"Wir verschliessen uns keiner Aussprache"

FUSSBALL. Nach der Niederlage gegen den FC Vaduz waren die Fans des FC St.Gallen aufgebracht. Sie beschimpften die Spieler und verlangten eine Aussprache. Einzig Sandro Gotal und Danijel Aleksic trauten sich ans Absperrgitter - doch dann schritt Sportchef Christian Stübi ein.

Alexandra Pavlovic
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St.Gallens Sportchef Christian Stübi. (Bild: Keystone)

St.Gallens Sportchef Christian Stübi. (Bild: Keystone)

Ein 0:1 gegen den FC Vaduz – statt eines Befreiungsschlages scheint der FC St.Gallen weiter in die Krise zu rutschten. Ein Sieg hätte die Gemüter nach dem ungenügenden Saisonstart beruhigt. Doch dem war nicht so. Die Fans waren nach der Niederlage ausser sich, beschimpften die Mannschaft, wollten eine Aussprache mit den Spielern.

St.Gallens Sportchef Christian Stübi. (Bild: Keystone)

St.Gallens Sportchef Christian Stübi. (Bild: Keystone)


Einzig Stürmer Sandro Gotal und Mittelfeldspieler Danijel Aleksic begaben sich zum Absperrgitter, um mit den aufgebrachten Fans zu sprechen. Doch dazu kam es nicht, denn FC-St.-Gallen-Sportchef Christian Stübi zerrte Gotal von der Bande weg und beorderte ihn sowie Aleksic in die Kabine. Laut Daniel Last, Mediensprecher des FC St.Gallen, sei aber niemand "weggezerrt" worden. "Christian Stübi hat Sandro Gotal zum Live-Interview bringen wollen. Zudem sollte die Mannschaft zeitnah geschlossen in der Garderobe sein. Rückblickend war das in dieser Situation unglücklich und erweckte einen falschen Eindruck", sagt Last. Daher habe Stübi dies auch mit Vertretern der Fanszene besprochen und sich entschuldigt.

Lopar statt Gotal
Obwohl Gotal für das Interview mit dem Fernsehsender Teleclub vorgesehen war, stand aber nicht der 24jährige Stürmer, sondern Goalie Daniel Lopar für das Interview vor der Kamera. Wie Last bestätigt, war Lopar zunächst nicht angefragt worden, es habe sich dann aber so ergeben, dass der Sender kurzfristig doch den Torhüter als Interviewpartner haben wollte. Daher der Wechsel.

Gotal und Aleksic waren – kaum zu übersehen - die einzigen Spieler, die nach nach der Partie zu den Fans gegangen waren. Der Rest der Mannschaft verschwand wortlos in der Kabine. Es drängt sich daher die Frage auf, ob es denn nicht üblich ist, dass die gesamte Mannschaft gerade auch bei Niederlagen zu den Fans geht, auch wenn die Spieler dann mit Beschimpfungen rechnen müssen? Es gebe in diesem Sinne kein "üblich" oder "unüblich", so Last. Man habe aber Verständnis dafür, dass die Fans nach einer Niederlage in Vaduz aufgebracht seien.

Nach Spielende mit Fans diskutiert
Wer glaubt, dass sich nur die beiden Spieler und niemand von den Verantwortlichen die Anliegen der Fans anhören wollte, der irrt sich. Gemäss Last hat sich Christian Stübi beispielsweise nach Spielende vor dem Stadion noch mit den Fans auseinandergesetzt und diskutiert.

Der Klub gehe daher grundsätzlich keiner sachlichen Diskussion aus dem Weg. Dass nach so einem Spiel, wie gegen Vaduz, Emotionen im Spiel seien, gehöre zum Geschäft. "Von daher verschliessen wir uns keiner Aussprache."