«Wir wollen keine Schuldenwirtschaft»: Der FC St.Gallen will keine Finanzspritze vom Bund und setzt auf regionale Hilfe

Der FC St.Gallen könnte vom Bund sieben Millionen Franken als Bundeshilfe beantragen. Er will die Krise aber selbst schaffen und vor allem keine Fremdbestimmung.

Christian Brägger
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Gefordert mit dem FC St.Gallen: Präsident Matthias Hüppi.

Gefordert mit dem FC St.Gallen: Präsident Matthias Hüppi.

Bild: Urs Bucher

Matthias Hüppi ist ein euphorischer Mensch, seine Gefühlsausbrüche sind legendär. Aber die Pandemie hat selbst den Präsidenten des FC St.Gallen selektiver werden lassen, und so hat er das vom Bund am Mittwoch für den Spitzenfussball präsentierte Hilfspaket eher sachlich zur Kenntnis genommen. Weil es längst keine Garantie ist, dass alles gut kommt mit dem Fussball, und weil er weiss: Gerettet ist deswegen der FC St.Gallen noch lange nicht. 

Doch Hüppi wertet es als positives Signal, dass der Bundesrat sich nun dem Sportbereich angenommen und eine politische Basis geschaffen hat. Grundsätzlich ermögliche dies Planungssicherheit. «Natürlich ist der FC St.Gallen verpflichtet, die Massnahmen kritisch zu prüfen, falls er dereinst auf staatliche Finanzhilfe zurückgreifen müsste.» Geschenkt seien die rückzahlbaren Darlehen aber nicht, sagt er, und schiesst sofort nach:

«Wir tun alles Mögliche, unser Überleben aus eigener Kraft zu sichern und erhalten dabei allseits Unterstützung.»

Das Team mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis 

Hüppi ist passionierter Läufer, und vermutlich bestreitet er gerade das härteste Rennen seiner Karriere, das auch eine schwere Prüfung für ihn ist. Zumal der FC St.Gallen davor seine Gesamtlage deutlich verbessert hat – und jetzt das beste Preis-Leistungsverhältnis im Schweizer Fussball verkörpert. Es gibt im Mai 2020 einfach dieses Problem, dass niemand weiss, wie lange und in welcher Form die Beeinträchtigung des Fussballs weitergeht. 

Hüppi sagt: «Der entscheidende Punkt für unsere Liquidität ist: Wann können wir die Schalter öffnen, Fans reinlassen und Livefussball sehen?»

«Je später der Zeitpunkt kommt, desto schwieriger wird es für uns, desto mehr brauchen wir Ideen und flankierende Überlebensmassnahmen.»

Im Vergleich zu anderen Vereinen der Super League fährt der FC St.Gallen in der Coronakrise in einem eher ruhigen Gewässer. Dank der Arbeit der Vorjahre, als Sparsamkeit schon damals oberstes Gebot war und beispielsweise in Sachen Löhne eine gesunde Struktur aufgebaut wurde. Dennoch wäre es ihm erlaubt, nun vom Bund 25 Prozent des gesamten Betriebsaufwandes als Darlehen zu beantragen, was sieben Millionen Franken betragen würde.

Der FC St.Gallen will Abhängigkeiten tunlichst vermeiden – Zeitpunkt der Rückkehr entscheidend

Hüppi sagt, den Kredit versuche man auch deswegen zu vermeiden, um nicht in eine Überschuldung zu geraten, weil man bestehende Verbindlichkeiten nicht mehr mit Einnahmen und dem Vermögen abdecken kann.

Auch die angeordnete, solidarische Haftung, die auferlegte Lohnreduktion sowie die prozentuale Abgabe der TV-Gelder jener Clubs, die ein Darlehen beanspruchen, empfindet er als schwierig. Wie sollten Thun oder St.Gallen noch mehr sparen? Also sagt Hüppi:

«Diese Abhängigkeiten wollen wir tunlichst vermeiden und keine Schuldenwirtschaft.»

Deshalb macht sich der Präsident des FC St.Gallen auf, regionale, und nicht nationale Lösungen zu suchen. Da könnte es durchaus opportun sein, dass die geplante Aktienkapitalaufstockung bald wieder auf den Tisch kommt, oder ein punktueller Erlass der Stadionmiete – Ideen, die Hüppi unkommentiert lässt.

Geht die Schweiz den aktuellen Weg aus dem Lockdown weiter, gibt es heuer womöglich doch noch Partien mit Zuschauern. St.Gallen käme in diesem Fall wohl mit einem dunkelblauen Auge davon. Zudem wird in Gesprächen mit Exponenten des Vereins klar: Das für den Fussball geschnürte Hilfspaket des Bundes hat keinen Einfluss auf die Meinung, ob die Saison zu Ende gespielt oder abgebrochen werden soll - diesbezüglich zählen für den Verein andere Faktoren.

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