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Völlig frustriert in die Pause - FCSG-Präsident Hüppi: «Die Alten haben die Jungen im Stich gelassen»

Der FC St. Gallen gibt im letzten Spiel abermals eine miserable Figur ab, seine Ferien kommen zum richtigen Zeitpunkt. Das letzte Saisonviertel wiegt schwer, die Mannschaft braucht neue Gesichter. Episoden der Berg- und Talfahrt 2017/18.
Christian Brägger
Konsternation bei den Spielern, Frust bei den Anhängern nach dem Schlusspfiff gegen Lausanne. (Bild: Urs Bucher)

Konsternation bei den Spielern, Frust bei den Anhängern nach dem Schlusspfiff gegen Lausanne. (Bild: Urs Bucher)

0:3 im eigenen Haus verloren zum Abschluss der Saison, das gegen den Absteiger aus Lausanne. Der FC St. Gallen hat versagt, komplett in dieser Partie, als schlechtestes Team des letzten Saisonviertels ebenfalls, in dem man viel und am Ende noch den letzten Goodwill in der Öffentlichkeit verspielt hat – zum Glück ist Sommerpause. Dabei wäre es besonders wichtig gewesen, Zuschauer wie Spieler mit einem guten Gefühl in ebendiese zu entlassen, weil der letzte Eindruck überdauern wird, bis das Vertrauen in den FC St. Gallen in einem möglicherweise längeren Prozess zurückkommt. Sponsorenverhandlungen stehen überdies an, die Argumente werden der Führungscrew teilweise fehlen, da die Aufbruchstimmung, die man zu spüren begann, der totalen Ernüchterung gewichen ist.

Man könnte die abgelaufene Saison nun anhand der Statistiken analysieren oder anhand der Tabelle, die irgendwie noch immer ein wenig für den FC St. Gallen spricht, weil sie ihn, man glaubt es kaum, als Fünften ausspukt. Es sind diese und andere Geschichten im und um den seit einigen Jahren nervösen Club, die die Spielzeit geprägt haben.

Europacup: Das mögliche Nullsummenspiel

Zuerst wollte der FC St. Gallen den dritten Platz unbedingt halten, weil dieser, falls die Young Boys Cupsieger werden, etwa fünf Millionen Franken einbringen wird. Der Druck war gross, und vielleicht sind die St. Galler auch daran zerbrochen, das Geld ist jedenfalls (vorerst) verloren. So greifen die Ostschweizer nun in der zweiten Qualifikationsrunde für die Gruppenphase der Europa League ein, Hin- und Rückspiel finden am 26. Juli und 2. August statt, die Zulosung des Gegners ist am 19. Juni. Es ist ungewiss, wie die Spieler auf die frühe Doppelbelastung in der Saison reagieren werden, und hinter vorgehaltener Hand gibt es auch Exponenten des FC St. Gallen, die das internationale Abenteuer kritisch betrachten, da die Gegner undankbar und das finanzielle Risiko gross sein könnten; es droht ein Nullsummenspiel, wenn überhaupt, auch in der dritten Qualifikationsrunde blieben die Erträge höchstens überschaubar. Die Profis mit Vertrag für die neue Spielzeit werden sich mit diesen Gedanken kaum herumschlagen, sie haben jetzt Ferien und beginnen mit dem Training und dem neuen Trainer Peter Zeidler am 18. Juni.

Hypothek I: Die alte Führungscrew

Der FC St. Gallen startete mit einer finanziellen Hypothek in die Saison, es ging ihm nicht gut, auch deshalb hat Silvan Hefti nach England veräussert werden sollen; umgesetzt wurde der Geldquellerschliessung dann mit Albian Ajetis Verkauf nach Basel; der Stürmer ist heute der Torschützenkönig der Super League und hofft auf ein WM-Ticket. Hinzu kam im FC St. Gallen eine Seilschaft, die dem Club nicht guttat, sie hatte sich unter Dölf Früh eingenistet und später freie Bahn. Im Verwaltungsrat erodierten die Spannungen, es gab Streit und einen schwachen Präsidenten Stefan Hernandez. Allein schon wegen diesen Vorgeschichten ist es ein kleines Wunder, dass St. Gallen nicht in viel grössere sportliche Not geraten ist.

Nur kurz am Ruder: Stefan Hernandez, Ex-Präsident des FC St.Gallen.

Nur kurz am Ruder: Stefan Hernandez, Ex-Präsident des FC St.Gallen.

Die Prominenz übernimmt den Club in Schieflage

Man mache den Selbsttest: Seit wann ist Matthias Hüppi der Präsident? Weil man den früheren Starmoderator des Fernsehens allerorts und mit jedem reden sieht, ist man geneigt zu sagen: Gefühlt seit einer Ewigkeit. Dabei ist Hüppi erst ein halbes Jahr im FC St. Gallen tätig, Sportchef Alain Sutter, der zweite Prominente im Staff, ein bisschen weniger lang. Seit das Duo und der neue, kompetente Verwaltungsrat am Ruder sind, weht ein anderer Wind. Wieder wurden zahlreiche Angestellte ausgetauscht, weil man eine grün-weisse Bewegung will. Hierzu gehört ein respektvolles Miteinander auf allen Ebenen und damit ein Umgangston, den es davor nicht mehr gab.

Sportchef Alain Sutter (links) und Präsident Matthias Hüppi haben viel Arbeit vor sich (Urs Bucher)

Sportchef Alain Sutter (links) und Präsident Matthias Hüppi haben viel Arbeit vor sich (Urs Bucher)

Lopar – Stojanovic – Lopar

Irgendwie passte es ins Bild, dieses Wechseln auf der Goalieposition, der Club scheint ja ebenso auf der Suche zu sein. Gefunden hat er sich bis heute nicht ganz, und auch bei den Goalies, die höchstens Mittelmass verkörpern, ist man weiter unentschlossen. Anfänglich bestritt Daniel Lopar die Saison, nach der Winterpause setzte Giorgio Contini auf Dejan Stojanovic. Ob der später entlassene Coach dies auf freien Stücken tat, ist offen, vielleicht wurde es Lopar auch zum Verhängnis, dass er mit Contini den gleichen Berater hat. Die Konfusion perfekt machte schliesslich Interimscoach Boro Kuzmanovic, der sich dann von Lopar wieder mehr erhoffte.

(Noch) nicht der ganz grosse Rückhalt im Tor: Dejan Stojanovic. (Martin Meienberger/freshfocus)

(Noch) nicht der ganz grosse Rückhalt im Tor: Dejan Stojanovic. (Martin Meienberger/freshfocus)

Die Defensive ist die schlechteste der Liga

Besonders in der Defensive vermochten die St. Galler nicht zu überzeugen. Zwar spielte dort meist der erwünschte eigene Nachwuchs und mit Jasper van der Werffs Wechsel nach Salzburg gibt es nun einen ersten Ertrag. Doch 72 Gegentore sind Minusrekord der Liga, die 19 Niederlagen, die daraus resultierten, ebenfalls. Drei Unentschieden stehen auf der St. Galler Seite, da sind sie einsame Spitze der Super League, der Wert suggeriert ein Hopp- oder Flop-Gefühl.

Hypothek II: Boro Kuzmanovic

Weil Contini nicht mit Sutter wollte oder konnte, musste der Zürcher den Club verlassen. Contini habe viele Chancen erhalten und verstreichen lassen, sagt Hüppi. «Wir konnten nicht mehr mit ihm weitermachen.» Boro Kuzmanovic, der die Stelle für die letzten fünf Spiele übernahm, sprach darauf von einem schlechten Zustand des Teams. Und auch der Interimscoach schaffte es nicht, der Mannschaft Stabilität zu geben, vielmehr versuchte er sie noch zu formen und in ihr System einzugreifen – und baute die Niederlagen auf sieben in Serie aus (wieder ein Ligarekord). Kuzmanovic ist Sutters Entscheid, weshalb der Sportchef hier in der Kritik steht. Sutter sagt: «Boro hatte es nicht einfach. Aber von den Resultaten her gibt es hier tatsächlich keine Argumente.» Den völlig verunsicherten Spielern hätte ein besserer Kommunikator und Motivator wohl mehr gedient. Kuzmanovic wird nun ins zweite Glied neben Zeidler rücken, es ist fraglich, ob seine negative Bilanz eine Hypothek sein wird.

Pleite an Pleite gereiht: Interimstrainer Boro Kuzmanovic. (Benjamin Manser)

Pleite an Pleite gereiht: Interimstrainer Boro Kuzmanovic. (Benjamin Manser)

Peter Zeidler, der Neue

Mehrmals hat sich Peter Zeidler den FC St. Gallen angeschaut, auch gegen Lausanne. Der Deutsche, der bereits Anfang Juni in die Region ziehen wird, weil er lange vor dem Trainingsstart da sein will, mischte sich nach dem 0:3 unter die Anhänger. Er sagt: «Ich weiss, wo ich hinkomme. Der Fussball hat in der Ostschweiz eine enorme Bedeutung, das habe ich am Samstag nochmals erlebt. Ich will jetzt keine Ansagen machen. Aber wenn man so oft verliert, wird der Beginn nicht einfach. Wir müssen das genau analysieren, um unbelastet in die Saison zu gehen. Natürlich ist die Stimmung nicht himmelhochjauchzend. Es wird nun einen Neustart geben, wir werden vieles neu überdenken. Und es wird zu Transfers kommen, aber wir gehen das gemeinsam und ohne Hektik an.»

Der Charakter des Teams – heute und morgen

Die St. Galler Mannschaft offenbarte in dieser Saison ein spezielles Innenleben. Wenn es ihr lief wie in der Rückrunde mit fünf Siegen in Serie und einem formidablen Sturmduo Itten/Ben Khalifa, bereitete sie grosse Freude. Doch wenn es ihr nicht lief, gab es keine Typen, die den Karren aus dem Dreck gezogen hätten. Nassim Ben Khalifa, der zuletzt kaum zum Zug kam, sagte gar: «Wir alle müssen uns schämen. Mit einer solchen Mentalität steigen wir nächste Saison ab. Auch müssen bei uns nicht jene spielen, die am meisten Tore erzielen. Sondern jene, die das Team besser machen.»

Doch wo bleiben die Leader für 2018/19? Toko und Karim Haggui sind weg, was mit Cedric Itten und Runar Sigurjonsson passiert, ist offen. Die Option, welche die St. Galler bei GC auf den Isländer besitzen, macht nur dann Sinn, wenn auch der Spieler mit dem neuen Kontrakt zufrieden ist. Als ein möglicher Neuzugang wurde zuletzt Luzerns Hekuran Kryeziu ins Spiel gebracht, der 25-jährige Mittelfeldspieler könnte einer sein für die fehlende Solidarität im Team, die Hüppi so sehr ärgerte, dass er sagte: «Die Alten haben die Jungen im Stich gelassen. Jeder Spieler, und das fordern wir todischer ein, muss sich in Zukunft für grün-weiss verreissen.»

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