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VAKANZ: Wer Frühs Erbe antritt

Weil Dölf Früh gesundheitsbedingt schnell kürzertreten muss, braucht der FC St.Gallen im Mai einen neuen Präsidenten. Wer der Nachfolger wird, ist offen. Die Anforderungen sind hoch, Kandidaten vorhanden.
Christian Brägger
Der 65-jährige Dölf Früh legt aus gesundheitlichen Gründen das Präsidentenamt des FC St. Gallen nieder. (Bild: Urs Bucher)

Der 65-jährige Dölf Früh legt aus gesundheitlichen Gründen das Präsidentenamt des FC St. Gallen nieder. (Bild: Urs Bucher)

Christian Brägger

«FC St.Gallen, was wird?», titelte gestern unsere Zeitung mit Blick auf die nahe sportliche Zukunft. Bereits heute hat diese Frage eine ganz andere Tragweite, weil Dölf Früh, der Verwaltungsratspräsident der FC St.Gallen AG und der FC St.Gallen Event AG, aus gesundheitlichen Gründen sein Amt im Mai an einer ausserordentlichen Generalversammlung vorzeitig niederlegt. Wie geht es mit dem Verein weiter ohne seinen Retter vor dem finanziellen Ruin, damals im November 2010?

Im Hintergrund hat vorerst insbesondere Früh mit der Suche nach dem Nachfolger begonnen, wobei hier von Beginnen nicht die Rede sein darf; der scheidende Präsident soll schon länger nach einem geeigneten Kandidaten Ausschau halten. So gab es in der Vergangenheit zumindest Situationen, in denen der passionierte Kickboxer und Skifahrer damit kokettierte, das Amt alsbald abgeben zu wollen. Dass ihn die Zukunft nun derart schnell einholt und alles in dieser Eile geschehen muss, damit konnte Früh nicht rechnen, und darin liegt gerade das Tragische. Es heisst, er habe zweimal etwas am Herzen gehabt und sei gesundheitlich angeschlagen. Es ist durchaus möglich, dass Früh, diesem Mann mit harter Schale und weichem Kern, sportliche Rückschläge wie der letzte Tabellenplatz des FC St.Gallen nach zwölf Runden doch mehr zusetzten, als er zugeben mochte. Und die Dinge ihm an die Substanz gingen. Zumal sich im vergangenen Frühherbst der Zorn des Volkes gegen den Trainer Joe Zinnbauer richtete, gegen den Trainer von Frühs Gnaden, und letztlich auch gegen seine Person.

Die Sensation: Der 53-jährige Jurist Bernhard Heusler hob den FC Basel als geschäftsführender Präsident auf ein derart hohes Niveau, dass heute in der Schweiz kein Club nur annähernd folgen kann. Nun hat Heusler genug, er hört nach dieser Saison auf und sucht eine neue Herausforderung. Weshalb nicht beim FC St. Gallen? Die Verankerung des Clubs in der Region wäre dieselbe. (Bild: GEORGIOS KEFALAS (KEYSTONE))Die Sensation: Der 53-jährige Jurist Bernhard Heusler hob den FC Basel als geschäftsführender Präsident auf ein derart hohes Niveau, dass heute in der Schweiz kein Club nur annähernd folgen kann. Nun hat Heusler genug, er hört nach dieser Saison auf und sucht eine neue Herausforderung. Weshalb nicht beim FC St. Gallen? Die Verankerung des Clubs in der Region wäre dieselbe. (Bild: GEORGIOS KEFALAS (KEYSTONE))
Die Überraschung: Der gebürtige Bündner Pierin Vincenz erfüllt das Anforderungsprofil bestens. Er war einst Chef der Raiffeisenbanken, die Sponsor der Super League sind. Der 60-Jährige hat an der HSG studiert und wohnt in Niederteufen, besser vernetzt als der fachkundige Fan des FC St.Gallen könnte kaum jemand sein. Vincenz hat in seinem Leben alles richtig gemacht, er geniesst einen hervorragenden Ruf – und wäre finanziell unabhängig. (Bild: Hanspeter Schiess)Die Überraschung: Der gebürtige Bündner Pierin Vincenz erfüllt das Anforderungsprofil bestens. Er war einst Chef der Raiffeisenbanken, die Sponsor der Super League sind. Der 60-Jährige hat an der HSG studiert und wohnt in Niederteufen, besser vernetzt als der fachkundige Fan des FC St.Gallen könnte kaum jemand sein. Vincenz hat in seinem Leben alles richtig gemacht, er geniesst einen hervorragenden Ruf – und wäre finanziell unabhängig. (Bild: Hanspeter Schiess)
Der Favorit: Der 43-jährige Pascal Kesseli ist seit Sommer 2013 CEO der FC St.Gallen Event AG und gilt als Favorit auf die Nachfolge von Dölf Früh. Unter der Leitung von Kesseli konnte nach dem Ausstieg der AFG mit Kybun ein neuer Namensgeber für das Stadion gefunden werden und die Marke FC St.Gallen wurde dank intensivierter Marketingauftritte gestärkt. Kesseli, früher CEO der Firma Faserplast AG, leistet gute Arbeit. (Bild: pd)Der Favorit: Der 43-jährige Pascal Kesseli ist seit Sommer 2013 CEO der FC St.Gallen Event AG und gilt als Favorit auf die Nachfolge von Dölf Früh. Unter der Leitung von Kesseli konnte nach dem Ausstieg der AFG mit Kybun ein neuer Namensgeber für das Stadion gefunden werden und die Marke FC St.Gallen wurde dank intensivierter Marketingauftritte gestärkt. Kesseli, früher CEO der Firma Faserplast AG, leistet gute Arbeit. (Bild: pd)
Der Unternehmer: Rolf Schubiger ist Aktionär der FC St.Gallen Event AG. Als Inhaber der Rolf Schubiger Küchen AG in St.Gallen ist er Unternehmer durch und durch. Schubiger beschäftigt 120 Mitarbeitende, im Jahr 2013 verkaufte er einen Teilbereich seines Geschäfts an Coop. Dem Vernehmen nach wurde mit Schubiger schon das eine oder andere Gespräch über eine mögliche Präsidentschaft beim FC St. Gallen geführt. (Bild: Michel Canonica)Der Unternehmer: Rolf Schubiger ist Aktionär der FC St.Gallen Event AG. Als Inhaber der Rolf Schubiger Küchen AG in St.Gallen ist er Unternehmer durch und durch. Schubiger beschäftigt 120 Mitarbeitende, im Jahr 2013 verkaufte er einen Teilbereich seines Geschäfts an Coop. Dem Vernehmen nach wurde mit Schubiger schon das eine oder andere Gespräch über eine mögliche Präsidentschaft beim FC St. Gallen geführt. (Bild: Michel Canonica)
Der Bewährte: Wo Fussball draufsteht, ist Peter Stadelmann drin. Der clevere St.Galler, als Wirtschaftsanwalt eine Grösse, hat bereits als Sportchef im FC St.Gallen gewirkt. Als Delegierter der Nationalmannschaft trat Stadelmann im vergangenen Sommer nach acht Jahren zurück, er hat danach nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihn eine Funktion als Entscheidungsträger im FC St.Gallen noch reizen könnte. (Bild: Ralph Ribi)Der Bewährte: Wo Fussball draufsteht, ist Peter Stadelmann drin. Der clevere St.Galler, als Wirtschaftsanwalt eine Grösse, hat bereits als Sportchef im FC St.Gallen gewirkt. Als Delegierter der Nationalmannschaft trat Stadelmann im vergangenen Sommer nach acht Jahren zurück, er hat danach nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihn eine Funktion als Entscheidungsträger im FC St.Gallen noch reizen könnte. (Bild: Ralph Ribi)
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FCSG-Präsidentenamt: Die Kandidatenliste

Geht es Früh gesundheitlich schlechter als vermutet?

Und natürlich, wenn ein Rücktritt nicht freiwillig und abrupt erfolgt, gibt das Raum für Spekulationen. So soll es im Verwaltungsrat vermehrt Unstimmigkeiten gegeben haben wegen unterschiedlicher Ansichten, die Früh zusehends isolierten. Dem ist entgegenzuhalten, dass ein Verwaltungsrat ja gerade auch nur dann funktioniert, wenn es im positiven Sinn zu Reibungen kommt. Die Spekulationen gehen ebenfalls in diese Richtung: Geht es Früh viel schlechter als vermutet? Ist gar eine schwere Krankheit ausgebrochen? Dem «Blick», zu dem Früh seit 2007 und dem Verkauf seines Internet-Marktportals «Gate24» an Ringier einen guten Draht hatte, sagte der Präsident jedenfalls, auf den Rücktritt eine zwölfwochige Therapie folgen zu lassen. Für weitere Informationen war der dreifache Familienvater gestern nicht erreichbar, und es ist verständlich, dass sich der 65-Jährige diesem Thema entzieht, weil es seine Privatsache ist. Doch als Präsident des FC St.Gallen steht Früh in der Öffentlichkeit, dank ihm ist der Club heute finanziell mit fast sechs Millionen Franken Reserven so gut aufgestellt. Überdies hat er das Future Champs Ostschweiz ins Leben gerufen, die professionelle Jugendförderung mit eigener Akademie ist sein Baby, das er beschützt wie der Vater sein Kind. Falls nötig auch mit verbalen, bisweilen fast cholerischen Attacken – nicht nur hier.

Dölf Früh mit Tranquillo Barnetta. (Bild: Michel Canonica)Dölf Früh mit Tranquillo Barnetta. (Bild: Michel Canonica)
Fussball Super League - Training FC St. Gallen (Bild: Urs Bucher)Fussball Super League - Training FC St. Gallen (Bild: Urs Bucher)
Gassenküche (Bild: Coralie Wenger)Gassenküche (Bild: Coralie Wenger)
ABITAR Ueberbauung (Bild: Donato Caspari)ABITAR Ueberbauung (Bild: Donato Caspari)
Dölf Früh mit Sportchef Christian Stübi. (Bild: Michel Canonica)Dölf Früh mit Sportchef Christian Stübi. (Bild: Michel Canonica)
Dölf Früh mit Roman Buess und Sportchef Christian Stübi (links) (Bild: asdf)Dölf Früh mit Roman Buess und Sportchef Christian Stübi (links) (Bild: asdf)
Dölf Früh, Silvan Hefti (Mitte) und Sportchef Christian Stübi. (Bild: pd)Dölf Früh, Silvan Hefti (Mitte) und Sportchef Christian Stübi. (Bild: pd)
Fussball Super League - Training FC St. Gallen (Bild: Urs Bucher)Fussball Super League - Training FC St. Gallen (Bild: Urs Bucher)
Dölf Früh mit Tranquillo Barnetta. (Bild: Michel Canonica)Dölf Früh mit Tranquillo Barnetta. (Bild: Michel Canonica)
Fussball Super LeagueFC St. Gallen - FC Lausanne-Sport (Bild: Michel Canonica)Fussball Super LeagueFC St. Gallen - FC Lausanne-Sport (Bild: Michel Canonica)
FUSSBALL, SUPER LEAGUE, NATIONALLIGA A, NLA, LNA, MEISTERSCHAFT, SAISON 2016/17, FC ST. GALLEN, FCSG, FC VADUZ, (Bild: Keystone)FUSSBALL, SUPER LEAGUE, NATIONALLIGA A, NLA, LNA, MEISTERSCHAFT, SAISON 2016/17, FC ST. GALLEN, FCSG, FC VADUZ, (Bild: Keystone)
Dölf Früh mit Sportchef Christian Stübi. (Bild: Michel Canonica)Dölf Früh mit Sportchef Christian Stübi. (Bild: Michel Canonica)
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Dölf Früh tritt zurück

Den Verein seines Herzens kann Früh aber nicht loslassen. Es gilt als gesichert, dass er sein Aktienpaket von knapp 40 Prozent an der Event AG, die über der FC St.Gallen AG steht, nicht an den Nachfolger verkaufen wird. Damit, und das irritiert, bliebe er Grossaktionär und Entscheidungsträger. So oder so dürfte es im FC St.Gallen künftig ein anderes Konstrukt geben als bisher. Auch ein angestellter, geschäftsführender Präsident mit Pascal Kesseli, dem CEO der FC St.Gallen Event AG, wäre denkbar – er hätte keine finanziellen Risiken zu tragen wie dazumal Früh. Das Kandidatenkarussell dreht sich jedenfalls, Peter Stadelmann, der frühere Sportchef des FC St.Gallen, sitzt ebenso drauf wie Bernhard Heusler, der scheidende Präsident des FC Basel. Oder Rolf Schubiger, der Besitzer des gleichnamigen Küchengeschäfts. Vielleicht aber wird Frühs Nachfolger gar Pierin Vincenz, der ehemalige Chef der Raiffeisenbanken. Die Anforderungen sind dank Frühs Wirken hoch angesetzt: Der neue Mann muss gut vernetzt und in der Region verankert sein; er sollte sich im Fussball bestens auskennen und eine Persönlichkeit sein; es ist nicht nötig, selbst Geld mitzubringen, weil der Verein jetzt anders aufgestellt ist, doch sollte er beruflich unabhängig sein; beinahe unabdingbar wäre es, in leitenden Positionen gewirkt zu haben. Und der Ruf muss tadellos sein.

Die Statuten sehen folgendes Szenario vor: Präsentiert Früh an der GV im Mai keinen Nachfolger, wird zumindest interimistisch Vizepräsident Michael Hüppi übernehmen. Er war einst bereits Präsident des FC St.Gallen.

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