Mannschaft einen EM-Final so deutlich für sich entschieden.

Del Bosque wie einst Schön

Del Bosque ist zu einem der erfolgreichsten Trainer der Neuzeit aufgestiegen: Der Mann aus Salamanca, der Spanien nach dem Gewinn der EM 2008 von Luis Aragones übernommen hat, wurde Welt- und Europameister. Hinzu kommen seine Erfolge als Clubtrainer bei Real Madrid. Ab 2000 führte er die Madrilenen um Spieler wie Zinedine Zidane oder Raúl zu zwei spanischen Meisterschaften und zwei Triumphen in der Champions League. Del Bosque ist nach Helmut Schön 1972 und 1974 erst der zweite Coach, dem es gelang, nacheinander WM-Titel und EM-Titel zu gewinnen.

Del Bosque sagt: «Je mehr man gewinnt, desto mehr sollte man sich verpflichtet fühlen, korrekt und bescheiden aufzutreten.» Der Mann mit dem Schnauz strahlt Ruhe aus. In Spanien nennen sie ihn den «hombre tranquilo», den «ruhigen Mann». Del Bosque gilt als feinfühliger Fachmann, der taktisch flexibel reagieren kann. Debatten verschloss er sich nie. Diskussionen über Fussball seien gesund, so der Trainer, der schon viel erlebt hat. Sein Vater sass in einem Gefangenenlager der Franco-Diktatur, eines seiner Kinder leidet unter dem Down-Syndrom. «So eine Situation relativiert vieles.»

Von den Spielern wird Del Bosque geschätzt, weil er ihnen nicht autoritär seine Entscheidungen aufzwingt. Weil er sie leitet und weniger führt. Wenn es in Spanien einen intelligenten Mann gebe, dann Del Bosque, sagt der frühere Nationalspieler Fernando Morientes.

«Ich habe geweint»

Der Tiefpunkt seiner Karriere war die Entlassung bei Real Madrid vor zehn Jahren. 30 Jahre hatte Del Bosque dem Club angehört. Doch dem damaligen Präsidenten Florentino Pérez war Del Bosque zu wenig charismatisch. Heute sagt der 61-Jährige: «Ich habe geweint, Real Madrid war meine Familie.» WM- und EM-Titel sind mehr als bloss ein Trostpflaster.

Patricia Loher

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