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Und jetzt heisst es für den FC St.Gallen: Fliegend nach Bern

Das 3:0 des FC St.Gallen gegen Sion war eine Demonstration. In einer Woche kann er gar den Leaderthron besteigen.
Christian Brägger
Jubel, Freudenschreie, Ausgelassenheit – Captain Silvan Hefti lässt sich nach seinem Tor zum 3:0 von den St.Gallern feiern. (Bild: Ralph Ribi, St.Gallen, 2.November 2019)

Jubel, Freudenschreie, Ausgelassenheit – Captain Silvan Hefti lässt sich nach seinem Tor zum 3:0 von den St.Gallern feiern. (Bild: Ralph Ribi, St.Gallen, 2.November 2019)

Vielleicht erzählen sich die Leute in der Ostschweiz irgendwann, dass es ein wunderbarer Herbst war im Jahr 2019. Das Wetter meinte es gut, die Politik schwenkte um auf Grün, an der Olma rannten Ferkel um die Wette, und dann gab es noch dies: Einen FC St.Gallen, der Furore machte, eine ganze Liga aufmischte und als Einziger die Grossen aus Bern und Basel kitzelte – starke Zürcher Teams gab es damals nicht. Ja, vielleicht erzählen sich die Menschen dereinst solche Dinge, und dass der Fussball der St.Galler eine Welle begründete, die grünweiss war und auf die ganze Region schwappte.

«Wir müssen Vertrauen gewinnen in unsere Ideen. Wir müssen sehen, dass sie funktionieren und sie dann noch extremer umsetzen. Dann können wir irgendwann auch fliegen», hat St.Gallens Trainer Peter Zeidler einmal gesagt. «Ich setze bei jedem voraus, dass er für Grünweiss alles gibt. Mein Wunsch ist es, dass wir die Zuschauer begeistern. Wir wollen den FC St.Gallen in die Herzen der Ostschweizer bringen», lauteten oft gehörte Worte von Präsident Matthias Hüppi. Und jene von Sportchef Alain Sutter?

«Wir wollen aktiven, mutigen Fussball. Immer in Bewegung, Leidenschaft, Feuer. Wir wollen starke Persönlichkeiten, die auch den Mut haben, einmal zu scheitern. Es muss unser Ziel sein, nach oben durchzubrechen, wenn es die Chance gibt.»

Heute wirken die Sätze wie eine selbsterfüllende Prophezeiung; ein Mechanismus dafür ist, dass die Menschen an die Vorhersagen glauben und deshalb in der Form agieren, dass sie sich erfüllen. Und siehe da: Manches ist im und um den FC St.Gallen nach 13 Runden in der Super League eingetreten, Beweis genug ist das 3:0 gegen Sion vom Samstag nach der starken ersten und noch besseren zweiten Halbzeit mit drei Toren.

Die galaktischen St.Galler

Viele Zuschauer hörte man nach dem siebten Sieg im achten Spiel sagen, einen so guten FC St.Gallen hätten sie noch nie spielen sehen, krass sei dies gewesen. «Saint-Gall était supérieur», tat auch Stéphane Henchoz nach dem Schlusspfiff kund, und zwölf Stunden später trat der Sion-Trainer von seinem Amt zurück. Wie man dieses «supérieur» von Henchoz übersetzen soll, wurde Zeidler gefragt, der auch ein Lehrer für Französisch ist. Der Coach des FC St.Gallen antwortete mit einem lauten Lachen: «Wir waren galaktisch!»

Dejan Stojanovic: Note 5.5. Eine Wahnsinns-Glanztat beim Grgic-Freistoss (32.). Stojanovic ist jeweils zur Stelle, wenn es ein paar wenige Male brenzlig wird.Dejan Stojanovic: Note 5.5. Eine Wahnsinns-Glanztat beim Grgic-Freistoss (32.). Stojanovic ist jeweils zur Stelle, wenn es ein paar wenige Male brenzlig wird.
Alain Wiss: Kommt spät für Quintilla. Keine Benotung. Alain Wiss: Kommt spät für Quintilla. Keine Benotung.
Silvan Hefti: Note 5.5. Grosschance nach 28 Minuten. Seinen Offensivdrang belohnt Hefti gleich selbst mit dem herrlichen 3:0 in den Winkel.Silvan Hefti: Note 5.5. Grosschance nach 28 Minuten. Seinen Offensivdrang belohnt Hefti gleich selbst mit dem herrlichen 3:0 in den Winkel.
Yannis Letard: Note 5. Hervorragendes Stellungsspiel, hat fast jeden Kopfball. Und zeigt auch gute Angriffseröffnungen.Yannis Letard: Note 5. Hervorragendes Stellungsspiel, hat fast jeden Kopfball. Und zeigt auch gute Angriffseröffnungen.
Leonidas Stergiou: Note 5. Stergiou ist schnell und spielt mit der Abgeklärtheit eine Routiniers. Sogar mit Vorstössen.Leonidas Stergiou: Note 5. Stergiou ist schnell und spielt mit der Abgeklärtheit eine Routiniers. Sogar mit Vorstössen.
Miro Muheim: Note 4.5. Solide Leistung. Aber ein paar Wackler zeigt Muheim auf der linken Abwehrseite.Miro Muheim: Note 4.5. Solide Leistung. Aber ein paar Wackler zeigt Muheim auf der linken Abwehrseite.
Victor Ruiz: Note 5. Wirblig wie immer. Und ballsicher wie stets. Sorgt für die spielerischen Finessen. Wird für Fazliji in der 75. Minute ausgewechselt.Victor Ruiz: Note 5. Wirblig wie immer. Und ballsicher wie stets. Sorgt für die spielerischen Finessen. Wird für Fazliji in der 75. Minute ausgewechselt.
Lukas Görtler: Note 5. Sollte in der 1. Minute die Führung erzielen, findet danach nicht sofort ins Spiel. Bereitet das 2:0 mit einem Pfostenschuss vor. Läuferisch und kämpferisch top.Lukas Görtler: Note 5. Sollte in der 1. Minute die Führung erzielen, findet danach nicht sofort ins Spiel. Bereitet das 2:0 mit einem Pfostenschuss vor. Läuferisch und kämpferisch top.
Jordi Quintillà: Note 5.5. Der Dreh- und Angelpunkt des St. Galler Spiels bringt seine Farben auf die Siegerstrasse (56.). Sportchef Sutter muss mit dem Spanier verlängern. Er muss!Jordi Quintillà: Note 5.5. Der Dreh- und Angelpunkt des St. Galler Spiels bringt seine Farben auf die Siegerstrasse (56.). Sportchef Sutter muss mit dem Spanier verlängern. Er muss!
Boris Babic: Note 5. Starker Auftritt. Spielt auch deswegen erstmals über die volle Distanz. Läuft viel, manchmal fehlt ihm vor dem Tor die Kaltschnäuzigkeit. Aber sie findet Babic hoffentlich noch.Boris Babic: Note 5. Starker Auftritt. Spielt auch deswegen erstmals über die volle Distanz. Läuft viel, manchmal fehlt ihm vor dem Tor die Kaltschnäuzigkeit. Aber sie findet Babic hoffentlich noch.
Cedric Itten: Note 4.5. Hat viel offensive Aktionen, manchmal ungenau. Und es fehlt gegen Sion das Abschlussglück.Cedric Itten: Note 4.5. Hat viel offensive Aktionen, manchmal ungenau. Und es fehlt gegen Sion das Abschlussglück.
Betim Fazliji: Kommt in der 75. Minute für Ruiz und fügt sich wie alle Eingewechselten nahtlos ein. Zu kurzer Einsatz für eine Benotung. Betim Fazliji: Kommt in der 75. Minute für Ruiz und fügt sich wie alle Eingewechselten nahtlos ein. Zu kurzer Einsatz für eine Benotung.
Jérémy Guillemenot: Wird in der Schlussviertelstunde für Demirovic eingewechselt.Jérémy Guillemenot: Wird in der Schlussviertelstunde für Demirovic eingewechselt.
Ermedin Demirovic: Note 5. Besser als gegen Lugano. Erzielt das 2:0. Schöne Vorlage in der 1. Minute auf Görtler. Hilft einmal als letzter Mann aus und holt den Ball – das wollen die Fans sehen. (Bild: Keystone)Ermedin Demirovic: Note 5. Besser als gegen Lugano. Erzielt das 2:0. Schöne Vorlage in der 1. Minute auf Görtler. Hilft einmal als letzter Mann aus und holt den Ball – das wollen die Fans sehen. (Bild: Keystone)
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Zwei der drei Torschützen mit Note 5.5 und viele weitere gute Leistungen: Die Noten der FCSG-Spieler gegen Sion

Das Galaktisch-Adjektiv ist eigentlich für Real Madrid bestimmt, «grossartig» wäre wohl die treffendere Übersetzung. Nur: Für St.Galler Verhältnisse gab es eben schon Galaktisches, es schien, als würde die eingespielte Mannschaft und der Kern von 15, vielleicht 16 Spielern tatsächlich fliegen. Sie demonstrierte exakt jene Eigenschaften, auf die Hüppi, Zeidler und Sutter mantramässig gepocht hatten und aus ihr ein Spitzenteam machen: Heimdominanz, Power-, Pressing- und Vollgasfussball; Wille, Laufbereitschaft, Lust; Vorwärtsdrang, Tempo, Mentalität; Teamgeist, Selbstvertrauen, Solidarität, Stehvermögen; Glaube, Taktik, Gameplan, Geduld; Begeisterung auf dem Rasen und den gut gefüllten Rängen, die zur Verschmelzung zwischen Publikum und Spielern führt.

(Bilder: Ralph Ribi)(Bilder: Ralph Ribi)
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Die besten Bilder vom Sieg der Espen gegen Sion

All diese Dinge und das ständige Bearbeiten des Gegners führten zu seiner Zermalmung, wie man dies bei grossen Mannschaften gegen kleinere oft sieht, da sie auf jeder Position besser besetzt sind. Jordi Quintillà, der Torschütze zum 1:0, sagte: «Wir sind ein super Team. Wenn wir immer hundert Prozent geben und weiter Spass haben, können wir alle Spiele gewinnen. Wirklich!» Und zu seiner Situation – der Kontrakt läuft im Sommer aus – sagte der Spanier:

«Ich hoffe, dass mein Vertrag verlängert wird. Ich bin sehr glücklich hier.»

Es wäre ein Leichtes für den Modefan, beim FC St.Gallen jetzt einzusteigen. Auch das Schweizer Fernsehen ist auf den Ostschweizer Erfolgsexpress aufgesprungen und lud gestern Abend Zeidler als Hauptgast ins «Sportpanorama» ein. Am Samstag hatte die Fankurve ebenfalls den Trainer gefordert, dieser blieb jedoch demütig und kam dem Wunsch nicht nach: «Wenn wir gegen Ende der Saison nochmals so ein tolles Spiel zeigen, werde ich gewiss näher zu den Fans hingehen.»

Erklimmt der FCSG den Leaderthron?

Weil in dieser 13.Runde an der Tabellenspitze alles für den FC St.Gallen lief, winkt ihm am nächsten Sonntag bei den Young Boys die Chance, erstmals seit dem 1.September 2012 wieder den Leaderthron zu besteigen. Auf die Frage, ob gar der Meistertitel möglich sei, antwortete Captain Silvan Hefti, der das 3:0 erzielte: «Eine solche Serie gibt Energie, wir wollen weiter auf dieser Welle reiten und auch in Bern ein gutes Spiel liefern. Aber wir müssen realistisch bleiben. Auch wenn wir schön vorne dabei sind, würde ich jetzt nicht vom Meistertitel sprechen.»

Vielleicht werden sich die Leute dereinst ja auch den Fortgang der Geschichte aus dem Herbst 2019 erzählen. Wie sagte Zeidler? «Lasst uns nach Bern fahren. Und dann schauen wir.»

Emotionen, Geschichten und Stimmen zum 3:0 des FCSG gegen Sion zum Nachlesen gibt es hier:

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