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Wie der FC St.Gallen trotz wenig Geld talentierte Spieler entdeckt

Die finanziellen Möglichkeiten des FC St.Gallen bleiben eingeschränkt, für Transfers können die Ostschweizer weiterhin nicht viel Geld aufwerfen. Trotzdem entdecken sie Spieler wie Yannis Letard, Lukas Görtler oder Fabiano. St.Gallens Transfertätigkeiten basieren auf einem Scoutingsystem – sowie Tipps aus den persönlichen Netzwerken von Sportchef Alain Sutter und Trainer Peter Zeidler.
Patricia Loher
«Ich habe in Aalen keine Perspektive für mich gesehen»: Yannis Letard (links). (Bild: Georgios Kefalas/KEY)

«Ich habe in Aalen keine Perspektive für mich gesehen»: Yannis Letard (links). (Bild: Georgios Kefalas/KEY)

Sie tauchten auf wie aus dem Nichts. Im Gegensatz zu Jonathan Klinsmann und Moreno Costanzo hatte es um sie keine Gerüchte gegeben. Und man wunderte sich: Wie bloss ist der FC St. Gallen auf Spieler gekommen wie Yannis Letard, Lukas Görtler oder Fabiano?

Vor allem der 20-jährige Franzose Letard machte in der Innenverteidigung während der Vorbereitung und im ersten Meisterschaftsspiel gegen Luzern trotz der 0:2-Niederlage auf sich aufmerksam.

Zeidler hörte aus der Heimat viel Gutes

Letard hat die vergangene Saison bei Aalen in der 3. Bundesliga verbracht, wo er aber kaum zum Einsatz kam. St. Gallens Trainer Peter Zeidler ist in der Nähe der Stadt in Baden-Württemberg aufgewachsen. Der Schwabe hat die erste Mannschaft Aalens ab 2000 während viereinhalb Jahren als Assistent und als Chefcoach betreut. Obwohl Letard nicht spielte, hörte Zeidler aus der Heimat immer wieder Gutes über den jungen Verteidiger. St.Gallens Sportchef Alain Sutter sagt:

«Wir bekamen den Tipp, dass wir uns Letard einmal anschauen sollten.»

Mit dem Kreuzbandriss von Musah Nuhu hatte St. Gallens Kaderplanung im Juni einen herben Rückschlag erlitten.

Letard erhielt eine Einladung in die Ostschweiz, wo er einen grossen Teil der Vorbereitung mitmachte. Dabei hinterliess der 20-Jährige einen vielversprechenden Eindruck und bekam einen Vertrag bis 2021. Zeidler kennt die Berater Letards. Einer von ihnen hat auch Weltmeister Benjamin Pavard unter Vertrag. «Es ist ein ambitioniertes Projekt beim FC St. Gallen, das mich angesprochen hat», so Letard. Der Trainer sei bekannt für seine ­attraktive Spielweise, und «dass er seine Spieler voranbringt».

Letard mochte nicht in Aalen bleiben

Der Verteidiger, der aus der Nachwuchsakademie von Stade Rennes stammt, mochte nicht in Aalen bleiben, das in die vierthöchste Liga abgestiegen war. «Der Club war nicht stabil und ich habe keine Perspektive für mich gesehen, wenn ich geblieben wäre.» Zu Beginn habe er sich in Aalen gewöhnen müssen an ein neues Land, an eine neue Sprache und die Art, Fussball zu spielen. Er sagt:

«In der Folge hatten wir einige schlechte Resultate und der neue Coach hat dann nicht mehr auf mich gesetzt – egal, wie gut ich trainiert habe.»

St. Gallens Transfertätigkeiten basieren auf dem Scouting von Nnamdi Aghanya sowie Tipps aus den persönlichen Netzwerken von Sportchef Sutter und Trainer Zeidler. «Wichtig ist, dass wir klar wissen, nach welchen Spielerprofilen wir suchen», sagt Sutter. Auch wenn die finanziellen Möglichkeiten eingeschränkt sind, landen viele Bewerbungen oder Vorschläge von Spielerberatern auf dem Tisch eines Super-League-Clubs wie St. Gallen. Mit allen kann sich ein Sportchef nicht befassen. Trotzdem: «Bis zwei Spieler wie Letard oder Görtler hängen bleiben, haben wir etwa hundert Akteure angeschaut», so Sutter.

Ebenfalls einen Wink bekam der FC St. Gallen bezüglich der Personalie Görtler, der in Utrecht nicht regelmässig spielte, zum Ende der Meisterschaft aber eine tragende Rolle einnahm. «Einer wie er hatte uns gefehlt. Görtler ist gross und bullig. Zudem bringt er die deutsche Mentalität in die Mannschaft», sagt der Sportchef. Der 25-jährige Görtler, der einen Bundesliga-Teileinsatz und 41 Partien in der zweithöchsten deutschen Liga vorweisen kann, ist erst seit drei Wochen in St. Gallen. Der Mittelfeldspieler, der helfen soll, Vincent Sierro oder Majeed Ashimeru vergessen zu machen, erhielt einen Kontrakt bis 2022.

Fabianos Robustheit und Rustikalität

Über den 24-jährigen Fabiano, zuvor in der höchsten bulgarischen Liga engagiert, hat sich der FC St. Gallen ebenfalls nach einem Tipp aus dem Umfeld des Clubs über die Plattform «Wyscout» informiert. «Wyscout» ist ein kostenpflichtiges Suchinstrument, wo Tausende Spielerprofile gecheckt werden können. «Fabiano bringt Robustheit und Rustikalität in unser Team», sagt Sutter. Der Brasilianer trainierte in St. Gallen einige Wochen mit, ehe er einen Kontrakt bis 2021 unterschrieb.

Weniger überraschend war die erste Verpflichtung dieses Sommers: Für den Genfer Verteidiger Vincent Rüfli war es nach drei Jahren in Frankreich eine Rückkehr in die Schweiz.

In Basel gilt es, die positive Serie zu wahren

Es hat dann doch ein wenig Zeit gebraucht, um die aus Sicht der St. Galler unverdiente Niederlage gegen Luzern zu verdauen. Die Resultate in den Testspielen waren ja auch gut gewesen, ein 0:2 gegen diesen Widersacher konnte da nicht spurlos vorübergehen. Nach dem zweifachen Videostudium und der Analyse mit der Mannschaft zog Trainer Peter Zeidler den Schlussstrich. «Haken wir das ab und sind wir gespannt, ob uns dieser im Prinzip gute Auftritt nun auch gegen Basel gelingt», sagte er. Am Rheinknie könnten die Ostschweizer am Samstag ab 19 Uhr ihre Serie der Ungeschlagenheit auf vier Spiele ausbauen nach zuletzt zwei Siegen und einem Unentschieden. Gleichwohl sind die Basler der entthronte Koloss der Super League und ein wenig angespannt, wie sich das alles entwickelt, mit Coach Marcel Koller, mit Nicht-Captain Fabian Frei. Da gäbe nach dem 2:3 gegen Eindhoven eine Heimniederlage unangenehm zu reden. Während Zeidler beim FC Basel nach dem Hinspiel der zweiten Qualifikationsrunde für die Königsklasse einige Veränderungen erwartet, will er selbst eine ähnliche Version aufstellen wie gegen Luzern. Allenfalls könnte Cedric Itten im Sturm den Vorzug gegenüber Jérémy Guillemenot erhalten und Moreno Costanzo anstelle von Victor Ruiz spielen. Treu bleiben sollen die St. Galler den offensiven Prinzipien, diesmal aber die Konzentration laut Zeidler «unbedingt bis zur Schlussminute hochhalten». Auch mehr Durchschlagskraft wünschte sich der Deutsche, der mit einer starken St. Galler Bank das Spiel zu seinen Gunsten entscheiden will. Für diese Vision muss Zeidler auf die Langzeitverletzten Musah Nuhu und Alain Wiss verzichten, Nicolas Lüchinger trainiert ab Montag wieder voll. Die zuletzt angeschlagenen Milan Vilotic, Boris Babic, Alessandro Kräuchi und Tim Staubli machen die Reise am Samstag in der Früh ebenfalls nicht mit, sie laufen dann am Dienstag im Test gegen Dortmund auf. (cbr)

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