Training, Löhne, Spielbetrieb: Wie weiter, FC St.Gallen? Neun Fragen und Antworten zu den Espen inmitten der Corona-Krise

Super-League-Leader St.Gallen weiss weiterhin nicht, ob und wenn ja wann es mit der Meisterschaft weitergeht. Wir haben die wichtigsten Fragen – und die Antworten dazu.

Christian Brägger und Patricia Loher
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Der Betrieb beim FC St.Gallen ist zu einem grossen Teil eingestellt.

Der Betrieb beim FC St.Gallen ist zu einem grossen Teil eingestellt.

Benjamin Manser

Was macht der FC St.Gallen nun?

Das Training ist bis an 6. April ausgesetzt, der FC St.Gallen befolgt die Anweisungen des Bundesrats und des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Die Spieler dürfen auch nicht mehr die Trainingszentren im Gründenmoos oder Kybunpark betreten, «wir halten den Sicherheitsabstand ein», sagt Peter Zeidler. Gäbe es in der Zwischenzeit von den Behörden strengere Auflagen, würde man nachjustieren. «Es gibt wichtigere Sachen, Solidarität ist das Zauberwort, und vor allem ist Geduld gefragt», so der Trainer des Super-League-Leaders. «Ich kann nur sagen, dass wir in alter Frische und mit der gleichen Power bereit sein werden, falls es dann irgendwann weitergehen sollte. Aber jetzt muss sich jeder selbst und seine Mitmenschen schützen, alles andere ist unwichtig.»

Was passiert mit den Juniorinnen und Junioren von Future Champs Ostschweiz?

Der Betrieb ist bis zum 19. April eingestellt. Das heisst: keine Schule, keine Trainings, keine Spiele. Die Nachwuchsakteure müssen sich individuell fit halten. Die Akademie wird geschlossen, die Spieler kehren zu ihren Eltern zurück. Kurzarbeit aber kann für die Nachwuchstrainer noch keine beantragt werden, da sie – wie die Profispieler – über befristete Verträge verfügen. «Doch der Bund prüft nun eine Ausnahmeregelung für Sportclubs», sagt Präsident Matthias Hüppi. In der Event AG wird der Betrieb auf Kurzarbeit ausgerichtet.

Erhalten die Spieler nun Ferien mit Auflagen?

Ein Mannschaftstraining gibt es keines mehr, doch wären Ferien das falsche Wort. Die Spieler müssen sich individuell fit halten, beispielsweise mit Waldläufen oder Krafttrainings zu Hause. Trainer Zeidler sagt, man bleibe mit den Spielern in Kontakt, es gelte, die Regeln und die auferlegten Programme zu befolgen. Der FC St.Gallen macht den Spielern aber keine Auflagen, ob sie in der Schweiz bleiben oder nicht, appelliert indes an den gesunden Menschenverstand. Zeidler sagt: «Ich habe meinen Jungs gesagt, sie sollen sich um sich selbst und ihre Liebsten kümmern, und sie sollen vor allem die Regeln der Behörden befolgen. Das ist das Wichtigste, für uns alle.»

Glaubt man noch an die Weiterführung der Meisterschaft?

Der FC St.Gallen verbietet sich Gedanken an das vorzeitige Ligaende. Zumal es laut Trainer Zeidler viel Wichtigeres gebe als Fussball. Zu den Gerüchten, der europäische Fussballverband Uefa strebe eine einheitliche Lösung an und kürte die aktuell Führenden zum Meister, falls alle Meisterschaften abgebrochen werden müssten, sagt Philippe Guggisberg, der Medienchef der Swiss Football League: «Eine übergeordnete Regelung wäre sinnvoll, wenn alle Meisterschaften im gleichen Boot sitzen würden und überhaupt niemand mehr spielen könnte. Dafür ist die Zeit aber noch nicht reif.»

Wird der FC St.Gallen nun Meister 2020?

Luganos Präsident Angelo Renzetti plädiert im «Blick» für einen Saisonabbruch. Zudem sagt er: «Man sollte die aktuelle Tabelle in Betracht ziehen. St.Gallen sollte Meister werden.» Doch so einfach dürfte es nicht werden. Zumal offen wäre, ob es Auf- und Absteiger gäbe. Allenfalls könnte aber auch die Ligaaufstockung vorgezogen werden. In der Schweiz hofft man auf eine EM-Verschiebung und eine Verbesserung der Corona-Lage, sodass im Sommer allenfalls weitergespielt werden könnte.

Wann gab es in der Schweiz letztmals keinen Fussballmeister?

Das ist schon bald 100 Jahre her: Dem FC Bern wurde der Titel 1922/23 aberkannt, weil er auf einen nicht lizenzierten Spieler gesetzt hatte. Selbst in Kriegsjahren und während der Zeit der Spanischen Grippe wurde jeweils ein Meister gekürt.

Wie lange reicht die Liquidität des FC St.Gallen, um ohne Einnahmen weiterhin die Löhne zu bezahlen?

Präsident Hüppi sagt: «Wir werden die Löhne pünktlich bezahlen und weiter alles dafür tun, damit der FC St.Gallen die Ausnahmesituation auch wirtschaftlich meistern wird.»

Können noch Fanartikel gekauft werden?

Ja, aber nur online. Der Club hat den Fanshop im Stadion schon vergangene Woche geschlossen. «In den letzten Wochen haben wir einen massiven Rückgang in der Besucherfrequenz konstatieren müssen, der mit der Diskussion rund um das Corona-Virus sowie den verschobenen Spielen unserer Mannschaft zusammenhängt. Von daher sehen wir uns gezwungen, den Fanshop vorerst nicht weiter zu öffnen», so die Mitteilung.

Wie sieht die Situation bei der FC St.Gallen Event AG aus?

In der FC St.Gallen Event AG, die für alle Bereiche rund um den sportlichen Teil des FCSG zuständig ist, werden die Aktivitäten auf ein absolutes Minimum zurückgefahren. Zudem wird der Betrieb auf Kurzarbeit ausgerichtet.

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