Auswärtssieg
Victor Ruiz trifft fast aus dem Nichts – der FC St.Gallen gewinnt auch das zweite Spiel nach der Quarantäne

Der FC St.Gallen geht in Lausanne in der 61. Minute in Führung und bringt den Erfolg über die Zeit. Das entscheidende Tor in einem offensiv geführten Spiel erzielt Victor Ruiz. Es ist für St.Gallen nach der Quarantäne im zweiten Spiel der zweite Sieg. Damit rücken die Ostschweizer auf Rang drei vor. Der Rückstand auf die Young Boys beträgt nur noch drei Zähler.

Patricia Loher
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Victor Ruiz bejubelt mit Assistgeber Jérémy Guillemenot das 1:0.

Victor Ruiz bejubelt mit Assistgeber Jérémy Guillemenot das 1:0.

Pascal Muller/Freshfocus

Die Spielwertung

In der ersten Halbzeit ist es phasenweise ein wildes Spiel mit Chancen hüben wie drüben. Nach der Pause ist Lausanne im Vorteil. St.Gallen muss sich nach Kräften wehren, offensiv kommt nur noch wenig. Trotzdem gewinnt das Team von Trainer Peter Zeidler. Spielnote: 4

Die Tore

  • 0:1, 61. Minute, Victor Ruiz: Nach einem guten Angriff über Lukas Görtler und Jérémy Guillemenot trifft Victor Ruiz aus 14 Metern schön zur Führung. Es ist das zweite Saisontor von Ruiz. Lausannes Torhüter Mory Diaw gibt keine gute Figur ab.

Die Spielanalyse

St.Gallens Trainer Peter Zeidler kann wieder auf seine Stammabwehr zurückgreifen, nachdem coronabedingt noch in Zürich mit Alessandro Kräuchi, Betim Fazliji sowie Miro Muheim drei bewährte Verteidiger ausgefallen sind. In Mittelfeld und Angriff belässt es der Coach bei der Formation vom vergangenen Mittwoch, die im Letzigrund 2:1 gewonnen hat.

Ein umkämpftes Spiel im neuen Lausanner Stadion: St.Gallens Alessandro Kräuchi (rechts) gegen Lausannes Rafik Zekhnini.

Ein umkämpftes Spiel im neuen Lausanner Stadion: St.Gallens Alessandro Kräuchi (rechts) gegen Lausannes Rafik Zekhnini.

Jean-Christophe Bott/Keystone

Im neuen Lausanner Stadion beginnt St.Gallen druck- und schwungvoll. Aber es zeichnet sich schnell einmal ab, worauf die Gäste besonders achtgeben müssen: Lausannes Gegenstösse sind, wie schon beim 2:2 im Heimspiel, gefährlich. So könnte St.Gallen früh in Rückstand geraten, aber vorerst scheitert Cameron Puertas an Goalie Lawrence Ati Zigi, ehe wenig später auch Aldin Turkes nach einem Konter zu einer Chance kommt.

Nach gut 13 Minuten erspielt sich St.Gallen durch Florian Kamberi eine erste Abschlussmöglichkeit. In der Folge entwickelt sich ein wildes, offensiv geführtes Spiel. Die zwei Teams begegnen sich auf Augenhöhe und suchen die Führung. In der 23. Minute vergibt Miro Muheim eine gute Möglichkeit, ehe Élie Youan, der zweifache Torschütze von Zürich, den besser postierten Kamberi nicht sieht.

St.Gallen Miro Muheim (links) gegen Lausannes Pedro Brazao.

St.Gallen Miro Muheim (links) gegen Lausannes Pedro Brazao.

Pascal Muller/Freshfocus

Lausanne-Sport ist nicht anzumerken, dass es zuletzt mit vier Niederlagen in sechs Spielen in eine Resultatkrise gerutscht ist. In der ersten Halbzeit erspielt sich der Aufsteiger die besseren Chancen als der Vizemeister. St.Gallen, das zwar das initiativere Team ist und grossen Aufwand betreibt, kann froh sein, steht es nach 45 Minuten 0:0.

Lausanne hat Chancen, St.Gallen macht das Tor

Nach der Pause machen die Waadtländer Druck. In der 55. Minute verpasst Turkes knapp die Führung. Lausanne bleibt das gefährlichere Team. St.Gallen hingegen tut sich schwer, offensiv in Erscheinung zu treten – geht dann aber trotzdem mit dem ersten gelungen Angriff nach der Pause durch Victor Ruiz in Führung.

Der Vorsprung spielt St.Gallen in die Karten. Es wirkt nun etwas stabiler und den Waadtländern unterlaufen mehr Fehler als zuvor. Trotzdem beanspruchen die Ostschweizer wie schon in Zürich in der Schlussphase auch das Glück. In der 88. Minute vergibt Lausanne eine hervorragende Möglichkeit.

Nach dem zweiten Auswärtssieg innert vier Tagen spielt St.Gallen bereits nächsten Mittwoch wieder. Dann trifft die Mannschaft zu Hause auf Lugano.

Der Beste

Victor Ruiz. Aber nur wegen seines Siegtreffers. Vom Spanier müssen wieder mehr offensive Impulse kommen. Vielleicht löst dieses Tor den Knoten. Stark ist einmal mehr der 18-jährige Leonidas Stergiou.

Lawrence Ati Zigi: Note 4,5. Schon nach vier Minuten muss er eingreifen. Und hat dann wie die Kollegen Glück, dass Lausanne nicht effizient ist.
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Leonidas Stergiou: Note 5. Einmal mehr einer der besseren St. Galler: schnell, mit gutem ersten Ball und viel Übersicht.
Basil Stillhart: Note 4,5. St.Gallen wirkt nach seiner Einwechslung etwas kompakter.
Florian Kamberi: Note 3,5. Einmal steht er frei, aber Youan sieht ihn nicht. Bis zur Pause auffälliger als noch in Zürich.
Jordi Quintillà: Note 4. Die Gegenspieler lassen ihn kaum aus den Augen. Noch nicht in der Form der Vorsaison.
Jérémy Guillemenot: Note 5. Er kommt für Babic und leitet den Siegtreffer mit einem klugen Pass zurück auf Ruiz ein.
Victor Ruiz: Note 4,5. Das Tor erzielt der Spanier technisch stark. Aber von ihm wird insgesamt mehr Spielwitz erwartet. Viele Fehlzuspiele.
Lukas Görtler: Note 5. Leitet das Tor schön mit einem Ball auf Guillemenot ein. Muss in der Schlussphase angeschlagen ausgewechselt werden.
Thody Élie Youan: Note 4. Der zweifache Torschütze von Zürich kommt zu Chancen. Noch fehlt es ihm an Übersicht.
Miro Muheim: Note 3,5. Er tut sich im ersten Einsatz nach der Isolation schwer. Die schöne Einzelleistung in der 23. Minute hätte aber ein Tor verdient.
Betim Fazliji: Note 4,5. Macht seine Sache ordentlich. In der zweiten Hälfte mit ein paar Stellungsfehlern.
Boubacar Traore: Note - . Auch er spielt zu wenig lang, um benotet zu werden.
Tim Staubli: Note 4,5. Wird eingewechselt und fällt mit viel Defensiveinsatz auf.
Alessandro Kräuchi: Note 4,5. Im ersten Spiel nach der Covid-Infektion gelingt ihm vor allem defensiv ein solides Spiel.
Boris Babic: Note 3,5. Ein Weitschuss, viel Einsatz: trotzdem eher knapp eine durchschnittliche Leistung.
Vincent Rüfli: Note - . Der Einsatz des Genfers ist zu kurz für eine Note.

Lawrence Ati Zigi: Note 4,5. Schon nach vier Minuten muss er eingreifen. Und hat dann wie die Kollegen Glück, dass Lausanne nicht effizient ist.

Der Schlechteste

St.Gallens Offensive tut sich schwer an diesem Nachmittag. Noch vor der Pause kommen die Ostschweizer zwar zu Chancen, in den zweiten 45 Minuten wird es aber schwieriger, sich in den Strafraum vorzuarbeiten. Der Mannschaft von Zeidler unterlaufen im Aufbauspiel viel zu viele Fehler.

Der Schiedsrichter

Luca Piccolo macht seine Sache gut. Er leitet die Partie unaufgeregt und hat sie im Griff.

Das neue Stadion in Lausanne.

Das neue Stadion in Lausanne.

Jean-Christophe Bott/Keystone

Aufgefallen

Das neue Zuhause von Lausanne-Sport, das Stade de la Tuilière, befindet sich nur einen Kilometer entfernt von der Pontaise. St.Gallen ist erst das dritte Team, das auf dem neu entwickelten Kunstrasen das Vergnügen hat. Das Stadion bietet, zu normalen Zeiten, 12'544 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz. Am Sonntag herrscht aber aufgrund der Coronapandemie gähnende Leere. Die Arena hat gut 165 Millionen Franken gekostet. Erbaut wurde sie innert dreier Jahre.

Die Reaktionen

Peter Zeidler, Trainer FC St.Gallen: «Wir haben das Resultat mit Teamgeist über die Runden gebracht. Wir begannen nicht schlecht, waren mehr im Ballbesitz, aber die besseren Chancen hatte Lausanne. Nach der Hereinnahme von Jérémy Guillemenot fanden wir dann wieder besser ins Spiel.»

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