Von Sternstunden, Journalisten-Applaus und einer verpassten Begegnung mit Barcelona – die wechselvolle Geschichte des FC St.Gallen im Europacup

Spartak Moskau, Chelsea, Steaua Bukarest – der FC St.Gallen hat international mehr Spuren hinterlassen als manch anderer Schweizer Club. Heute Donnerstag ab 20.30 Uhr nehmen die Ostschweizer gegen AEK Athen einen nächsten Anlauf. Im Gegensatz zu früheren Jahren wird nur eine Partie ausgetragen.

Patricia Loher
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Jubel bei St. Gallen mit Ermir Lenjani, Dejan Janjatovic und Marco Mathys (von links) nach der Sensation gegen Spartak Moskau.

Jubel bei St. Gallen mit Ermir Lenjani, Dejan Janjatovic und Marco Mathys (von links) nach der Sensation gegen Spartak Moskau.

Urs Bucher

Vor zwei Jahren war St.Gallen letztmals im Europacup engagiert. Die zwei Begegnungen mit den Norwegern von Sarpsborg endeten allerdings mit einer Enttäuschung: Nur wenige Wochen nach dem Amtsantritt von Trainer Peter Zeidler gewann St.Gallen das Hinspiel zu Hause trotz Unterzahl zwar mit 2:1, verlor auswärts aber 0:1. Der Sportchef Alain Sutter sagte:

«Viele von uns erwischten in Sarpsborg nicht ihren besten Tag. Den meisten fehlt die Erfahrung mit internationalen Spielen. Hinzu kamen der Kunstrasen und die etwas kleineren Dimensionen des Platzes.»
Roman Buess (Mitte) und Vincent Sierro (rechts) im Juli 2018 im Kybunpark gegen Sarpsborg.

Roman Buess (Mitte) und Vincent Sierro (rechts) im Juli 2018 im Kybunpark gegen Sarpsborg.

Benjamin Manser

Trotz des Ausscheidens gegen Sarpsborg haben die Ostschweizer auf internationaler Ebene mehr erreicht als viele andere Schweizer Clubs. Einer der Höhepunkte liegt noch gar nicht lange zurück. Vor sieben Jahren bezwang St. Gallen unter Jeff Saibene im Europa-League-Playoff überraschend Spartak Moskau. Es war einer der herausragendsten Erfolge in der langen Geschichte des FC St.Gallen.

Nach dem 4:2-Auswärtssieg erhielt Saibene an der Pressekonferenz von den russischen Journalisten eine Standing Ovation.

Der zweifache Torschütze Goran Karanovic sagte:

«Ein grossartiges Gefühl war es, als wir das dritte Tor erzielten. Danach applaudierten uns die Anhänger von Spartak Moskau. Ich bekam Hühnerhaut.»

Gleich hoch einzustufen wie der Erfolg gegen den russischen Rekordmeister ist der Sieg gegen Chelsea 2000 im Uefa-Cup unter Marcel Koller. In der nächsten Runde scheiterte St. Gallen knapp an Brügge. Das Out war doppelt bitter, denn den Belgiern wurde der FC Barcelona zugelost.

Länger ging das Abenteuer im Herbst 2013. Der Lohn für den Erfolg gegen Spartak waren die Europa-League-Gruppenphase und stimmungsvolle Reisen nach Valencia oder Swansea. St. Gallens Anhänger schwelgen noch immer in schönen Erinnerungen.

Karanovic, Nater, Janjatovic, Montandon

Unvergessen bleibt vor allem das Heimspiel gegen die Spanier. Zwar verloren die Ostschweizer mit 2:3, zwischenzeitlich waren sie trotz Unterzahl mit 2:1 in Führung gegangen. Damals standen für St.Gallen Spieler wie Goran Karanovic, Marco Mathys, Stéphane Nater oder Philippe Montandon auf dem Platz.

2013 hatte sich St. Gallen als Aufsteiger auf dem dritten Rang klassiert. Der Platz war wegen des Cupsiegs der Grasshoppers noch wertvoller, da die Zürcher dank des zweiten Ranges in der Meisterschaft die Champions-League-Qualifikation bestreiten durften. St. Gallen erbte den Cupsieger-Platz im Playoff von den Zürchern und hatte nur eine Runde zu überstehen, um die Europa-League-Gruppenphase zu erreichen.

In diesem Jahr muss Vizemeister St.Gallen zwei Partien siegreich gestalten, um die Gruppenphase zu erreichen. Besiegen die Ostschweizer den AEK Athen, wartet Wolfsburg oder das ukrainische Team von Desna Chernihiv.

St. Galler Europacup-Teilnahmen

1969/70. Cupsieger. 1. Runde: Frem Kopenhagen 1:2 (A) 1:0 (H). – 2. Runde: Lewski-Spartak Sofia 0:4 (A) 0:0 (H). – 1983/84. Uefa-Cup. 1. Runde: Radnicki Nis (Ser) 0:3 (A) 1:2 (H). – 1985/86. Uefa-Cup. 1. Runde: Inter Mailand 1:5 (A) 0:0 (H). – 2000/01. Champions League. Qualifikation: Galatasaray Istanbul 1:2 (H) 2:2 (A). – Uefa-Cup. 1. Runde: Chelsea 0:1 (A) 2:0 (H). – 2. Runde: Brügge 1:2 (A) 1:1 (H). – 2001/02. Uefa-Cup. Qualifikation. Pelister Bitola (Maz) 2:0 (A) 2:3 (H). – 1. Runde: Steaua Bukarest 2:1 (H) 1:1 (A). – 2. Runde: Freiburg 1:0 (A) 1:4 (H). – 2013/14. Europa League. Playoff. Spartak Moskau 1:1 (H) 4:2 (A). Gruppenphase. Krasnodar (H) 2:0, Swansea (A) 0:1, Valencia (A) 1:5, Valencia (H) 2:3, Krasnodar (A) 0:4, Swansea (H) 1:0. Gruppenrang 4. – 2018/19: Europa League. Qualifikation. 2. Runde: Sarpsborg 2:1 (H) 0:1 (A).

Länger als die Spiele gegen Spartak Moskau, Valencia oder Chelsea liegen in der Geschichte des FC St. Gallen die zwei Uefa-Cup-Partien gegen Inter Mailand zurück. 1985 war ein grosses Jahr für die Ostschweizer. Trotz einer 1:5-Niederlage im San Siro kamen 16'200 Zuschauer zum Rückspiel und bescherten dem Espenmoos den Stadionrekord. 15 Jahre wartete St.Gallen auf weitere internationale Auftritte, die Partien im Intertoto-Cup waren meist nur bessere Testspiele.

Nach dem Meistertitel 2000 bestritt St. Gallen die Champions-League-Qualifikation gegen Galatasaray Istanbul, schied aber trotz eines 2:2 in der Türkei aus. Danach folgte die Sternstunde gegen den grossen englischen Club Chelsea im Uefa-Cup. Ein Jahr später erreichte St. Gallen erneut den Uefa-Cup und qualifizierte sich gegen Steaua Bukarest für die nächste Runde. Der damalige Präsident Thomas Müller sagte einst:

«Es war das erste und einzige Mal, dass sich Peter Stadelmann und ich umarmten.»

Der Bundesligaklub Freiburg war dann aber eine Nummer zu gross.

«AEK ist ein anderes Kaliber»

Vor dem zweiten Europacup-Abenteuer als Trainer des FC St.Gallen sagt Zeidler: «Es ist ein Traum, endlich international zu spielen. Was sich ändert? Das Niveau ist natürlich höher. Ohne Basel und YB zu Nahe zu treten, aber AEK Athen ist da schon ein anderes Kaliber was das Spielerische anbelangt.»

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