Von Bengeln, Schiedsrichtern und Corona – die Vizemeistersaison des FC St.Gallen in Zitaten

Der FC St.Gallen hat im vergangenen Jahr landesweit Schlagzeilen gemacht. Wir blicken zurück in Zitaten von Medien, Verantwortlichen und Spielern.

Patricia Loher
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Der Rücktritt Tranquillo Barnettas nach der vergangenen Saison hat St.Gallens Anhänger geschmerzt.

Der Rücktritt Tranquillo Barnettas nach der vergangenen Saison hat St.Gallens Anhänger geschmerzt.

Michel Canonica
«Es scheint, als habe das Team an Substanz verloren.»

11. Juli 2019: Die NZZ ist vor dem Saisonstart kritisch.

Gleich im ersten Spiel macht St.Gallen eine negative Erfahrung mit dem Videoschiedsrichter: Nach einem Foul an Axel Bakayoko nimmt der Schiedsrichter einen Penalty für die Ostschweizer zurück.

Gleich im ersten Spiel macht St.Gallen eine negative Erfahrung mit dem Videoschiedsrichter: Nach einem Foul an Axel Bakayoko nimmt der Schiedsrichter einen Penalty für die Ostschweizer zurück.

Urs Bucher
«War das eine klare Fehlentscheidung? Nein. Also hat der VAR hier nichts zu suchen.»

20. Juli 2019: Nun hat auch die Schweiz den Videoschiedsrichter (VAR). St.Gallen ist aber gleich im ersten Spiel, das es gegen Luzern 0:2 verliert, im Pech. Der Schiedsrichter nimmt bei seiner ersten Videokonsultation einen Penaltypfiff für die St.Galler zurück. Teleclub-Experte Marcel Reif wird deutlich.

Matthias Hüppi, Präsident FC St.Gallen.

Matthias Hüppi, Präsident FC St.Gallen.

Ennio Leanza/Keystone
«Wir dulden nicht, dass dem Klub Schaden zugefügt wird.»

26. September 2019: Präsident Matthias Hüppi nach dem Pyroexzess im Espenblock während des Spiels gegen Servette gegenüber dieser Zeitung. Es ist nach der Niederlage im Cup gegen Winterthur das einzige Störfeuer: St.Gallen siegt und siegt und nähert sich den Young Boys.

«Der FC St.Gallen gemahnt manchmal an eine Sonderschule für unentdeckte Begabte.»

28. September 2019: Die NZZ lobt die Transferaktivitäten der plötzlich so stark auftretenden Ostschweizer.

«Wer eine Mannschaft mit sieben oder gar acht Jugendlichen die ganze Saison pausenlos nach vorne peitscht, kann den Bengeln nach einer Stunde nicht die Maurerkelle in die Hand drücken.»

11. November 2019: Der «Blick» nach dem furiosen 4:3 zwischen den Young Boys und St.Gallen. Die Ostschweizer rennen auch nach dem 3:3 unermüdlich an – und kassieren das vierte Gegentor.

«Tatsächlich ist dieser FC St.Gallen mehr als der gefeierte Erfolgscoach Zeidler und Senkrechtstarter Itten. Er ist ein Kollektiv, geprägt von harmonierenden Pärchen.»

8. Dezember 2019: Die «Sonntags- Zeitung» erklärt St.Gallens Stärke.

«Prognosen gehören dazu. Für unsere Arbeit sind sie mir jedoch schnurzegal. Ich kenne die Leute ja und denke dann, du würdest es wohl gerne sehen, wenn wir abschiffen.»

23. Januar 2020: St.Gallens Präsident Matthias Hüppi vor dem Rückrundenstart gegenüber dieser Zeitung. Noch im Sommer wurde den Ostschweizern wenig zugetraut, in der Winterpause belegen sie Rang drei.

«Vielleicht war es mehr als nur die beste Halbzeit des FC St.Gallen. Vielleicht war es die beste Leistung in der Super League 2019/20 überhaupt.»

3. Februar 2020: Der «Tages-Anzeiger» lobt die St.Galler nach dem Auftritt in Basel. Es folgen der Erfolg gegen Servette und die Niederlage in Luzern. St.Gallen ist Leader, als es die punktgleichen Young Boys empfängt.

Eine Szene, die die Gemüter erregte: St.Gallens Goalie Lawrence Ati Zigi gegen YB-Stürmer Guillaume Hoarau.

Eine Szene, die die Gemüter erregte: St.Gallens Goalie Lawrence Ati Zigi gegen YB-Stürmer Guillaume Hoarau.

Ennio Leanza / KEYSTONE
«Die Spiele des FC St.Gallen gegen die Young Boys sind in dieser Saison das Aufwühlendste, was der Schweizer Fussball zu bieten hat.»

23. Februar 2020: Auch diese Zeitung lässt sich mitreissen – was für ein Spitzenspiel, was für ein 3:3! Führung, 1:2-Rückstand, 2:2, 3:2 in der 91. Minute, und dann ein Penalty für die Berner, den der neue Goalie Lawrence Ati Zigi hält – doch der VAR greift ein.

«Ich habe in meinem Leben vielleicht schon 3000 Elfmeter gesehen, bei 2999 ist genau dasselbe passiert und er wurde nicht wiederholt.»

23. Februar 2020: Lukas Görtler über die Intervention des Videoschieds­richters, nachdem Zigi die Linie zu früh verlassen hatte.

Der Kybunpark ist am 23. Februar ausverkauft – zum letzten Mal für einige Zeit.

Der Kybunpark ist am 23. Februar ausverkauft – zum letzten Mal für einige Zeit.

Urs Bucher
«Nach dem Fussballfest gibt es keinen Grund, weshalb das St.Galler Stadion nicht auch in zwei Wochen wieder voll sein sollte. Dann gastiert Zürich im Kybunpark.»

24. Februar 2020: Keiner ahnt, dass die Partie gegen die Young Boys für eine lange Zeit St.Gallens letzter Auftritt gewesen sein sollte. Das Corona­virus zwingt die Welt in die Knie. Lange ist ungewiss, wie es weitergeht.

«Es gibt keinen Klub, bei dem ich in dieser Krise lieber wäre als beim FC St.Gallen.»

7. Mai 2020: Lukas Görtler gegenüber dieser Zeitung während der Zwangspause. Ab dem 20. Juni geht es schliesslich mit Geisterspielen weiter.

«Ohne Corona hätte der überraschende Leader aus St.Gallen auf der Welle der Begeisterung weit surfen können. Bleibt also nur der Meister aus Bern.»

19. Juni 2020: Die «Berner Zeitung» wagt vor der Wiederaufnahme der Meisterschaft eine wenig überraschende Prognose.

«Diese Mannschaft aus Akteuren, die anderswo gescheitert, übersehen oder aussortiert worden sind, kann tatsächlich wider alle Erwartungen Meister werden.»

2. Juli 2020: Das Onlineportal «Watson» nach St.Gallens hart erkämpftem Sieg auswärts gegen Xamax.

Simon Grether, Spieler des FC Luzern.

Simon Grether, Spieler des FC Luzern.

Martin Meienberger/Freshfocus
«Ich weiss ehrlich gesagt auch nicht so recht, warum ausgerechnet St.Gallen um den Meistertitel kämpft.»

15. Juli 2020: Luzerns Spieler Simon Grether vor dem Spiel in St.Gallen gegenüber «PilatusToday». Die Antwort folgt auf dem Fuss:

St.Gallens Jordi Quintillà (links) und Cedric Itten bejubeln das souveräne 4:1 gegen Luzern.

St.Gallens Jordi Quintillà (links) und Cedric Itten bejubeln das souveräne 4:1 gegen Luzern.

Ennio Leanza/Keystone
«Der FC St.Gallen bleibt so Meisterkandidat Nummer eins.»

17. Juli 2020: Die «Luzerner Zeitung» hat beim 4:1 St.Gallens gesehen, warum die Ostschweizer an der Spitze mitmischen. Grether wohl auch. Am Ende reicht es St.Gallen aber nicht zum Titel.

Der Torschützenkönig Jean-Pierre Nsame (vorne) und St.Gallens Ermedin Demirovic nach dem letzten Spiel der Saison im Wankdorf.

Der Torschützenkönig Jean-Pierre Nsame (vorne) und St.Gallens Ermedin Demirovic nach dem letzten Spiel der Saison im Wankdorf.

Claudio De Capitani/Freshfocus
«Für manch einen wäre der FC St.Gallen heuer der Meister der Herzen gewesen.»

31. Juli 2020: Die NZZ nach der Entscheidung auf ihrem Onlineportal.