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Nach dem Abgang von Dereck Kutesa zu Reims – genau so muss der FC St.Gallen funktionieren

Der FC St.Gallen lässt Dereck Kutesa zu Stade Reims in die Ligue 1 ziehen. Der Transfer des jungen Genfers ist ein Paradebeispiel dafür, wie der FC St.Gallen funktionieren muss, um im finanziell schwierigen Umfeld des Schweizer Fussballs auch künftig bestehen zu können.
Patricia Loher
Dereck Kutesa (links) im Testspiel gegen Dortmunds Mateu Morey. Bald spielt der Genfer für Stade Reims. (Bild: Claudio Thoma/Freshfocus)

Dereck Kutesa (links) im Testspiel gegen Dortmunds Mateu Morey. Bald spielt der Genfer für Stade Reims. (Bild: Claudio Thoma/Freshfocus)

Der FC St.Gallen hat Dereck Kutesa an den Ligue-1-Club Stade Reims verkauft. Die Ostschweizer dürften für den 21-jährigen Genfer, der in der Ostschweiz noch über einen Vertrag bis 2021 verfügte, netto etwas mehr als eine Million Franken erhalten. Das ist eine schöne Summe für einen Spieler, der nur gerade eine ganze Super-League-Saison absolviert und zwei Einsätze in der Europa-League-Qualifikation vorzuweisen hat.

Die Ostschweizer haben keinen Mäzen in der Hinterhand, der Löcher stopft. Der FC St.Gallen stemmt das Hochrisikogeschäft Fussball aus eigener Kraft: Er kann nur ausgeben, was er einnimmt. Das Budget für die erste Mannschaft beträgt 7,6 Millionen Franken. Damit belegt St.Gallen in der Super League einen der hinteren Plätze. Mit so wenig Geld sind keine grossen Sprünge möglich. Die Ostschweizer können pro Jahr vielleicht einen Spieler aus einem Vertrag herauskaufen. Weitere Akteure müssen ablösefrei sein. Zudem sind die Löhne alles andere als überdurchschnittlich hoch.

Lockmittel Super League

St.Gallens Sportchef Alain Sutter und Präsident Matthias Hüppi. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus)

St.Gallens Sportchef Alain Sutter und Präsident Matthias Hüppi. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus)

St.Gallens einziges Lockmittel ist die Plattform Super League: für Spieler, die in anderen Clubs zwischen Stuhl und Bank gefallen sind. Für junge Akteure, die aus dem eigenen Nachwuchs stammen, für Spieler, die aus der Challenge League kommen oder deren Karrieren anderswo ins Stocken geraten sind. Sportchef Alain Sutter sagte nach dem Verkauf von Kutesa: «Das Ziel ist es weiterhin, unterbewertete Aktien zu kaufen und ihnen ein gutes Umfeld zu bieten, damit sie sich entwickeln können».

St.Gallen konnte dem jungen Kutesa, der zuvor in Basel und Luzern den Durchbruch nicht geschafft hatte, die Chance auf ein Auslandengagement in einer europäischen Topliga und auf einen deutlich besseren Lohn nicht verwehren. Aber trotzdem hat der Club klargemacht, dass er nicht gleich beim ersten Angebot einknicken muss. Weil für die Ostschweizer am Ende wohl zu wenig herausgeschaut hätte, lehnten sie die erste Offerte aus Frankreich ab. Mit dem nachgebesserten Angebot von Stade Reims kann St.Gallen nun offenbar leben.

Ein unzufriedener Spieler wird sich nicht steigern

Die Verantwortlichen haben mit Sicherheit besprochen, ob die eine Million Franken den sportlichen Verlust aufwiegt. Kutesa hätte sich nach einer guten ersten Saison in St.Gallen in dieser Meisterschaft doch noch erheblich steigern müssen, um im Ausland erneut auf sich aufmerksam zu machen. Und niemand konnte garantieren, dass der Genfer als Leistungsträger in St.Gallen bald einmal den Unterschied ausmachen würde. Zudem hätte der Club mit einer Transferverweigerung riskiert, einen unzufriedenen Spieler im Kader zu haben. Es wäre unwahrscheinlich gewesen, dass dann noch ein Leistungsschub erfolgte.

Der FC St.Gallen hat schon erfahren, was passieren kann, lenkt er bei einem Angebot nicht ein. 2016 hatte Yannis Tafer die Möglichkeit, zu den Young Boys zu wechseln. Den Ostschweizern war die Offerte zu wenig gut, der Mittelfeldspieler blieb, verlängerte gar seinen Vertrag, fand aber nach einer schweren Verletzung nicht mehr zu früherer Stärke. Ende der vergangenen Saison lief Tafers Kontrakt in St.Gallen aus, der algerisch-französische Doppelbürger wechselte ablösefrei zu Étoile Sportive du Sahel nach Tunesien.

St.Gallen hat alles richtig gemacht

Natürlich ist es für einen Trainer schwierig, während einer Saison einen Spieler abgeben zu müssen. Und wünschenswert ist, dass der Stamm auch einmal länger als ein Jahr zusammenbleibt. Aber der FC St.Gallen ist noch mehr als andere Schweizer Clubs ein Ausbildungsverein. Im Fall Kutesas hat der Club alles richtig gemacht. Er ist ein Paradebeispiel dafür, wie der FC St.Gallen funktionieren muss, um im finanziell schwierigen Umfeld des Schweizer Fussballs auch künftig bestehen zu können. Und vielleicht wird es so gar möglich sein, bald wieder einen Spieler zu kaufen.

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