«Zum Kotzen», «Farce», «Habe diese Oberjammeris sowas von satt»: Was FCSG-Fans zum Entscheid sagen, wie die Meisterschaft fortgesetzt wird

Der FC Zürich tritt nach seinen Coronafällen mit Spielern der U21 gegen Basel und möglicherweise auch gegen YB an, um einen Abbruch der Meisterschaft zu verhindern. Das sorgt unter Fussballfans für heisse Diskussionen. «Wettbewerbsverzerrung zu Ungunsten des FC St.Gallen», schreien die einen. «Nicht jammern, kämpfen!», tönt es von den anderen.

Daniel Walt
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Bei den Fans des FC St.Gallen wird die Entscheidung, dass die Meisterschaft fortgesetzt wird, kontrovers diskutiert.

Bei den Fans des FC St.Gallen wird die Entscheidung, dass die Meisterschaft fortgesetzt wird, kontrovers diskutiert.

Bild: Urs Bucher (St.Gallen, 11. November 2018)
«Was für eine Farce!»
«Zum Kotzen!»
«Sorry, mehr Wettbewerbsverzerrung geht nicht!»

Im Fanforum des FC St.Gallen geht es aktuell hoch zu und her. Zahlreiche Anhänger der Espen sind hell empört über die Art und Weise, wie die Meisterschaft nach den Coronafällen beim FC Zürich fortgesetzt wird. Der FCZ hat in Absprache mit der Liga nämlich entschieden, am Dienstagabend mit zahlreichen Spielern der U21 beim Tabellendritten Basel anzutreten. Dies, da der Grossteil der ersten Mannschaft in Quarantäne ist.

Zudem könnten auch bei der Partie gegen den aktuellen Tabellenzweiten YB am kommenden Wochenende zahlreiche Nachwuchskräfte der Zürcher zum Einsatz kommen. In anderthalb Wochen aber, wenn der aktuelle Leader aus St.Gallen im Zürcher Letzigrund gastiert, wird der FCZ aller Voraussicht nach wieder mit seinem Fanionteam antreten.

«Zustände wie in Russland», «Kasperliverein»

«Gratispunkte für YB und Basel und noch die Möglichkeit, Spieler zu schonen. Sind ja Zustände wie in Russland»: Das schreibt User «Grüntee» im Fanforum. Auch auf der Facebook-Seite des Tagblatts gibt es äusserst kritische Rückmeldungen: Marco Rusch ist überzeugt, dass die Saison abgebrochen worden wäre, wenn aktuell YB oder Basel die Tabelle anführen würden. Daniel Bruderer seinerseits postet: «Genau so funktioniert Wettbewerbsverfälschung», während Dänu Hersperger den Schweizerischen Fussballverband als «Kasperliverein» bezeichnet.

Auf Twitter stellt Roland Meier derweil die Frage in den Raum, ob sich der FCSG gegen die Benachteiligung zur Wehr setzen soll:

Vorschlag eines Fans: Auch Basel und YB mit der U21

Etwas weniger scharfe Töne schlägt User «Mythos» im FCSG-Fanforum an. Er ist zwar ebenfalls überzeugt, dass nun eine Wettbewerbsverzerrung droht, macht aber einen unkonventionellen Vorschlag:

«Basel und YB sollen ebenfalls ihre U21-Teams antreten lassen. So würden es Teams mit Eiern in der Hose machen.»

Sollten Basel und allenfalls auch YB die Begegnungen gegen die FCZ-Nachwuchsmannschaft hingegen nutzen, um ihr Torverhältnis kräftig aufzupolieren, wäre dies laut dem User «ein verdammter Affront allen anderen Teams der Liga gegenüber».

Auch auf Twitter kursiert ein entsprechender Vorschlag:

«Wir müssen mehr liefern wie YB. Leben wir damit!»

Andere FCSG-Fans sind zwar auch nicht begeistert von der Art und Weise, wie die Fussballmeisterschaft nach den Coronafällen beim FCZ fortgesetzt wird. Sie halten aber nichts davon, jetzt das grosse Wehklagen ausbrechen zu lassen: User «Grünweisseleidenschaft» beispielsweise schreibt im FCSG-Forum:

«Habe diese Oberjammeris sowas von satt. Ich bin aus sportlicher Sicht nur schon froh, wird die Saison nicht abgebrochen.»

Er nimmt die direkten Titelkonkurrenten gar in Schutz: «Was können YB und Basel dafür, dass die Zürcher keine anständige Truppe stellen können?» Es sei nun mal so, wie es sei – «wir müssen für den Sieg gegen Zürich mehr liefern wie YB. That's it. Leben wir damit!»

Twitterer «Herr Von der Esche» seinerseits nervt sich ebenfalls über das Gejammere eines bestimmten FCSG-Fans:

Ein weiterer Forumuser ist überzeugt: Wenn der FCSG Meister werden will, muss er Ende kommender Woche fähig sein, das A-Team des FCZ im Letzigrund zu schlagen. Andere hoffen darauf, dass sich Basel und YB gegen die Nachwuchskräfte des FCZ kräftig blamieren werden: «Für die FCZ-U21 wäre für immer ein kleiner Platz in meinem Herzen reserviert», schreibt beispielsweise User «Dimitri1879».

Pragmatisch sieht es derweil «Braveheart»: Für ihn ist der FC St.Gallen auf jeden Fall der moralische Sieger der Saison. Wenn man trotz aller Widrigkeiten am Saisonende zuoberst stehe, habe sich die ganze Truppe ein Denkmal an bester Lage verdient. «Und wenn nicht, können wir immer noch schulterzuckend ‹Scheiss Corona, bildet euch bloss nichts auf diesen Titel ein!› sagen.» Der Club seinerseits werde cool bleiben und professionell agieren.

«Wir Verrückten dürfen aber schon rummotzen. Dafür sind wir da!»
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Patricia Loher