Wahnsinn im St.Jakob-Park: Der FC St.Gallen siegt im Spitzenkampf gegen den FC Basel in extremis mit 2:1 und ist Tabellenführer!

Der FC St.Gallen zeigt beim Spitzenkampf in Basel eine Spitzenleistung. In der Nachspielzeit gelingt dem eingewechselten André Ribeiro das 2:1 zum Sieg. Damit ist der FCSG neuer Tabellenführer der Super League.

Luca Ghiselli
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Beim St.Galler Siegestreffer in der Nachspielzeit brechen alle Dämme.

Beim St.Galler Siegestreffer in der Nachspielzeit brechen alle Dämme.

Andy Mueller / freshfocus

Die Tore

  • 1:0, 19. Minute, Kevin Bua: Der Ex-Espe Fabian Frei tankt sich über rechts durch und flankt flach auf den zweiten Pfosten. Dort steht Kevin Bua bereit und erzielt mit einem Schlenzer in die rechte untere Ecke den Basler Führungstreffer.
  • 1:1, 44. Minute, Betim Fazliji: Nach einem Eckballl von Victor Ruiz kann FCB-Stürmer Kemal Ademi denn Ball nicht aus dem Strafraum klären. Der junge Rebsteiner Fazliji steht bereit und bezwingt FCB-Goalie Jonas Omlin aus kurzer Distanz.
  • 1:2, 93. Minute, André Ribeiro: Der eingewechselte Ribeiro staubt nach einem Pfostenschuss von Bakayoko ab. Alle Dämme brechen, der FCSG ist Tabellenführer!

Die Spiel-Analyse

Der FC St.Gallen geht ohne die gesperrten Yannis Letard und Ermedin Demirovic in den Spitzenkampf auswärts gegen Basel. Für die beiden Leistungsträger rücken Betim Fazliji und Boris Babic in die Stammformation nach. Nach acht Minuten wird es erstmals gefährlich vor dem Basler Tor. Itten bereitet FCB-Goalie Omlin aber keine Probleme. Nur eine Minute später wird es im St.Galler Strafraum erstmals brenzlig: Silvan Widmer setzt sich durch, schlenzt aber am Tor von Lawrence Ati Zigi vorbei.

Beide Mannschaften sind von Beginn weg bestrebt, schnörkellos nach vorne zu spielen. So entwickelt sich ein kurzweiliges Hin und Her. Der FCSG spielt stark, setzt sich zeitweise in der Basler Platzhälfte regelrecht fest. Dann der Nackenschlag in der 19. Spielminute: Fabian Frei kommt über rechts, flankt flach auf den zweiten Pfosten, wo Kevin Bua freisteht. Der Westschweizer hat keine Mühe, den Ball in die rechte untere Ecke zu schlenzen.

Die Basler freuen sich über Buas Führungstreffer.

Die Basler freuen sich über Buas Führungstreffer.

Bild: Andy Mueller / freshfocus

Und plötzlich laufen die St.Galler einem Rückstand hinterher, den sie fast umgehend hätten wieder wettmachen können, hätte Babic den Ball im Basler Strafraum nicht um Haaresbreite verpasst.

Was die St.Galler in der Folge zeigen, kann sich sehen lassen. Richtig gefährlich wird es in der ersten halben Stunde dann aber auf beiden Seiten nicht mehr. Basel verteidigt clever und schaltet blitzschnell mit Bua, Zhegrova und Co. um. Der FCSG versucht, sein Passspiel in der gegnerischen Hälfte aufzuziehen. Manchmal fehlt dazu aber das letzte Quäntchen Präzision.

Kurz vor der Pause dann der grün-weisse Jubelschrei! Nach einem Corner von Victor Ruiz kann FCB-Stürmer Kemal Ademi den Ball nicht aus dem Fünf-Meter-Raum klären. Betim Fazliji profitiert vom Abwehrfehler und drückt den Ball über die Linie. Zur Pause steht es 1:1.

Betim Fazliji jubelt nach dem St.Galler Ausgleich.

Betim Fazliji jubelt nach dem St.Galler Ausgleich.

Bild: Andy Mueller / freshfocus

Der FC St.Gallen kommt besser aus der Kabine als die Basler. Sie stehen hoch, lassen den Ball gut laufen, machen Druck und kommen mit Miro Muheim in der 52. Minute zu einer guten Chance. Die Ostschweizer drücken auch in der Folge aufs Tempo, sind dem Führungstreffer deutlich näher als die Basler.

Nach einer knappen Stunde profitiert Cedric Itten von einem missglückten Rückpass der Basler. Omlin pariert stark, Boris Babic vergibt den Nachschuss. Keine Minute nach der doppelten Grosschance dann der herrliche Treffer zum vermeintlichen 2:1 durch Boris Babic, der per Kopf die Vorlage von Miro Muheim verwandelt. Schiedsrichter Fedayi San wird dann von VAR-Referee Adrien Jaccottet an den Bildschirm gebeten. Er will ein Foulspiel von Jérémy Guillemenot bei dessen Balleroberung gesehen haben, der Treffer wird aberkannt.

Die St.Galler lassen sich davon aber nicht beeindrucken und drücken weiterhin aufs Tempo, was das Zeug hält. In der 64. Minute verpasst Jordi Quintillà das 2:1 mit seinem Weitschuss nur um Haaresbreite. Jetzt ist richtig Zunder im Spitzenkampf, Quintillà legt sich nach einem Zweikampf im Mittelfeld mit Taulant Xhaka an. Die Ostschweizer haben keine Angst, und sie spielen die Basler an die Wand.

In der Nachspielzeit läuft Axel Bakayoko nach einem Ballverlust frei aufs Basler Tor zu. Noch in der St.Galler Platzhälfte wird er von Raoul Petretta niedergerissen. Und dann der absolute Wahnsinn! Ribeiro staubt nach einem Pfostentreffer von Bakayoko ab, St.Gallen siegt, alle Dämme brechen!

Der FCSG zeigt in einem Spitzenspiel eine Spitzenleistung. Und ist Tabellenführer! Minutenlang werden die Espen von ihren Fans gefeiert. Für den hochverdienten Sieg, für die Tabellenführung im Februar, für die Wahnsinnssaison, die sie bis jetzt hingelegt haben.

Der Beste

Leonidas Stergiou. Der 17-jährige Innenverteidiger zeigte eine extrem starke Leistung. An ihm ist kein Vorbeikommen, zudem hilft er mit viel Übersicht bei der Spieleröffnung. Stergiou ist eine Bank.

Auch ausserordentlich stark: Boris Babic (selbst wenn sein Treffer aberkannt wurde). Und Betim Fazliji, der den Ausgleich erzielt und defensiv ebenfalls eine sehr starke Leistung zeigt.

Lawrence Ati Zigi, Note 5. Muss selten eingreifen. Gute Strafraumpräsenz und Antizipation. Beim Gegentor machtlos.
13 Bilder
Silvan Hefti: Note 5,5. Sicher, zweikampfstark, saubere Grätschen. Und: Der Captain hat viele Offensivaktionen.
Leonidas Stergiou: Note 5.5. Macht Fortschritte im Passspiel. Ademi hat keine Aktionen – das liegt vor allem an Stergiou!
Miro Muheim: Note 5. Hat einige Mühe mit Zhegrova. Steigert sich in der zweiten Halbzeit erheblich, schöne Flanke zu Babics vermeintlichem 2:1.
Victor Ruiz: Note 5. Assist zum 1:1. Findet erst in der zweiten Halbzeit so richtig den Tritt. Dann aber ein Antreiber.
Lukas Görtler: Note 5. Läuft unheimlich viel. Hat in der 87. Minute den Siegtreffer auf dem Fuss – doch Omlin hält.
Boris Babic: Note 5.5. Ist eifrig, der Aktivposten in der ersten Halbzeit, hat zwei gute Torchancen. Trifft dann herrlich zum 2:1, das aber nicht zählt.
Jordi Quintillà, Note 5. Versucht das Spiel zu beruhigen. Beweist viel Übersicht, Pech bei seinen Distanzschüssen.
Cedric Itten: Note 4.5. Sehr bemüht, verliert aber einige Bälle. Vor dem gegnerischen Tor mit wenig Fortune.
Betim Fazliji: Note 5. Läuft beim Gegentor vielleicht zu spät zu Passgeber Frei. Kommt vor der Pause nach einem Corner zur Torpremiere. Wie war das bei Fazliji? Spielt er, gewinnen die Ostschweizer immer – nun zum zwölften Mal!
Jérémy Guillemenot: Note 4.5. Hat hinter den Spitzen lange weniger Einfluss aufs Spiel. Und manchmal fehlt das Auge für den Mitspieler. Pech, dass sein Ballgewinn vor dem vermeintlichen 2:1 nachträglich per VAR als Foulspiel gewertet wird.
Axel Bakayoko: Note 5. Kommt in der 75. Minute. Das bringt Schwung und eine Note, weil er den Siegtreffer auslöst.
André Ribeiro: Note 6. Kommt in der Schlussphase für Guillemenot. Würgt den Ball in der letzten Minute rein – gibt eine Sympathienote.

Lawrence Ati Zigi, Note 5. Muss selten eingreifen. Gute Strafraumpräsenz und Antizipation. Beim Gegentor machtlos.

Bid:Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Der Schlechteste

Der Auftritt der St.Galler ist vor allem in der zweiten Halbzeit derart stark, da kann man keinen Schlechtesten ausmachen.

Aufgefallen

Gibt ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub St.Gallen sein Début im Basel-Dress: Jasper van der Werff.

Gibt ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub St.Gallen sein Début im Basel-Dress: Jasper van der Werff.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

Der ehemalige FCSG-Verteidiger Jasper van der Werff hat ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub sein Début für den FC Basel gegeben. Der 21-jährige Verteidiger war in der Winterpause von Red Bull Salzburg ans Rheinknie gewechselt. Die St.Galler Fans haben ihm seinen Wechsel zum Erzrivalen nicht vergessen. Als van der Werff zu Beginn der zweiten Halbzeit verletzt liegen bleibt, wird er aus dem Gästesektor mit Schmähchören bedacht.

Die Fans

Der volle Gästeblocke im St.Jakob-Park.

Der volle Gästeblocke im St.Jakob-Park.

Bild: ghi

Schon eine halbe Stunde vor Anpfiff feuern die rund 1000 FCSG-Fans im St.Jakob-Park ihre Mannschaft lautstark an. Der Gästeblock in Basel ist (im Gegensatz zum Rest des Stadions) bis auf den letzten Platz gefüllt. Weil weder die mitgereisten Espen noch die Basler Muttenzerkurve nicht mit Pyrotechnik geizen, und bei Spielbeginn auch noch ein starker Wind durch den St.Jakob-Park weht, ist die Sicht auf dem Spielfeld in den ersten Minuten ziemlich eingeschränkt.

Ärger des Tages

An einem grün-weissen Freudentag wie heute gibt es eigentlich keinen Ärger. Und trotzdem: Der Tagblatt-Liveticker hatte die ganze Partie über mit grösseren technischen Problemen zu kämpfen. Wir entschuldigen uns dafür und gehen auf Ursachenforschung.

Die Reaktionen

Peter Zeidler: Wir freuen uns natürlich über unseren Sieg. Wir sind stolz auf die Leistung unserer Mannschaft. In der 1. Halbzeit haben wir mit dem schnellen Bua und dem Kombinationsspiel Mühe bekundet. Der Basler Führungstreffer war nicht unverdient, danach haben wir uns durchgesetzt und das Spiel im Griff gehabt. In der zweiten Halbzeit war es die beste Leistung der Saison. Wir haben nicht nur Druck ausgeübt, sondern auch konkrete Chancen gehabt. Natürlich ist es unglücklich, wenn man mit der letzten Aktion des Spiels verliert. Aber der Sieg ist verdient.

Ob St.Gallen Meister wird? Fragen Sie mich das nicht, diese Frage kann ich nicht ernst nehmen. Der Abstieg ist im Gegensatz zu vergangener Saison kein Thema, und das ist schonmal gut.

Marcel Koller: Ich gratuliere dem FC St.Gallen zum Sieg. Wir waren die erste halbe Stunde die bessere Mannschaft, konnten nach vorne spielen und uns lösen. Danach haben wir das Spiel aus der Hand gegeben und waren zu hektisch. St.Gallen ist durch die Pressingsituationen immer wieder in Ballbesitz gelangt. In der zweiten Halbzeit ist es uns nicht mehr gelungen, uns zu lösen. St.Gallen hatte die eine oder andere Möglichkeit. Das Siegtor war glücklich, weil Ribeiro der Ball vom Pfosten direkt vor die Füsse fällt. Aber der Sieg ist sicher nicht unverdient.

Der Auswärtssieg in Bildern:

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Bild: Andy Mueller / freshfocus
Das Spiel im Liveticker zum Nachlesen:
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