Weshalb St.Gallen gegen Servette das wahre Spitzentreffen ist

Am Sonntag ab 16 Uhr spielen im Kybunpark die zwei formstärksten Schweizer Teams gegeneinander. Vieles deutet auf ein Spektakel hin: Beide Teams lieben das offensive Spiel. St.Gallen noch etwas mehr als die Genfer.

Ralf Streule
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Den FC Basel und die Young Boys braucht es derzeit nicht für einen Spitzenkampf in der Super League. Die Fussballschweiz applaudiert gerade zwei anderen Teams. Sehr laut und ausgiebig dem FC St.Gallen, weil das junge Team vor Freude sprüht und so an die Spitze gestürmt ist. Und weil die Mannschaft einen angriffigen, gefestigten, attraktiven Fussball spielt, den manch ein Beobachter Anfang Saison noch als zu fehleranfällig oder naiv gegeisselt hatte.

Applaudiert wird aber auch den Servettiens, noch etwas leiser zwar, aber nicht minder herzlich. Die Genfer, St.Gallens Gegner vom Sonntag im Kybunpark, stellten im vergangenen Saisonquartal das beste Super-League-Team, holten in den vergangenen neun Spielen 22 Punkte. Mehr als alle anderen Clubs – und einen Punkt mehr als die St.Galler.

Zwei Teams mit Gemeinsamkeiten

Das Schöne: Auch Servette, die Mannschaft von Alain Geiger, lebt von jenen Tugenden, welche die Ostschweizer derzeit so unwiderstehlich machen. Da ist die Freude am angriffigen Spiel. Da ist die Unbeschwertheit. Und eine Grundhaltung, die Alain Geiger am Telefon vor dem Spiel mehrmals betont:

«In Genf will man Spektakel sehen –
das war in der Geschichte des Clubs immer so.»

Die Worte kennt man auch aus St.Gallen. Und so freut sich Geiger auf ein spektakuläres Gipfeltreffen, in Abwesenheit von Basel und der Young Boys.

Geiger: «Beide Teams suchen das vertikale Spiel»

Geiger und St.Gallens Trainer Peter Zeidler kennen und schätzen sich, schon seit einer Weile tauschen sich die beiden sporadisch über ihre Ideen aus. «Wir haben ähnliche Ansichten, aber nicht immer die Gleichen», sagt Geiger. Fussball-Zwillinge sind die beiden beileibe nicht. Geiger hat nicht Zeidlers Extrovertiertheit, der 112-fache Internationale behielt stets einen Teil des knorrigen Wallisers in sich. Auch wenn er während seines längeren Intermezzos bei algerischen, ägyptischen und saudi-arabischen Clubs offener geworden sei, wie er kürzlich im Schweizer Fussballmagazin «Zwölf» verriet.

Der Fussball der beiden Trainer beruht auf derselben Grundidee, sagt Geiger. «Beide Teams suchen das vertikale Spiel. Und kein Team der Liga presst höher als Servette und St.Gallen.» Nur sei Zeidlers Team in der Entwicklung schon einige Schritte weiter, sagt der 59-Jährige. «Man muss sehen, dass wir gerade erst aufgestiegen sind.»

St.Galler mit den meisten Balleroberungen

Auffallend ist beim Blick auf die Zahlen, dass die St.Galler viel öfter Zweikämpfe suchen und diese auch gewinnen. Mit anderen Worten: Zeidlers Team praktiziert das Gegenpressing, die sofortige Wiedereroberung des verlorenen Balles, erfolgreicher als die Genfer. St.Gallen stellt hier den Ligahöchstwert, wie auch bei der Anzahl der Abschlussversuche. Defensiv ist Servette dafür das beste Team der Liga. Wo doch sein Fokus im Angriff liege, wie Geiger mit einem Lachen sagt.

Geiger: «Wir bringen Dynamik in die Liga.»

Varol Tasar (rechts) ist einer der spielstarken Genfer Offensivspieler.

Varol Tasar (rechts) ist einer der spielstarken Genfer Offensivspieler.

Bild: Urs Lindt / freshfocus

Servettes Offensivspiel beruht vorläufig eher auf wirbligen Einzelspielern als der extremen Präsenz des gesamten Teams, wie es bei den St.Gallern der Fall ist. Zudem setzt Servette weniger konsequent auf Junge. «Auch hier wollen wir uns St.Gallens Strategie annähern», so Geiger. Die Servette-Akademie ist jedenfalls bekannt für professionelle und erfolgreiche Arbeit.

Am Sonntag sei Servette trotz der starken Serie deutlicher Aussenseiter, sagt Geiger. Natürlich aber wolle er «den Zeidler schon einmal besiegen» in dieser Saison. In den ersten beiden Anläufen hat es nicht geklappt. Auch weil man teils naiv gespielt habe. «Das haben wir verbessert.»

Wie auch immer: SeinTeam und St.Gallen seien Glücksfälle für die Super League. Geiger fügt an:

«Die Liga brauchte dringend eine neue Dynamik. St.Gallen und wir haben diese gebracht.»