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Tränen, Jubel, Penalty-Fehlschuss: Welches Gesicht zeigt der FC St.Gallen dieses Mal gegen Winterthur?

Wenn der FC St.Gallen auf Winterthur trifft, schreiben diese Partien immer wieder emotionale Geschichten. Vor dem Cup-Hit der Espen am Freitag blicken wir auf drei spezielle Spiele zwischen den beiden Mannschaften zurück.
Daniel Walt

Samstag, 12. Juni 1993: Als der FC St.Gallen auf der Schützenwiese abstieg

«FC St.Gallen ist B-klassig»: So nüchtern vermeldet das «St.Galler Tagblatt» in seiner Montags-Ausgabe auf der Frontseite den Abstieg der Ostschweizer, der zwei Tage zuvor Tatsache geworden ist. 4:1 gewannen die Ostschweizer vor 2500 Zuschauern in Winterthur dank Treffern von Jacobacci, Koch, Dmitriew und Irizik. Bloss: Weil die direkten Konkurrenten Yverdon und Kriens ebenfalls gewannen, nützte der Sieg den Espen nichts mehr. St.Gallen verpasste in der Auf-/Abstiegsrunde den rettenden zweiten Platz um einen Punkt und war nur noch zweitklassig. Thomas Wyss vergoss nach Spielschluss im Interview mit dem Schweizer Fernsehen bittere Tränen.

Bei Gegner Winterthur standen unter anderem der heutige deutsche Bundestrainer Joachim Löw, der spätere St.Gallen-Sportchef René Weiler und der künftige Meisterheld der Espen, Sascha Müller, auf dem Platz. Müller traf an diesem Abend sogar zum zwischenzeitlichen 1:0 gegen St.Gallen.

Im Artikel im Sport-Teil der Zeitung geht der Berichterstatter dann unter anderem auf St.Gallens Anhänger ein. Diese sangen nach dem Spiel den Evergreen von Drafi Deutscher, «Marmor, Stein und Eisen bricht». Zu Wort kommt auch der konsternierte FCSG-Trainer Ernst Hasler, der über die Fans sagt:

«Gerade für diese Leute tut es mir unheimlich leid. Es ist unglaublich, wie gross und wie weit gefächert die Unterstützung für diesen Verein ist.»

Grenzenlos enttäuschte St.Galler Anhänger nach dem Schlusspfiff in Winterthur. (Bild: Screenshot/Ursula Häne)

Grenzenlos enttäuschte St.Galler Anhänger nach dem Schlusspfiff in Winterthur. (Bild: Screenshot/Ursula Häne)

In einem Kommentar analysiert der damalige Sportredaktor und heutige «Gegentribünen»-Kolumnist Fredi Kurth zwei Tage nach dem Abstieg die Situation. Der Sturz in die zweithöchste Spielklasse stehe am Ende einer Linie, auf der es seit Frühjahr 1992 ständig abwärts gegangen sei: «Uefa-Cup-Kandidat, Achter in der Finalrunde, Zehnter in der Qualifikation, Abstieg – das waren die Stationen», schreibt Kurth und hält fest:

«Die Derbys mögen anfänglich von Reiz sein, aber langfristig kann die Zukunft des FC St.Gallen nur in der Nationalliga A liegen.»

Winterthur - St.Gallen 1:4 (0:0)

Schützenwiese, 2500 Zuschauer, Schiedsrichter: Muhmenthaler.
Tore: 56. Müller 1:0. 64. Jacobacci 1:1. 69. Koch 1:2. 78. Dmitriew 1:3. 83. Irizik 1:4.
Winterthur: Schwéry, Saykouk, Cerullo, Palmieri, Wanner, Weiler, Löw, Baumann, Müller, Ramsauer, Thoma.
St.Gallen: Stiel, Fischer (84. Lips), Koch, Hengartner, Irizik, Blättler (60. Ratinho), Hodel, Wyss, Thüler, Dmitriew, Jacobacci.
Bemerkungen: St.Gallen ohne Gambino (Hochzeit). 34. Schuss von Hengartner ans Lattenkreuz.
Verwarnungen: 63. Hodel, 77. Löw (beide Reklamieren).

Samstag, 30. Mai 2009: Der FCSG feiert gegen Winterthur vor 19'500 Fans den Wiederaufstieg

Fast zwei Seiten widmet das «St.Galler Tagblatt» der Rückkehr der Espen in die Beletage des Schweizer Fussballs ein Jahr nach der Schande vom Espenmoos und dem Abstieg 2008. Der direkte Wiederaufstieg stand zwar schon vor dem Heimspiel gegen Winterthur fest – in diesem brechen im Heimstadion, das damals noch den Namen AFG Arena trug, aber alle Dämme. 19'500 Fans feiern ihre Aufstiegshelden, die dank Toren von Merenda, Lang und Costanzo 3:2 gewinnen. Zunächst hatte das Team von Uli Forte mit einem uninspirierten, fehlerhaften Auftritt und zwei frühen Gegentoren allerdings für Unmut beim Publikum gesorgt.

Die St.Galler lassen sich mit Trainer Uli Forte nach dem Spiel feiern. (Bild: Urs Bucher)

Die St.Galler lassen sich mit Trainer Uli Forte nach dem Spiel feiern. (Bild: Urs Bucher)

«Oh, wie ist das schön», hätten die St.Galler Fans nach der Partie dann gesungen, und «Nie meh Nati B», heisst es in einem der Zeitungsberichte. Das «Nie meh» sollte genau zwei Jahre dauern: 2011 stiegen die Espen bereits wieder ab – bis dato zum letzten Mal.

St.Gallen – Winterthur 3:2 (1:2)

AFG Arena, 19'500 Zuschauer, Schiedsrichter: Gremaud.
Tore: 13. Antic 0:1. 21. Barlecaj 0:2. 45. Merenda (Foulpenalty) 1:2. 62. Lang 2:2. 65. Costanzo 3:2.
St.Gallen: Lopar, Zellweger, Lang, Schenkel, Fernando, Zé Vitor (46. Pa Modou), Kollar (46. Costanzo), Muntwiler, Hämmerli (71. Ciccone), Merenda, Cáceres.
Winterthur: Vasic, von Niederhäusern, Schnorf, Aziawonou, Radice, Lüscher, Abrashi, Lombardi (78. Romano), Lenjani, Barlecaj (71. Senn), Antic (58. Martins).
Bemerkungen: St.Gallen ohne Haas, Weller, Alex, Knöpfel, Koubsky, Winter (alle verletzt); Winterthur ohne Luca Zuffi, Berisha, Sprunger, Lijmani und Llumnica (alle verletzt). 28. Kopfball von Schnorf an die Latte; 57. Antic verletzt ausgeschieden
Verwarnungen: 73. Lang (Foul), 80. Schnorf (Foul).

Mittwoch, 21. März 2012: Regazzonis Fehlschuss vom Punkt besiegelt St.Gallens Cup-Aus in Winterthur

Nein, die Beziehung zwischen St.Gallens Trainer Jeff Saibene und seinem launischen, beim Publikum aber beliebten Flügelflitzer Alberto Regazzoni war nie einfach. An diesem Abend in Winterthur ist es just dieser Alberto Regazzoni, der das Aus der Ostschweizer im Cup-Viertelfinal verschuldet. Dies, indem der Tessiner seinen Versuch im Penaltyschiessen an den Pfosten setzt. Aus, vorbei – St.Gallen verliert 4:5 und scheidet aus dem K.O.-Wettbewerb aus.

Alberto Regazzoni verschuldete das Cup-Aus des FCSG in Winterthur 2012. (Bild: Keystone)

Alberto Regazzoni verschuldete das Cup-Aus des FCSG in Winterthur 2012. (Bild: Keystone)

Dabei hätte es gar nicht soweit kommen müssen: Der souveräne Leader der Challenge League vergab in der regulären Spielzeit diverse Torchancen, die ihm die Halbfinal-Qualifikation gebracht hätten. Zudem verspielten die Espen eine 2:0-Führung. In der Verlängerung und im Penaltyschiessen nahmen die Dinge dann ihren Lauf.

Jeff Saibene hielt im Anschluss an die Partie fest, die Niederlage sei auch ein Charaktertest:

«Wir müssen jetzt Grösse zeigen und uns wieder auf unser Hauptziel, den direkten Wiederaufstieg, konzentrieren.»

Der Charaktertest gelang, die St.Galler stiegen Ende Saison direkt wieder auf.

Unerfreulicher verliefen die Dinge im Fall Alberto Regazzoni. Als er in einem Meisterschaftsspiel früh ausgewechselt wurde, tobte er derart, dass ihn der Verein bis Ende Saison suspendierte. In der Folge wurde der Tessiner begnadigt, überzeugte in der Startphase der Saison 2012/13 mit starken Leistungen, überwarf sich dann aber vollends mit Trainer Saibene und verliess den Verein nach einer erneuten Suspendierung schliesslich.

Winterthur – St.Gallen 2:2 n.V. (1:2), 5:4 n.P.

Schützenwiese, 8400 Zuschauer (ausverkauft), Schiedsrichter: Klossner.
Tore: 17. Mathys 0:1. 19. Sutter 0:2. 26. Radice 1:2. 82. Bengondo 2:2. Penaltyschiessen: Zuffi 1:0. Scarione 1:1. Bengondo 2:1. Pa Modou 2:2. Iten 3:2. Montandon 3:3. Lenjani 4:3. Muntwiler 4:4. Sereinig 5:4. Regazzoni verschiesst (Pfosten).
Winterthur: Leite, Iten, Sereinig, Exouzidis, Ritter (74. Zuffi), Lüscher, Radice, Sprunger (74. Antic), Kuzmanovic (83. Osmani), Lenjani, Bengondo.
St.Gallen: Vailati, Pa Modou, Montandon, Ivic, Hämmerli, Muntwiler, Martic (83. Imhof), Scarione, Mathys, Sutter (91. Regazzoni), Etoundi (75. Abegglen).
Bemerkungen: Winterthur ohne Biscotte, von Niederhäusern und Russmann (alle nicht im Aufgebot). St.Gallen ohne Nushi und Stocklasa (beide gesperrt) und Lehmann (verletzt).
Verwarnung: 55. Mathys (Foul).

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