Vor dem grossen Spiel
FCSG-Captain Lukas Görtler vor dem Cupfinal in Bern: «Wir werden auch am Sonntag ein bisschen verrückt und ein bisschen wild sein»

Die Ostschweizer treffen am Sonntag um 14 Uhr im Endspiel des Schweizer Cups auf den FC Lugano. Das Wankdorfstadion ist ausverkauft, die Vorfreude gross. St.Gallen will die Enttäuschung aus dem Vorjahr vergessen machen. Man spüre die Anspannung, sagt Jordi Quintillà an der Medienkonferenz: «Aber für solche Spiele leben wir.»

Patricia Loher aus Bern
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Die Medienkonferenz des FC St.Gallen vor dem Cupfinal im Wankdorf (von links): Captain Lukas Görtler, Jordi Quintillà, Medienchef David Gadze und Trainer Peter Zeidler.

Die Medienkonferenz des FC St.Gallen vor dem Cupfinal im Wankdorf (von links): Captain Lukas Görtler, Jordi Quintillà, Medienchef David Gadze und Trainer Peter Zeidler.

Claudio Thoma/Freshfocus

Es ist an diesem Samstag schon viel los rund um das Wankdorfstadion. Tausende Läuferinnen und Läufer bestreiten bei sommerlichen Temperaturen den Grand Prix von Bern. Noch deutet wenig darauf hin, dass hier in 24 Stunden mit dem 97. Cupfinal einer der Höhepunkte im Schweizer Fussballjahr ansteht.

28'500 Zuschauerinnen und Zuschauer werden am Sonntag erwartet, das Stadion ist ausverkauft. Ein grosser Teil der Fans reist aus der Ostschweiz an. Es dürfte im Wankdorf ein Fussballfest werden.

St.Gallens Lukas Görtler (rechts) im Gespräch mit Luganos Mijat Maric. Maric ist verletzt und verpasst den Final.

St.Gallens Lukas Görtler (rechts) im Gespräch mit Luganos Mijat Maric. Maric ist verletzt und verpasst den Final.

Claudio Thoma / freshfocus

An der Medienkonferenz einen Tag vor dem grossen Spiel sagt St.Gallens Captain Lukas Görtler: «Wir wissen, dass es eine besondere Partie sein wird.» Und weiter:

«Aber wir dürfen uns nicht verbiegen.»

Sie müssten einfach das machen, «was wir in den vergangenen Wochen schon gemacht haben». Will in den Worten des 27-jährigen Deutschen heissen: «Wir werden auch im Final ein bisschen verrückt und ein bisschen wild sein.»

Im Gegensatz zum vergangenen Jahr hat der FC St.Gallen in der Meisterschaft eine lange, gute Phase hinter sich. Trotz der zwei Niederlagen gegen den FC Zürich und die Young Boys sind die Ostschweizer noch immer das zweitbeste Rückrundenteam.

Zudem sei man im Vergleich zum Vorjahr «als Mannschaft enger zusammengerückt», so Görtler. «Und wir wissen, dass wir uns auf unser Spiel verlassen können.»

Fokussiert: St.Gallens Jordi Quintillà auf der Wankdorf-Tribüne und vor dem Abschlusstraining.

Fokussiert: St.Gallens Jordi Quintillà auf der Wankdorf-Tribüne und vor dem Abschlusstraining.

Claudio Thoma/Freshfocus

Natürlich bekommen auch die Spieler mit, wie gross die Euphorie in der Ostschweiz unterdessen geworden ist, wie sehr man sich freut auf diese Partie in Bern. «Wir spüren die Anspannung», sagt Jordi Quintillà. Und weiter:

«Aber für solche Spiele leben wir.»

Die Geschichte des Spaniers ist speziell: Mit Basel verlor er im Oktober den Cup-Achtelfinal bei Étoile Carouge, nun bestreitet er mit St.Gallen den Final.

Zudem ist Quintillà schon Cupsieger: Mit Kansas City gewann er 2015 das Endspiel in den USA gegen Philadelphia, dabei verwertete der 28-Jährige im Penaltyschiessen den entscheidenden Elfmeter.

Lugano hat 9500 Tickets abgesetzt

St.Gallen will am Sonntag die Enttäuschung aus dem Vorjahr vergessen machen und erstmals seit 53 Jahren wieder einen Cup-Pokal nach Hause bringen. 2021 wirkten die Ostschweizer nach anstrengenden Wochen im Abstiegskampf blockiert und überspannt. Sie verloren gegen Luzern 1:3.

St.Gallens Trainer Peter Zeidler

St.Gallens Trainer Peter Zeidler

Claudio Thoma/Freshfocus

Trainer Peter Zeidler sieht den grössten Unterschied in der Tatsache, dass in diesem Jahr die Fans uneingeschränkt dabei sein dürfen. Er sagt:

«Es bleibt ein Fussballspiel. Trotzdem hoffen wir auf ein schönes Fest.»

Der FC Lugano hat 9500 Tickets abgesetzt. «Das macht uns sehr stolz», sagt Luganos Medienchef Marzio Mellini an der Pressekonferenz in Bern. Im Jahr 2016 seien 6000 Personen an den Cupfinal gegen Zürich gereist, so Mellini. Damals verlor Lugano gegen den FC Zürich mit 0:1.

Im Durchschnitt besuchen nur gerade 2808 Personen die Heimspiele des FC Lugano. Es ist der tiefste Zuschauerdurchschnitt in der Super League. Doch im Cup, da lasse sich die Tessiner Bevölkerung mobilisieren, sagt Dario Zuffi gegenüber SRF. Der frühere Schweizer Internationale hatte in den 1990er Jahren für die Tessiner gespielt. 1993 gewann Zuffi mit den Luganesi den bislang letzten Titel der Klubgeschichte.

Lugano wohl mit Amir Saipi

Der FC Lugano geht davon aus, im Cupfinal vom Sonntag gegen St.Gallen den Torhüter Amir Saipi einsetzen zu können. Der 21-jährige Schaffhauser hatte vor einer Woche beim 3:1-Erfolg gegen die Young Boys in der 87. Minute nach einem Revanchefoul einen Platzverweis kassiert. Direkte rote Karten werden wettbewerbsübergreifend gewertet, was bedeutet, dass Saipi nach der Meisterschaftspartie bei Servette auch im Cupfinal hätte aussetzen müssen. Nur: Der FC Lugano reichte in dieser Woche Rekurs ein, diese Beschwerde hat aufschiebende Wirkung. An der Medienkonferenz am Tag vor dem Cupfinal in Bern meldeten die Tessiner, dass sich die Rekurskommission noch nicht geäussert habe und man davon ausgehe, dass sie das an einem Wochenende auch nicht mache. Der Schweizer U21-Internationale Saipi dürfte im Cupfinal deshalb wohl zum Einsatz kommen. Definitiv verzichten muss Luganos Trainer Mattia Croci-Torti am Sonntag auf Mijat Maric, der verletzt ist.

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