Trennung mit Nebengeräuschen

FUSSBALL. Die Zeichen mehren sich, dass der abtretende St. Galler Sportchef Heinz Peischl einen Machtkampf verloren hat. Personen aus Verwaltungsrat und FCO–Leitung sollen immer mehr Einfluss erhalten haben. Ihnen war Peischl in der Nachwuchsarbeit offensichtlich ein Dorn im Auge.

Christian Brägger/Ralf Streule
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Die Gründe für Heinz Peischls Abgang als Sportchef des FC St. Gallen bleiben unscharf. (Bild: Michel Canonica)

Die Gründe für Heinz Peischls Abgang als Sportchef des FC St. Gallen bleiben unscharf. (Bild: Michel Canonica)

Heinz Peischl hat beim FC St.Gallen polarisiert. Der Österreicher war als Sportchef mit klarer Haltung und sturer Linie bekannt. Seine Meinung gegenüber den Medien war gemacht, die Öffentlichkeitsarbeit vernachlässigte er. Bei Spielern war er zuweilen für seine Verhandlungshärte gefürchtet. Vielleicht gerade deshalb hat er in den viereinhalb Jahren beim FC St.Gallen viel Positives bewirkt. Da war der Aufstieg 2012, die Europa-League-Qualifikation 2013, der Toptransfer Oscar Scarione, der dem Club rund drei Millionen Franken einbrachte. Und Peischl brachte Stabilität und Ruhe in die sportliche Leitung – etwas, das auch Präsident Dölf Früh immer wieder betonte. Nun sind diese Fähigkeiten nicht mehr gefragt. Und es ist gut möglich, dass ausgerechnet Peischls Rückgrat ihn am Ende den Job gekostet hat.

Einfluss auf FCO entzogen

Peischl lag eine Offerte für die Weiterarbeit vor – bei einer Unterzeichnung hätte er sich aber offenbar damit abfinden müssen, überhaupt keinen Einfluss mehr auf das Nachwuchsprojekt Future Champs Ostschweiz (FCO) nehmen zu dürfen. Dies wollte Peischl dem Vernehmen nach nicht und nahm damit die Trennung in Kauf. Faktisch hatte er die Verbindung zu FCO schon im Dezember 2014 verloren – Früh begründete dies kürzlich mit einer Neustrukturierung des Organigramms.

Zürcher musste wohl gehen

Mittlerweile verdichten sich auch die Anzeichen, dass Roger Zürcher, der ehemalige technische Leiter des FCO, im März zum Abgang gezwungen worden ist. Und nicht, wie es zuerst nach aussen hin den Anschein machte, aus freien Stücken ging. Dieses Vorgehen war nicht im Sinne von Peischl. Personen im Umfeld des Vereins berichten, der Österreicher habe sich sehr dafür eingesetzt, Zürcher im FCO zu halten. Er soll sich auch dagegen gewehrt haben, die vakante Stelle Zürchers mit Marco Otero zu besetzen, dem ehemaligen Ausbildungschef der Grasshoppers.

Es gibt Hinweise, dass Peischl beim Club keinen Platz mehr hatte, weil man mit seiner Nachwuchsarbeit nicht ganz zufrieden war. Und es erhielten Personen Einfluss, denen der Sportchef deshalb ein Dorn im Auge war. Gemäss mehreren Quellen sollen hier Jakob Gülünay und Pascal Kesseli aus dem Verwaltungsrat des FC St.Gallen treibende Kräfte gewesen sein. Ihre Ideen, wie FCO auf Vordermann gebracht werden könnte, scheinen Früh zu überzeugen. Auskunft zu diesen Vermutungen gab es gestern seitens der beteiligten Personen jedoch nicht.

Zur Gruppe mit Otero und Gülünay, der zudem in der strategischen Kommission des FCO sitzt, gesellt sich wohl auch FCO-Geschäftsführer Ferruccio Vanin. Hier gibt es einen weiteren Anknüpfungspunkt: Gülünays und Vanins Söhne sind aktive FCO-Nachwuchsspieler, wie offenbar auch der Sohn eines einflussreichen Vertrauten Oteros. Auch der Berater von Goran Karanovic soll Verbindungen zur Gruppe haben – die Öffentlichmachung der offen formulierten Verträge, die kürzlich die Runde machten, könnten als Versuch gedeutet werden, Peischl zu destabilisieren.

Ruhe steht auf dem Spiel

Sicher ist: St.Gallens Trainer Jeff Saibene hat mit Sportchef Peischl seinen Schutzpanzer, Ratgeber und Mentor verloren. Peischl wurde von vielen als so etwas wie das Gewissen des Vereins bezeichnet. Als einer, der sich nie selbst in den Vordergrund stellte. Die Frage ist, ob die verlorengegangene Ruhe und Stabilität, die den FC St.Gallen in den Jahren mit Peischl auszeichnete, nach seinem Abgang wieder gefunden wird.