Unnötige Niederlage: Der FC St.Gallen verliert nach einer guten Leistung mit 1:2 gegen Meister YB

Schlechter Lohn für ein gutes Spiel. Meister YB reichen vier Minuten, um das Spiel für sich zu entscheiden. Beim Anschlusstreffer von Tim Staubli bleibt es bei Kosmetik.

Tim Naef
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St. Gallens Boubacar Traore im Zweikampf gegen Christopher Martins.

St. Gallens Boubacar Traore im Zweikampf gegen Christopher Martins.

Gian Ehrenzeller / keystone

Die Spielwertung

St.Gallen dominiert den Meister über 68 Minuten. Dann schlägt es zweimal in kürzester Zeit hinter Zigi ein. Der FC St.Gallen hätte mindestens einen Punkt verdient, verliert das Spiel aber durch unkonzentrierte vier Minuten. Spielnote: 4,5

Die Tore

  • 0:1, 68. Minute, Jordan Siebatcheu: Nach einer Flanke von Christian Fassnacht hält der YB-Stürmer den Kopf hin. Der Ball schlägt im langen Eck ein.
  • 0:2, 72. Minute, Jordan Siebatcheu: Eine Kopie des ersten Treffers. Siebatcheu ist mit dem Kopf erfolgreich. Die Flanke kommt dieses Mal von Meschack Elia.
  • 1:2, 83. Minute, Tim Staubli: Betim Fazliji erkämpft sich an der Grundlinie den Ball und legt zurück auf Staubli. Dieser schliesst trocken ab.

Die Spielanalyse

Der FC St.Gallen macht dort weiter, wo er am Samstag gegen Basel aufgehört hat: im gegnerischen Strafraum. Die St.Galler kommen besser ins Spiel und hätten nach 5 Minuten bereits in Führung gehen können. Jordi Quintillà schickt Boris Babic auf die Reise. Dieser legt zurück auf Lukas Görtler, welcher direkt abzieht und nur knapp an YB-Goalie David von Ballmoos scheitert. Und auch in der Folge sind es die St.Galler, welche das Spiel bestimmen.

YB wirkt vor allem ab der 30. Minute überfordert mit dem hartnäckigen Gegner. St.Gallen steht hoch, lässt den Bernern kaum Luft und mehrmals ist es Elie Youan, der zum Abschluss kommt. Er findet aber immer wieder seinen Meister in YB-Goalie von Ballmoos.

Elie Youan ist einer der besten St.Galler in der ersten Hälfte.

Elie Youan ist einer der besten St.Galler in der ersten Hälfte.

Ralph Ribi

Kurz vor der Pause brennt es wieder im Berner Strafraum. Nach einem Quintillà-Freistoss reklamiert Görtler lautstark ein Handspiel von Hefti. Das Spiel läuft aber weiter, der Ball landet sieben Meter vor dem Tor bei Boubacar Traore. Sein Schuss wird geblockt, genauso der Nachschuss von Babic. Im Anschluss schaut sich der VAR das vermeintliche Handspiel noch an. Zwar berührt Hefti den Ball mit der Hand, Absicht war aber keine zu erkennen. Tschudi pfeift zum Pausentee.

Vier unkonzentrierte Minuten

YB hat die Pause gut getan. Die Berner kommen besser aus den Katakomben und können sich erstmals in der St.Galler Hälfte festsetzen. Gefährlich wird es aber nur bedingt vor FCSG-Goalie Zigi. Die Defensive der Ostschweizer steht sicher.

Ab der 55. Minute ist die Berner Druckphase dann auch vorbei und das Spiel gleicht wieder den ersten 45 Minuten. Dennoch scheint Peter Zeidler nicht zufrieden zu sein. Er nimmt Babic und Youan vom Feld und bringt Jérémy Guilllemenot und Kwadwo Duah.

Die Wechsel bewirken aber genau das Gegenteil. Zweimal kommt Letard zu spät, zweimal hält Jordan Siebatcheu den Kopf hin und zweimal landet der Ball im Tor.

Staubli mit Premiere

Nach dem zweiten Gegentor fangen sich die St.Galler wieder und drängen auf den Anschlusstreffer. In der 83. Minute ist es dann soweit: Tim Staubli erzielt sein erstes Tor für den FC St.Gallen. In der Folge rennen die St.Galler an, YB spielt es aber souverän und bringt die Führung über die Zeit.

Der Beste

Betim Fazliji. Macht keine Fehler. Über 90 Minuten souverän. Ist bei beiden Gegentoren ohne Schuld.

Der Schlechteste

Yannis Letard. Der Verteidiger entscheidet sich mehrfach für die gefährliche Variante, sowohl im Spielaufbau als auch bei der Verteidigungsarbeit. Sieht bei beiden Gegentoren schlecht aus. Zeidler reagiert noch während des Spiels und nimmt den Franzosen vom Feld.

Lawrence Ati Zigi: Muss kurz vor der Pause einen ersten Schuss parieren. Machtlos bei den Gegentoren. Note 4
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Basil Stillhart: Wie in Basel stark in den Zweikämpfen, nur die Zuspiele in die Spitzen sind zu wenig genau. Note 4
Jordi Quintillà: Auch dank ihm ist St. Gallen dem Gegner vor der Pause im Mittelfeld überlegen. Note 4,5
Jérémy Guillemenot: Der Romand bewirkt nach seiner Einwechslung zu wenig. Note 3,5
André Ribeiro: Auch er spielt zu wenig lang, um benotet zu werden.
Lukas Görtler: Steigt wieder leidenschaftlich in die Zweikämpfe – einmal fast zu leidenschaftlich, musste zuvor aber auch einen harten Tritt auf den Oberschenkel einstecken. Note 4,5
Thody Élie Youan: Kommt kurz vor der Pause zu zwei guten Chancen. Fällt nicht immer die richten Entscheide. Note 3,5
Miro Muheim: Der Zürcher hat viel Power nach vorne. Ist in der Berner Druckphase auf sich allein gestellt. Note 4
Betim Fazliji: Macht trotz der Niederlage ein sehr gutes Spiel ohne grosse Fehler. Assist beim Anschlusstor. Note 5
Kwadwo Duah: Seine Einwechslung bringt nicht den erhofften Schwung. Note 3,5
Boubacar Traore: Vergibt kurz vor der Pause eine Chance. Vor dem ersten Gegentor zu wenig aggressiv. Note 3,5
Tim Staubli: Schönes Premierentor. Sein Einsatz ist aber zu kurz für eine Note.
Alessandro Kräuchi: Er wehrt sich gegen die athletischen Berner gut. Offensiv muss er aber selbstsicherer werden. Note 4
Boris Babic: Der 23-Jährige kämpft unglücklich, erhält aber auch selten gute Zuspiele. Note 3,5
Yannis Letard: Lange recht solid. Kommt dann aber zweimal zu spät gegen Jordan Siebatcheu – 0:2. Note 3
Vincent Rüfli: Der Genfer kommt zu kurz zum Einsatz für eine Note.

Lawrence Ati Zigi: Muss kurz vor der Pause einen ersten Schuss parieren. Machtlos bei den Gegentoren. Note 4

Der (kleine) Aufreger

Nach rund 15 Minuten hätte Ex-St.Galler Silvan Hefti die gelbe Karte sehen müssen. Der 23-Jährige nimmt nach einem Zweikampf an der Aussenlinie den Ball zum Einwurf in die Hand. Das Problem: Der Ball war nicht im Ansatz über der Linie. Nur haben dies Schiedsrichter Lionel Tschudi und seine Assistenten nicht gesehen. Es geht mit Einwurf YB weiter.

Der Schiedsrichter

Über Schiedsrichter Lionel Tschudi wird nach dem Spiel nicht gesprochen. Unaufgeregte Leistung des Unparteiischen.

Die Fans

Die Young Boys zu Gast in St.Gallen. Der Kybunpark ausverkauft. Das Spiel, mitreissend. Das war im Februar. Rund 10 Monate später, gleicher Gegner, gleicher Ort, Spitzenspiel. In der neuen Realität, wie es Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga nannte, herrscht gähnende Leere im Stadion.

FCSG-Goalie Lawrence Ati Zigi allein auf weiter Flur.

FCSG-Goalie Lawrence Ati Zigi allein auf weiter Flur.

Die Reaktionen

FCSG-Coach Peter Zeidler nach dem Spiel:

«Nach den zwei Gegentoren waren wir eigentlich am Boden. Kommen aber nach dem Tor von Tim Staubli noch beinahe zurück.»
«Wir wollten heute etwas machen. Das ist uns leider nicht gelungen. Die Enttäuschung ist schon gross.»
«Die vergangen Wochen waren schwierig. Wir werden im neuen Jahr aber wieder voll angreifen.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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