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Vor dem Spiel gegen den FC St.Gallen: Sion-Reizfigur Christian Constantin wütet wieder

Christian Constantin, Präsident des heutigen St. Gallen-Gegners Sion, erhitzt mit seinem Boykott gegen die Zeitung «Nouvelliste» die Gemüter. Der frühere Nationalspieler Charly In-Albon verurteilt seine Aktion.
Pascal Berger
Christian Constantin ist nicht überall im Wallis beliebt. (Bild: KEY)

Christian Constantin ist nicht überall im Wallis beliebt. (Bild: KEY)

Es ist schon erstaunlich, wie der FC Sion es schafft, sich selbst dann in den Schlagzeilen zu halten, wenn gar nicht Fussball gespielt wird. Zu verdanken hat er das meistens seinem Präsidenten Christian Constantin, der inzwischen 61 Jahre alt ist, aber nichts von seiner Streitlust eingebüsst hat. Constantin ist seit 2003 wieder Chef des Vereins, den er zwischen 1992 und 1997 ein erstes Mal geführt hatte.

Der Streit mit «Nouvelliste»

Und Chef bedeutet in seinem Fall: Er versteht sich nicht bloss als Mann, der hinter dem Bürotisch in der FC-Sion-Zentrale in Martigny-Croix Akten wälzt. Nein, er ist zum Beispiel auch Entscheidungsträger, wenn es um Transfers geht. Oder er nimmt aktiv Einfluss, wenn er den Eindruck gewinnt, dass die Fussballer nicht das abliefern, was er sich eigentlich vorstellt. Dann baut er sich im Tourbillon gleich hinter der Ersatzbank so auf, dass er nicht übersehen werden kann. Und sein finsterer Blick verrät, wie es in ihm brodelt.

Nun ist Constantin, der früher selber Goalie war, mit einer Massnahme aufgefallen, die nichts mit der taktischen Ausrichtung des Trainers oder ungenügenden Leistungen der Spieler zu tun hat. Und die weit über die Kantonsgrenze für Aufsehen gesorgt hat. Er verweigert für diese Saison allen Vertretern der Lokalzeitung «Nouvelliste» die Akkreditierung, weil er mit Kommentaren des Chefredaktors offenbar seit längerem nicht einverstanden ist. Als Sion vor einer Woche gegen Lugano zum Auftakt in die Meisterschaft 1:2 verlor, stand anderntags keine Zeile über den Match in der Zeitung. Constantin kümmert das offensichtlich gar nicht, er vertritt den Standpunkt, dass der «Nouvelliste» den FC Sion nötiger habe als umgekehrt.

«Er verletzt die Pressefreiheit»

«Die Aktion von Constantin ist eine Frechheit», sagt Charly In-Albon, «der Präsident ist jemand, der oft und heftig austeilt – dann sollte er auch einstecken können. Er verletzt die Presse- und Meinungsfreiheit, wenn er Journalisten boykottiert. Das geht nicht!» In-Albon ist «Nouvelliste»-Abonnent und ehemaliger Schweizer Nationalspieler, der beim FC Sion gross wurde und Ende der 70er-Jahre zu den Grasshoppers wechselte. Der 61-Jährige lebt wieder im Wallis, verfolgt aufmerksam, was sich beim Club tut, meidet aber Besuche im Tourbillon konsequent, solange Constantin im Amt ist. In-Albon kann mit dessen Politik nichts anfangen, er hält viele seiner Pläne für unrealistisch, und ihm mangelt es an Einheimischen in der ersten Mannschaft.

Wirrwarr auf der Trainerbank

Dabei heisst es im Wallis wiederholt, dass der FC Sion ohne Constantin gar nicht in der Lage wäre, in dieser Form zu existieren, weil der Präsident Jahr für Jahr mehrere Millionen Franken einschiesse. In-Albon bringt für solche Behauptungen wenig Verständnis auf:

«Wenn er weg wäre, kämen ganz sicher andere Leute, vielleicht würden sich ein paar Unternehmer zusammentun. Jedenfalls glaube ich nicht, dass alles einstürzt, wenn Constantin das Präsidentenamt abgibt.»

Was das Sportliche angeht, sieht In-Albon im FC Sion eine Wundertüte. «Die Mannschaft ist zu allem fähig», sagt er, «sie kann einen der ersten drei Plätze belegen – oder auch gegen den Abstieg kämpfen. Es kommt stark darauf an, ob der Trainer in Ruhe gelassen wird oder eben nicht.» Der Trainer heisst seit Februar Maurizio Jacobacci, und er ist immer noch im Amt, obwohl nach der Saison die Trennung drohte. Constantin verkündete damals, Jacobacci habe aus finanziellen Gründen sein Angebot abgelehnt – einen Tag später vermeldete der Club, man habe sich auf einen neuen Einjahresvertrag geeinigt.

Sion will mehr als eine Statistenrolle

Allerdings ist ein Vertrag nicht etwa zu verwechseln mit einer Garantie, bis zum Ende der definierten Laufzeit arbeiten zu dürfen. 1:2 verlor Sion zum Start, und wenn in St. Gallen die nächste Niederlage folgt, wächst die Nervosität. Jacobacci ist auch überzeugt, mit seinem Kader mehr als nur eine Statistenrolle in der Liga spielen zu können. Aber er weiss, dass er sich dafür nicht mehr allzu viel Zeit lassen darf.

Dabei wäre das ein massgebender Faktor: Zeit. «Wenn er sie bekommt, traue ich Sion einiges zu», sagt Georges Bregy, auch er ein Altmeister wie In-Albon.

«Aber wenn Unruhe aufkommt, färbt sich das automatisch auf die Mannschaft ab.»

Folglich ist sich Jacobacci bewusst, was am meisten Wirkung hat, um möglicherweise unangenehme Tage zu vermeiden: ein erfolgreicher Abstecher in die Ostschweiz.

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