Was für ein Triumph!

4:2, vier zu zwei, vier Tore, in Russland, beim grossen Spartak Moskau, das Spieler kauft für Millionen, das eigentlich in einer anderen Liga zu Hause ist, einer, die so fern ist. So unglaublich fern. Was für eine Leistung, was für ein Erfolg für den FC St.Gallen.

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Dominic Wirth, Tagblatt-Sportredaktor. (Bild: Urs Bucher)

Dominic Wirth, Tagblatt-Sportredaktor. (Bild: Urs Bucher)

Und vor allem: Was für eine Art, diesen Triumph zu erringen, nach diesem Start, der eine kalte Dusche war, nach diesen ersten Minuten, die wie ein Wirbelsturm über die St.Galler rasten.
Wie sie gestern diesen Schlag nach 52 Sekunden verkrafteten, wie sie weiterhin sich selbst blieben, ihrer Taktik folgten, selbstbewusst und ruhig, das war so eindrücklich, dass man von der grössten Leistung sprechen muss, die je ein St.Galler Team im Europacup erbracht hat. Grösser noch als der Sieg gegen Chelsea.
Was ist mit diesem Verein passiert in den vergangenen Monaten? Wie war dieser Sieg möglich, nur etwas mehr als ein Jahr nach dem Abend, an dem die Mannschaft aufstieg und trotzdem Pfiffe durch die Arena hallten, nur etwas weniger als drei Jahre nach jenen Tagen, in denen er beinahe untergegangen wäre? Der FC St.Gallen ist ein ruhiger Club geworden, weil die Verantwortlichen alles richtig gemacht haben seither, weil sie umsichtig und klug handeln und ein tolles Team geformt haben. Dieses Spiel gestern, dieses Geschenk an die Ostschweiz und die Anhänger, es war das Produkt dieser Ruhe. Sie hat sich auf den Platz übertragen, das war zu spüren, als die St.Galler nach dem 0:1 nicht etwa in Panik gerieten. Sondern drei Tore in nicht einmal zwanzig Minuten erzielten, kaltschnäuzig wie ein Team, das jede Woche in Europa aufläuft.
Dass all die Arbeit mit der Gruppenphase der Europa League belohnt wird, kommt einem Märchen gleich. Einem Märchen, das jetzt mindestens sechs weitere Kapitel erhält.

Dominic Wirth
dominic.wirth@tagblatt.ch