Zufrieden mit dem kleineren Übel: Der FC St.Gallen und der FC Wil nach dem Entscheid, die Meisterschaft zu unterbrechen

Matthias Hüppi und Maurice Weber begrüssen den Entscheid, die Meisterschaft in Super- und Challenge-League vorerst ruhen zu lassen.

Patricia Loher und Ralf Streule
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Vorerst wird im St.Galler Kybunpark nicht mehr Fussball gespielt.

Vorerst wird im St.Galler Kybunpark nicht mehr Fussball gespielt.

Bild: Ralph Ribi

Die Swiss Football League und die Präsidenten der Super- und Challenge-League-Clubs haben Spiele ohne Publikum (vorerst) abgewendet. Die Meisterschaft wird nach dem bundesrätlichen Grossveranstaltungsverbot für mehr als 1000 Personen wegen des Corona-Virus bis zur Nationalmannschaftspause am 23.  März ausgesetzt. Wenn das bis am 15. März geltende Verbot nicht verlängert wird, findet die nächste Runde allerdings am 21./22. März statt.

Matthias Hüppi, Präsident FC St.Gallen.

Matthias Hüppi, Präsident FC St.Gallen.

Bild: Urs Bucher

St.Gallens Präsident Matthias Hüppi sagt: «Es war die einzige Möglichkeit, Geisterspielen aus dem Weg zu gehen.» Der Meisterschaftsunterbruch betrifft bei den Ostschweizern die am Samstag abgesagte Partie in Sitten, die zwei Heimspiele gegen Zürich und Thun, sowie vorerst auch die Partie in Neuenburg gegen Xamax.

Hüppi: «Guter Job der Spielplangestalter»

Abklärungen über das Wochenende ergaben, dass trotz ebenfalls abgesagter Cupspiele, der entscheidenden Phase in der Champions League und dem Engagement des FC Basel in der Europa League noch genügend Ausweichtermine vorhanden sind, um die Meisterschaft pausieren zu lassen.

Die Spielplangestalter der Liga hätten seit Freitag und dem Grossveranstaltungsverbot einen hervorragenden Job gemacht, sagt Hüppi. «Sie lieferten uns gute Entscheidungsgrundlagen.»

Allerdings werden sich die Clubs auf englische Wochen einstellen müssen, allenfalls auch auf ungewöhnliche Anspielzeiten und möglicherweise auf ein späteres Ende der Meisterschaft. Hüppi:

«Uns ist bewusst, dass die Belastungen höher werden. Trotzdem ist der Unterbruch in Anbetracht der Situation das Beste, was uns passieren konnte.»

Wirtschaftlich wären Geisterspiele nicht nur für den FC St.Gallen, sondern auch für die meisten anderen Clubs der zwei höchsten Schweizer Ligen zu einem Fiasko geworden: Zwei Partien ohne Publikum hätten den FC St.Gallen schätzungsweise mehr als eine halbe Million Franken gekostet.

Sportlich wären Partien ohne Zuschauer für die junge, begeisterungsfähige Mannschaft ebenfalls fatal gewesen. Natürlich kommt dem Team auch ein Unterbruch nicht wirklich gelegen, St.Gallen befindet sich gut in Form und ist unterdessen seit einem Monat Leader. Am Dienstag wird sich St.Gallens sportliche Leitung treffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Es dürften wohl Testspiele angesetzt werden, die allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden müssen.

Weber: «Spiele ohne Zuschauer wären trist»

Maurice Weber, Präsident FC Wil.

Maurice Weber, Präsident FC Wil.

Bild: Urs Bucher

Auch Maurice Weber, Präsident des Challenge-League-Clubs Wil, ist über den Entscheid erfreut.

«Auch wenn uns die wegfallenden Zuschauereinnahmen weit weniger stark treffen würden als den FC St.Gallen: Spiele ohne Zuschauer wären trist.»

Nebst dem Heimspiel gegen Lausanne, das am vergangenen Wochenende stattgefunden hätte, sind bei Wil auch die Partien in Aarau und zu Hause gegen Winterthur betroffen. «Gerade Heimspiele gegen Winterthur sind immer eine stimmungsvolle Sache», sagt Weber. Dass die Chance bestehe, dieses Spiel regulär auszutragen, freue den FC Wil.

Der Entscheid sei von fast allen Clubs mitgetragen worden, so Weber. Nur von fast allen? «Ja», sagt Weber. Es seien schon auch «Partikulärinteressen» eingebracht worden bei den Diskussionen. Dem Vernehmen nach waren es die Zürcher Clubs, die nichts gegen Geisterspiele einzuwenden gehabt hätten. Wohl auch aus dem Grund, dass Partien im Letzigrund auch an mittelprächtig besuchten Spielen schnell einmal zum Verlustgeschäft werden. Ein anderer Grund mag sein: Der FC Zürich hätte am kommenden Wochenende auswärts gegen St.Gallen wohl nicht ungern vor leeren Rängen gespielt.

Für den FC Wil hat eine längere Pause vielleicht auch aus einem anderen Grund sein Gutes. Zuletzt kam die Mannschaft nicht auf Touren, holte in diesem Jahr erst einen Punkt. «Eine Kopfsache» sei die Baisse vor allem, sagt Weber. Die Mannschaft habe nun die Chance, mental gestärkt aus der langen Pause zurückzukehren. Doch auch Weber ist sich bewusst: Entschärft sich die Lage um das Corona-Virus nicht, werden Geisterspiele unumgänglich.