Weshalb Tranquillo Barnetta nie für den FC Basel gespielt hat – eine TVO-Dokumentation liefert die Antwort

Vor einem Jahr ging Tranquillo Barnettas Karriere zu Ende. TVO widmet dem Fussballer eine Dokumentation, die an Auffahrt ausgestrahlt wird.

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(pl) Der Mai ist in der jüngeren Vergangenheit des FC St.Gallen ein besonderer Monat. Vor 20 Jahren, am 21. Mai 2000, feierte der Club den zweiten Meistertitel der Vereinsgeschichte und versetzte damit eine Region in Ekstase – St.Gallen war unter Marcel Koller fast aus dem Nichts auf den Thron geklettert.

Tranquillo Barnetta nach seinem letzten Heimspiel in der St.Galler Fankurve.

Tranquillo Barnetta nach seinem letzten Heimspiel in der St.Galler Fankurve. 

Urs Bucher

19 Jahre später, am 22. Mai 2019 und an seinem 34. Geburtstag, bestritt mit Tranquillo Barnetta das mit Abstand erfolgreichste Eigengewächs sein letztes Heimspiel für die St.Galler. Das 4:1 gegen die Young Boys war eine denkwürdige Partie und der Höhepunkt eines unerwarteten Steigerungslaufs von Barnetta.

Vor 14'000 Zuschauern stand er am Ursprung des 1:0 und erzielte kurz vor der Pause das 2:0. Das Stadion stand kopf. Diese Zeitung schrieb: «Unmittelbar vor dem Pausenpfiff wird es fast schon kitschig und der Kreativgeist auf dem Platz liefert einen vielleicht letzten Beweis seiner Fussballkunst, die ihn um die Welt hat reisen lassen.» Der vergebene Penalty in der Schlussphase war der einzige Schönheitsfehler an diesem emotionalen Abend.

Prominente Wegbegleiter äussern sich

Barnetta hat eine grosse Karriere hinter sich: Er spielte 75-mal für das Schweizer Nationalteam, lief für Clubs wie Leverkusen, Schalke und Frankfurt auf.

So wie in der Schweiz haben sie den St.Galler auch in der Bundesliga nicht vergessen, was in einer Dokumentation deutlich wird, die das Ostschweizer Fernsehen TVO am Donnerstag, 21. Mai, ausstrahlt.

In der halbstündigen Reportage kommen sein Vater Willo, Reiner Calmund, Rudi Völler, Simon Rolfes, Ottmar Hitzfeld, Christoph Spycher, Gerard Castella, Markus Frei, Matthias Hüppi und natürlich Barnetta selbst zu Wort. Ein Thema ist auch, weshalb Barnetta nie zum FC Basel gewechselt hat.

Es drohte ein Abgang durch die Hintertür

Der Fussballer, der einst im Espenmoos in der Fankurve stand, hatte St.Gallen mit 19 Jahren verlassen und hielt sein Wort, dereinst zurückzukehren. Doch nach dem Abstecher zu Philadelphia tat er sich in der Heimat lange schwer. Der Spitzensport hatte Spuren hinterlassen an Barnettas Körper, das eine oder andere Mal fand er sich gar auf der Tribüne wieder. Ihm drohte der Abgang durch die Hintertür.

Doch dann folgte doch noch ein letzter Exploit: Barnetta entwickelte sich zu St.Gallens Lebensversicherung. Als die Mannschaft in der Rückrunde der vergangenen Saison in Richtung Barrage taumelte, war er zur Stelle – als Leader und Torschütze. Am Ende fehlte der Mannschaft ein Tor, um sich für die Gruppenphase der Europa League zu qualifizieren.

Barnettas damaliger Trainer Peter Zeidler sagte: «Bei Barnetta spürte ich erst mit der Zeit, dass er mental der Stärkste des Teams und ein absoluter Wettkampftyp ist.»

Das letzte Spiel seiner 17-jährigen Profikarriere bestritt Barnetta auswärts am 25. Mai 2019 beim 1:1 gegen den FC Zürich.

Ciao Quillo – Rückblick auf eine einzigartige St.Galler Fussballkarriere. Am 21. Mai ab 18 Uhr stündlich auf TVO.