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Interview

FCSG-Sportchef Alain Sutter über das aktuelle Kader: «Wir wollen das Team weiter ergänzen»

Das Kader des FC St.Gallen nimmt Formen an, die Suche nach Spielern ist aber noch nicht abgeschlossen. Sportchef Alain Sutter spricht über finanzielle Grenzen, über Prellböcke, Transferprinzipien und die Stressfrei-Woche auf Mallorca.
Ralf Streule
Alain Sutter zur Transferstrategie: «Wir wollten nicht holen, was schon da ist.» (Bild: Keystone)

Alain Sutter zur Transferstrategie: «Wir wollten nicht holen, was schon da ist.» (Bild: Keystone)

Alain Sutter, der FC St.Gallen hat acht Neuzuzüge zu vermelden. Ist die Transferarbeit knapp zwei Wochen vor dem Saisonstart abgeschlossen?

Nein. Wir wollen das Team weiter ergänzen.

Axel Bakayoko wird als möglicher Neuzugang gehandelt. Der französische Mittelfeldspieler war von Inter Mailand an Sochaux ausgeliehen, wo Peter Zeidler zuletzt Trainer war. Ist Bakayoko Thema in St. Gallen?

Er hat sich das Trainingsgelände und das Stadion angesehen, wir hatten Gespräche. Peter kennt ihn von Sochaux, er ist ein interessanter, junger, entwicklungsfähiger Spieler, er passt somit in unser Profil. Aber da ist nichts entschieden. Es gibt andere Spieler, die ähnlich nahe dran sind.

Ein Stürmer könnte auch noch ein Thema werden?

Nein, da sind wir genügend gut besetzt.

Das Kader ist nun wieder gegen 30 Spieler gross. Wohl zu gross.

Das ist richtig. Wir werden versuchen, den einen oder anderen Spieler auszuleihen. Vor allem Junge, die in der vergangenen Saison kaum Spielpraxis erhielten. Ein Jahr mit wenigen Ein­sätzen verkraftet ein Spieler in seiner Entwicklung, danach wird es schwierig.

Sie reden von Nachwuchsspielern wie Noah Blasucci oder Dennis Vanin?

Ja. Und auch bei Adonis Ajeti, der nach seiner Verletzung noch im Aufbau begriffen ist, denken wir darüber nach.

Unter den Neuen gibt es einige, die zuletzt in ihren Teams wenig Spielpraxis hatten. Solche Akteure zu holen ist eine Risikostrategie.

Es ist definitiv ein mutiger Weg, den wir gehen. Wir müssen das tun. Das Budget bestimmt, in welchen Jagdgebieten man sich aufhält. Ausser für Cedric Itten bezahlten wir bisher keine Ablöse. Letztlich stellen wir uns folgende Fragen: Passen die Spieler zu uns? Sind sie entwicklungsfähig? Sind sie finanzierbar? Natürlich: Bei allen Transfers mit jungen Spielern ist ein gewisses Risiko da. Aber wir wollen ja eine neue Dynamik reinbringen. Peter und ich haben den Mut, dieses Risiko einzugehen. Peter ist ein Trainer, der mit Jungen gut arbeitet. Das wissen auch die Spieler. Darauf bauen wir.

Aber man hat an Erfahrung verloren. Milan Vilotic ist der einzige routinierte Neuzugang.

Ja, aber die Mischung ist gut. Wir haben noch viele Erfahrene. Wir brauchten einige junge Wilde.

Mit Leonel Mosevich und Majeed Ashimeru sind zwei Leihspieler im Team. Wollte man nicht auf Ausleihen verzichten? Ihre allfällige Entwicklung wird dem Club finanziell nichts bringen.

Wir müssen Kompromisse eingehen, manchmal weicht die Realität ab vom Wunschbild. Natürlich, wir wollen Spieler, die uns langfristig weiterbringen. Bei Leihspielern gibt es ja auch die Möglichkeit, dass sie bleiben, wenn es für alle passt.

Was in Testspielen auffällt: Im Mittelfeld findet man nicht mehr dieselbe körperliche Robustheit wie zuvor mit Toko oder Runar Sigurjonsson. Majeed Ashimeru oder Jordi Quintilla sind feine, technische Spieler. Wird der Prellbock nicht fehlen?

Das wird sich zeigen. Natürlich braucht man diese Komponente. Wir haben ja immer noch Spieler wie Stjepan Kukuruzovic, Alain Wiss oder Peter Tschernegg, die viel Robustheit mitbringen. Jeder hat seine Stärken, jeder findet seine Lösungen. Nehmen wir Dereck Kutesa: Er ist ein Spieler mit einem sehr schnellen Antritt, der sich gut aus Eins-Eins-Situationen lösen kann. In der vergangenen Saison fehlte eher die Wendigkeit, die Schnelligkeit. Diese Komponente wollen wir mit den Neuen reinbringen. Wir wollten nicht holen, was schon da ist.

Apropos Transferprinzipien: Lyon galt lange als Vorzeigeverein in Sachen Transferstrategie. Ein Journalist listete die erfolgsbringenden Prinzipien Lyons auf. Erstens: Hole Spieler, die gut 20 Jahre alt sind. Schon entwickelt, aber noch nicht ganz ausgereift.

Da sind wir wohl gut bedient.

Zweitens: Nutze die Macht der Gruppe. Viele Leute im Club sollen mitreden. Mehr Köpfe denken besser.

Das ist bei uns gegeben. Nicht nur Peter Zeidler und ich bestimmen. Viele geben ihre Meinung ab: Unser Videoanalyst und Chefscout Nnamdi Aghanya, die Co-Trainer, Präsident Matthias Hüppi. Oder Stefan Wolf, der sportliche Vertreter im Verwaltungsrat. Oft sind es kontroverse, spannende Prozesse.

Ein anderes Prinzip: Hole schwierige Fälle und helfe ihnen, in die Spur zu kommen. Ist Milan Vilotic, der sich offenbar bei YB und GC zerstritt, so ein Fall?

Er ist definitiv kein schwieriger Fall, nein. Dass es nach aussen so aussehen kann aufgrund der Medienberichte, das verstehe ich. Wir wissen direkt von ihm, welche Interna liefen. Er ist ein gestandener Mann, sehr reflektiert.

Prinzip vier: Schau, dass es den neuen Spielern gut geht! In grossen Ligen werden Betreuer alleine dafür angestellt, Neue zu integrieren.

Wir haben natürlich nicht dieselben Möglichkeiten. Aber Teammanager Ramin Pandji macht hier einen sehr guten Job mit seinem Team. Wir alle versuchen, den Neuen ein gutes Gefühl zu geben. Wichtig ist auch: Jeder muss sprachlich irgendwo angebunden sein. Leonel Mosevic ist hier am wenigsten dabei, er spricht nur spanisch – da kann der Spanier Jordi Quintillà mit seiner Mehrsprachigkeit aber helfen. Solche Dinge sind wichtig.

Wie oft waren Sie in der Transferphase eigentlich im Ausland unterwegs, auf der Suche nach Spielern?

Man stellt sich das falsch vor, die Saison ist ja in den meisten Ligen zu Ende im Sommer. Einmal war ich in Schweden. Der Rest lief über Telefonate.

Eine Woche, so war im «Tages-Anzeiger» zu lesen, widmeten Sie sich Ihrem Yoga-Projekt auf Mallorca. Sie bieten mit Ihrer Frau eine «Stressfrei-Woche» an. Mitten in der heissen Transferphase?

Das war direkt nach der Saison. Natürlich könnte mir das negativ ausgelegt werden. Die Arbeit beim Club lief aber weiter, mir ging kein Transfer durch die Lappen. Ob ich die Telefongespräche hier im Büro oder auf Mallorca führe, macht keinen grossen Unterschied. Arbeiten im Zusammenhang mit Giorgio Continis Wechsel zu Lausanne konnte ich zum Beispiel während jener Zeit abwickeln.

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