FECHTEN: Tapfere Schweizer schlecht belohnt

Die Schweizer Degen-Männer sichern sich an der WM in Leipzig nach einer bravourösen Gesamtleistung die Silbermedaille. Im Final unterliegen die Schweizer gegen Frankreich knapp mit 43:45.

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Schlussfechter Max Heinzer muss nach einem Sturz auf den Hinterkopf mit Verdacht auf Hirnerschütterung ausgewechselt werden. (Bild: EPA)

Schlussfechter Max Heinzer muss nach einem Sturz auf den Hinterkopf mit Verdacht auf Hirnerschütterung ausgewechselt werden. (Bild: EPA)

Im Final gegen den hohen Favoriten Frankreich fehlte nur wenig zum ersten Team-WM-Titel­gewinn in der Schweizer Fechtgeschichte. Das Team mit Max Heinzer, Benjamin Steffen, Michele Niggeler und Georg Kuhn führte im Kampf mit einem maximalen Vorsprung von sieben Treffern. Schlussfechter Max Heinzer musste nach einem Sturz auf den Hinterkopf beim Stand von 32:29 ausgewechselt werden. Später erhöhte Georg Kuhn den Vorsprung zwischenzeitlich auf vier Treffer, ehe dem Weltranglistenersten Yannick Borel doch noch die Wende für den Olympiasieger gelang.

Steffen hatte für die Schweiz gegen Ronan Gustin in seinem zweiten Gefecht des Finals aus einem 10:11-Rückstand eine 13:11-Führung gemacht. Fortan lagen die Schweizer in Führung, mussten 97 Sekunden vor Ende aber erstmals den Ausgleich hinnehmen, als Borel gegen den eingewechselten Kuhn ausglich. Kuhn musste im letzten Gefecht 2:38 Minuten vor Ende «kalt» für Heinzer einspringen, besass aber die Gewissheit, dass er bei seinem WM-Début im Einzel dem Weltranglistenersten Borel sensationell eine Niederlage zugefügt hatte. Als Borel den Rückstand aufgeholt hatte, behielt Kuhn die Nerven und antwortete mit zwei Einzeltreffern zur 39:37-Führung.

Borel entnervt, Kuhn behält die Übersicht

Borel wechselte daraufhin entnervt den Degen. Doch Kuhn behielt die Übersicht und baute die Führung gar noch auf vier Treffer aus. Aber auch Borel meldete sich zurück. 15 Sekunden vor Ende holte der Einzel-Europameister die Führung für Frankreich zum 44:43 und setzte 2,45 Sekunden vor Ende die letzte Touche zum Gewinn von WM-Gold.

Heinzer hatte beim 37:32- Halbfinal-Triumph gegen den mehrfachen Teamweltmeister Ungarn als Schlussfechter noch ein eindrucksvolles Feuerwerk gezündet. Er trat sein Gefecht gegen den WM-Dritten Andras Redli mit einem 11:15-Rückstand an. Der Schwyzer blühte dabei erst nach einem medizinisch bedingten Unterbruch richtig auf. Heinzer musste sich knapp zwei Minuten vor Gefechtsende beim Stande von 19:22 am linken Knie mit Eisspray behandeln lassen. Er setzte dann das Gefecht fort und erkämpfte dem Team einen 29:26-Vorsprung. Auch eine gebrochene Degenklinge und ein Strafpunkt konnten Heinzer nicht stoppen; er deklassierte seinen Gegner am Ende mit 26:17.

Das als Nummer sieben ­gesetzte Schweizer Team mit dem WM-Zehnten Heinzer, dem Olympiavierten Steffen, dem EM-Achten Niggeler und Kuhn hatte in Leipzig zum Auftakt Kolumbien mit 45:38 und danach Japan mit 45:33 bezwungen. In den Viertelfinals folgte dann der ­erste Coup mit dem 22:20-Sieg gegen den Olympia-Zweiten Italien. Für die Schweizer war dies eine erfolgreiche Revanche für die bittere Viertelfinalniederlage an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. (sda)