Xamax-Eigentümer Collet nach dem Abstieg aus der Super League: «Wir müssen fast bei null starten»

Xamax-Eigentümer Jean-François Collet stellt sich nach dem Abstieg der Neuenburger auf einen Neuaufbau ein – mit Trainer Stéphane Henchoz in zentraler Rolle. Am Freitag gastiert Xamax beim FC St.Gallen.

Peter M. Birrer
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Enttäuschung bei Raphael Nuzzolo, treffsicherster Spieler von Xamax.

Enttäuschung bei Raphael Nuzzolo, treffsicherster Spieler von Xamax.

Pascal Muller/Freshfocus

Es ist nicht so, dass Jean-François Collet zermürbt wäre. Der Besitzer von Xamax hat zwar gehofft, dass sich noch Wundersames zutragen würde. Aber das Szenario Abstieg kann ihn nicht überraschen. Collet sagt:

«Ich kann sicher nicht glücklich sein mit der Entwicklung. Aber so ist das Leben.»
Jean-François Collet, Xamax-Besitzer.

Jean-François Collet, Xamax-Besitzer.

Peter Schneider/Keystone

Vor einem Jahr herrschte in Neuenburg noch Euphorie. Der Club schaffte auf spektakuläre Weise in der Barrage gegen Aarau den Ligaerhalt.

Wochen zuvor hatte Präsident Christian Binggeli einen Richtungswechsel angekündigt, im März 2019 erklärte er, Xamax ab der Saison 2019/20 verjüngen zu wollen. Stéphane Henchoz hielt er nicht für den geeigneten Ausbildner, dafür holte er Joël Magnin aus der U21 der Young Boys.

Anfang November verkaufte Binggeli sein Aktienpaket an Collet. Den Titel «Präsident» durfte er behalten, aber das war auch schon alles. Fortan hatte der neue Eigentümer das alleinige Sagen.

Das klare Votum von Captain Walthert

Goalie und Captain Laurent Walthert.

Goalie und Captain Laurent Walthert.

Pascal Muller/Freshfocus

Darum konnte es nicht überraschen, dass dieser in sportlicher Not zur rigorosen Massnahme griff: Collet entliess Magnin – und stellte Henchoz acht Runden vor Schluss wieder ein. «Binggeli hätte mich kaum angerufen», sagt der neue alte Coach, der seit seinem Rücktritt bei Sion im Herbst ohne Anstellung gewesen war.

Der Versuch, Xamax jugendlicher zu machen und sich im Stil des FC Thun in der Super League zu etablieren, ist gescheitert. Goalie und Captain Laurent Walthert sagt:

«Der Plan ging nicht auf. Wir haben den Ligaerhalt nicht verdient.»

Wie weiter nun? Das Budget von rund 9,5 Millionen Franken muss in der Challenge League reduziert, ja möglicherweise halbiert werden. Collet ist daran, eine Auslegeordnung vorzunehmen.

Seine Absicht ist es sehr wohl, ein kompetitives Kader zusammenzustellen, «aber wir werden niemals Mittel haben wie derzeit Lausanne oder die Grasshoppers. Wir müssen fast bei null starten».

Stéphane Henchoz bleibt in Neuenburg

Das Kader muss neu zusammengestellt werden, und dann ist da diese Ungewissheit, wie es in Zeiten von Corona mit den Zuschauern weitergeht. Der Chef sagt:

«Unsere finanziellen Möglichkeiten hängen auch davon ab, ob mit Beginn der neuen Saison mehr als tausend Menschen im Stadion sein dürfen.»

Und weiter: «Es wäre vermessen, wenn wir jetzt vom sofortigen Wiederaufstieg reden würden. Wir sollten realistisch bleiben.»

Der Aufbau in der Zweitklassigkeit geschieht mit Henchoz. Der 45-Jährige hat klare Vorstellungen, welche Anforderungen das künftige Personal erfüllen muss: «Wir brauchen Spieler mit Hunger, Spieler, die Lust haben, mit Xamax etwas zu erreichen.»

Henchoz von St.Gallen beeindruckt

Stéphane Henchoz, Trainer von Absteiger Xamax.

Stéphane Henchoz, Trainer von Absteiger Xamax.

Martial Trezzini/Keystone

Am Freitag treten die Neuenburger zum vorläufig letzten Mal in St.Gallen an, sie treffen auf eine Mannschaft, von der Henchoz schwärmt: «Der Trainer, die Mannschaft, der Präsident, der Sportchef – sie alle haben mich sehr beeindruckt in den vergangenen Monaten.»

Aber so bedeutungslos das Spiel für Xamax auch ist: Henchoz’ Antrieb ist ein versöhnlicher Abschied aus der Super League. Und darum reist er nicht mit Spendierlaune nach St.Gallen.

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