Transfers
Mit diesen drei Transfers bleibt der FCSG jung – und sich treu. Geht das gut?

Winterpause bedeutet auch: ein offenes Transferfenster. Die St.Galler nutzen diese Möglichkeit und rüsten auf. Doch Gefahren lauern.

Renato Schatz und Christian Brägger
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Alexandra Jankewitz dürfte den verletzten Ousmane Diakité im zentralen Mittelfeld ersetzen.

Alexandra Jankewitz dürfte den verletzten Ousmane Diakité im zentralen Mittelfeld ersetzen.

Bild: PD

«Ihr könnt davon ausgehen, dass wir das nicht einfach so hinnehmen.» Diese Worte sprach Alain Sutter, im FC St.Gallen der Sportchef, nachdem der Klub die Hinrunde mit lediglich 16 Punkten aus 18 Spielen abgeschlossen hatte. Und, tatsächlich, sie nehmen es nicht einfach so hin. Am Montagnachmittag gaben die St.Galler die Verpflichtung von Julian von Moos, Alexandre Jankewitz sowie Matej Maglica bekannt. Die Ostschweizer schreiben in ihrem Communiqué:

«Damit haben wir zusätzliche Optionen in der Offensive, im Mittelfeld und in der Verteidigung.»

Peter Zeidler, der Trainer des Tabellenachten, dürfte sich freuen. Der Deutsche war nicht hundertprozentig zufrieden mit den Spielern, die er zur Verfügung hatte, so war es zu hören. Argumente dürfte der 59-Jährige zur Genüge gehabt haben. Die Tabelle etwa, nur vier Punkte beträgt der Vorsprung auf den Barragerang. Die Anzahl Gegentore auch, es sind die meisten in der Liga. Sowie die Verletzung Ousmane Diakités. Der defensive Mittelfeldspieler erlitt im letzten Vorrundenauftritt eine schwere Knieverletzung und fällt für den Rest der Saison aus.

Spitzenklub, Schritt zurück, und nun noch einen

Jankewitz dürfte Diakité ersetzen. Der 20-Jährige konnte sich bei den Young Boys noch nicht durchsetzen. Gerade einmal drei Kurzeinsätze stehen in der Super League zu Buche. Das sind nur unwesentlich mehr als vergangene Saison, die er noch beim FC Southampton verbrachte. Damals: zwei Kürzesteinsätze. Er wird Ende Januar gegen Aston Villa eine Minute vor Schluss eingewechselt. Und Anfang Februar steht er in der Startelf gegen Manchester United. Premier League, Old Trafford. Und die rote Karte nach nicht einmal zwei Spielminuten. Southampton verliert mit 0:9 und Jankewitz die Perspektive im Klub. Also wechselte er, der wie Kevin Mbabu und Denis Zakaria bei Servette ausgebildet wurde, nach Bern, wo er noch bis 2025 unter Vertrag steht.

Stiess im vergangenen Sommer zu den Bernern, konnte sich vorerst aber nicht durchsetzen: Alexandre Jankewitz.

Stiess im vergangenen Sommer zu den Bernern, konnte sich vorerst aber nicht durchsetzen: Alexandre Jankewitz.

Bild: Urs Lindt/Freshfocus

Nun also der FC St.Gallen, der ihn bis Ende Saison leihweise übernimmt. Der Nachwuchsinternationale, der an der U21-EM im vergangenen Jahr auf sich aufmerksam gemacht hatte, passt perfekt ins Beuteschema von Sutter. Früh zu einem Klub mit klangvollem Namen gewechselt, dort nicht wie erhofft reüssiert, wenig später zwischen Stuhl und Bank gefallen. Nun der berühmte Schritt zurück, um wieder in die Spur zu finden.

Für von Moos ist der Transfer es eine Rückkehr

Auch von Moos entspricht dem präferierten St.Galler Jagdgebiet. Auch er will zurück in die Spur. Nur bekommt der 20-Jährige mehr Zeit. Das Arbeitspapier des Offensivspielers läuft bis 2024. Der Wechsel in die Ostschweiz ist eine Rückkehr, gehörte er doch einst dem Future Champs Ostschweiz an. Damals war die Durchlässigkeit des Nachwuchsprojektes aber noch nicht so gegeben, es gab viel Gesprächsstoff, als das Talent im Alter von 15 Jahren den St.Gallern den Rücken kehrte und früh in den Nachwuchs der Grasshoppers wechselte. Und von dort bald einmal zum FC Basel, wo von Moos nach Auftritten mit der U21 in der ersten Mannschaft zu 20 Teileinsätzen kam, aber nie durchspielte. Vor jenen Teileinsätzen war von Moos vom FC Basel auch schon an den FC Wil verliehen worden.

November 2020: Julian von Moos (rechts) im Zweikampf mit Alessandro Kräuchi. Nun spielen sie nicht mehr gegen-, sondern miteinander.

November 2020: Julian von Moos (rechts) im Zweikampf mit Alessandro Kräuchi. Nun spielen sie nicht mehr gegen-, sondern miteinander.

Bild: Benjamin Manser

Der Salmsacher, der das Fussballspielen im FC Romanshorn lernte, war zuletzt ausgeliehen an Vitesse Arnheim, den niederländischen Erstligisten. Die wenig erfolgreiche Übung wurde kürzlich abgebrochen, er kehrte zum FC Basel zurück, der indes keine Verwendung mehr hatte.

Das Kader wird noch jünger und noch breiter

Neben Jankewitz ist auch Matej Maglica nur ausgeliehen. Doch den 23-Jährigen können die St.Galler für eine festgeschriebene Ablösesumme im Sommer definitiv übernehmen. Das hängt davon ab, ob Maglica die Abwehr stabilisieren kann. Und ob sich seine 196 Zentimeter Körpergrösse in der Liga zurechtfinden. Der Kroate wechselt zwar vom VfB Stuttgart in die Ostschweiz, wurde hauptsächlich aber in der Regionalliga eingesetzt. Einsatzminuten in der Bundesliga: fünf. Nach Deutschland ging Maglica 2015, als er sich dem Nachwuchs der TSG Backnang anschloss.

Der FC St.Gallen hat eine Kaufoption für den Innenverteidiger Matej Maglica.

Der FC St.Gallen hat eine Kaufoption für den Innenverteidiger Matej Maglica.

Bild: PD

Mit diesen drei Transfers wird das ohnehin breite Kader noch breiter. Wird es noch verkleinert? Und ob es auch besser wird? Die verpflichteten Kräfte hatten in den vergangenen Monaten wenig Spielpraxis auf Spitzenniveau. Sie dürften Zeit brauchen. Zeit, die die St.Galler im Abstiegskampf nicht haben. Am 30. Januar beginnt die Rückrunde mit der Partie gegen Lausanne, das mit vier Punkten Rückstand Rang neun belegt. Man kann ausserdem über Sinn und Unsinn von Leihtransfers sprechen. Jankewitz, der wohl vielversprechendste Neuzugang, wird den Klub im Sommer wieder verlassen. Und da wäre noch das Alter, 63 Jahre jung sind die drei Neuen zusammen. St.Gallen hat das jüngste Kader der Liga. Eines, dem etwas Erfahrung gut zu Gesicht stünde. Victor Ruiz, 28-jährig, ist der älteste Spieler einer Mannschaft, die fünf Platzverweise in der Hinserie sammelte, die häufig emotional war. Eine Mannschaft, die häufig über ihre Emotionalität stolperte.

Die Transfers zeigen: Der FC St.Gallen hält an seiner Strategie fest. Er lässt verlauten, das Trio passe zur «Philosophie, junge und hungrige Spieler ins Team einzubauen und zu entwickeln». Das wollen die Ostschweizer auch in Abstiegsgefahr. Und kein finanzielles Risiko eingehen – nur von Moos kostete eine Ablöse.

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