Der FC St.Gallen zeigt gegen Schlusslicht Thun eines seiner schwächeren Spiele – und gewinnt trotzdem 4:1

Der FC St.Gallen besiegt Schlusslicht Thun 4:1, obwohl es den Ostschweizern nicht gelang, das Spiel zu dominieren. Für die Espen trifft Boris Babic doppelt – zum fünften Mal in den vergangenen vier Spielen. 

Stephanie Martina
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St.Galler Torjubel über Boris Babic' Treffer zum 1:0. (Bild: Keystone)

St.Galler Torjubel über Boris Babic' Treffer zum 1:0. (Bild: Keystone)

Die Tore

  • 1:0, 3. Minute, Boris Babic: Miro Muheim setzt sich auf der linken Seite durch und legt für Babic auf, der nur noch einschieben muss.
  • 2:0, 33. Minute, Boris Babic: Eine Flanke kommt von rechts vors Thuner Tor. Ex-Espe Roy Gelmi deckt Babic zu wenig eng und so kommt der St.Galler mit dem Kopf an den Ball – und trifft erneut.
  • 3:0, 67. Minute, Cedric Itten: Eine Flanke von Captain Silvan Hefti erreicht Itten. Mit dem Kopf befördert der Natispieler den Ball ins Tor.
  • 3:1, 89. Minute, Dennis Salanovic: Der Ball kommt flach in den St.Galler Strafraum, wo Salanovic steht und ins leere Tor einschiebt.
  • 4:1, 90. Minute, Jérémy Guillemenot: Postwendend kommt die Antwort der Ostschweizer. Der eingewechselte Guillemenot wird lanciert, schlägt im Strafraum ein paar Haken und trifft via Pfosten.

Die Spiel-Analyse

40 Sekunden gespielt und schon die erste St.Galler Schrecksekunde: Der Ex-Espe Simone Rapp stürmt allein aufs Tor zu und wird erst kurz vor dem Strafraum von Yannis Letard eingeholt. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass Dejan Stojanovic eingreifen muss, um ein Thuner Tor zu verhindern. Der FCSG erholt sich aber schnell vom Thuner Blitzstart. In der dritten Minute bringt Boris Babic die St.Galler nach einer Vorlage von Miro Muheim 1:0 in Führung. 

In der Folge sind es die Thuner, die – häufig nach Ballverlusten der St.Galler Mittelfeldspieler – immer wieder gefährlich Richtung Tor stürmen. Stojanovic hat in dieser Startphase mehr zu tun als in anderen Partien. Nach einer seiner Abwehraktionen muss er an der Schulter gepflegt werden – zum Glück kann der 26-Jährige weiterspielen. Ansonsten wäre der vierte Torwart, der erst 17-jährige Armin Abaz, zum Einsatz gekommen, da die beiden anderen Torhüter Jonathan Klinsmann und Nico Strübi verletzt ausfallen. Trainer Peter Zeidler schickt Super-League-Neuling Abaz bereits an die Seitenlinie zum Aufwärmen. Sicher ist sicher – denn sein Stammgoalie fasst sich immer wieder an die Schulter.

Obwohl es St.Gallen kaum gelingt, sein gewohntes Pressing-Spiel aufzuziehen, und sich bis zur 30. Minute ein Grossteil des Geschehens in der St.Galler Platzhälfte abspielt, sind es in der 33. Minute erneut die Thuner, die den Ball aus dem Netz fischen müssen. Entgegen des Spielverlaufs gehen die Ostschweizer durch Babic' zweiten Treffer mit 2:0 in Führung. Fazit zur Pause: St.Gallen zeigt eines seiner schwächeren Spiele in dieser Saison – aber das Resultat stimmt.

Zweite Halbzeit. Goalie Dejan Stojanovic beisst sich durch und hütet auch in den zweiten 45 Minuten St.Gallens Tor. In der 56. Minute hat Cedric Itten seine bisher beste Chance, doch Thuns Abwehr kann klären. Inzwischen kommen die Ostschweizer deutlich öfter vors gegnerische Tor. Natispieler Itten muss daher auch nicht lange auf seine nächste Chance warten. In der 67. Minute versenkt er Silvan Heftis Flanke per Kopf im Tor. Der Gästesektor jubelt und feiert seine Mannschaft, die das Spiel gut 20 Minuten vor Schluss bereits entschieden hat. Auf Thuns Ehrentreffer in der 89. Minute lassen die St.Galler gleich eine Reaktion folgen: Der eingewechselte Jérémy Guillemenot erhöht auf 4:1.

Der Beste

Boris Babic nutzt seine zweite Chance beim FCSG. Auch gegen Thun zeigt der Stürmer eine starke Leistung und trifft gleich doppelt. In den vergangenen vier Spielen erzielte Babic insgesamt fünf Tore.

Der Schlechteste

Mehrere FCSG-Spieler taten sich gegen Schlusslicht Thun schwer, ins Spiel zu finden. Einer, der weniger auffällig war als zuletzt, ist Mittelfeldspieler Victor Ruiz.

Dejan Stojanovic: Note 5. Klärt in der Startphase zweimal stark. Verletzt sich nach einer Viertelstunde an der Schulter, beisst sich aber durch.
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Ermedin Demirovic: Note 4. Für einmal findet der treffsichere Stürmer nicht ins Spiel, bereitet aber das 2:0 sehr gut vor.
Silvan Hefti: Note 5. Der Captain versucht wie immer, Impulse zu setzen. In der 67. Minute bereitet Hefti mit einer perfekten Flanke das 3:0 vor.
Yannis Letard: Note 4.5. Wird wie Stergiou in der Startphase zweimal überspielt. In der Folge aber bleibt der Franzose bis zum Gegentor ohne Fehl und Tadel.
Leonidas Stergiou: Note 4.5. Zu Beginn mit dem einen oder anderen Wackler. Danach aber meistens souverän.
Miro Muheim: Note 5. Einer der auffälligen St. Galler, weil stets ein Aktivposten. Bereitet das 1:0 vor und vergibt beim Stand von 3:0 eine grosse Chance.
Victor Ruiz: Note 4. Leitet das 1:0 und das 4:1 ein. Der Spanier ist aber weniger spielfreudig als zuletzt. Die robusten Thuner zwingen ihn immer wieder zu Abspielfehlern.
Jordi Quintillà: Note 4. Quintillà hilft immer wieder, die Lücken gegen hinten zu schliessen. Offensiv aber bleibt der Spanier für einmal ohne nennenswerte Aktionen.
Boris Babic: Note 5.5. Mit zwei Toren bringt er sein Team auf die Siegerstrasse. Es sind seine Saisontreffer sechs und sieben.
Cedric Itten: Note 4. Lange fällt der Basler nicht auf. Thuns Abwehr hat den Stürmer im Griff – bis er in der 67. Minute per Kopf das 3:0 erzielt.
Moreno Costanzo: Keine Benotung. Kommt spät für Babic.
Betim Fazliji: Note 4. Der Rebsteiner ersetzt den gesperrten Lukas Görtler. Der 20-Jährige agiert unauffällig, aber es bleibt dabei: Spielt er, gewinnt der FC St.Gallen.
Jérémy Guillemenot: Note 4. Kommt in der 65. Minute für Demirovic und erhöht kurz vor Spielende auf 4:1.
Tim Staubli: Keine Benotung. Wird für Fazliji eingewechselt – es ist sein Pflichtspieldébut.

Dejan Stojanovic: Note 5. Klärt in der Startphase zweimal stark. Verletzt sich nach einer Viertelstunde an der Schulter, beisst sich aber durch.

Die Fans

Pumpenvoller Gästeblock: Für die St.Galler Fans lohnte sich die Fahrt ins Berner Oberland.

Pumpenvoller Gästeblock: Für die St.Galler Fans lohnte sich die Fahrt ins Berner Oberland.

Bild: Stephanie Martina

Am zweiten Adventssonntag zieht es 5915 Besucher in die Thuner Stockhorn Arena. So richtig eng ist es nur in einem Sektor: in jenem der FCSG-Anhänger. Der Gästeblock scheint bis auf den letzten Platz ausgebucht zu sein.

Die Reaktionen

FCSG-Trainer Peter Zeidler: «Thun hatte in der ersten Halbzeit einen klaren Plan. Wir hingegen bekundeten bereits nach wenigen Sekunden erste Probleme. Wir waren nicht in der Lage, dem Spiel unseren Stempel aufzudrücken. Zwar führten wir zur Pause 2:0, wussten aber nicht warum. Nach der Pause hatten wir die Partie besser im Griff und erzielten zwei weitere schöne Tore. Wir freuen uns über die drei Punkte und auf das letzte Spiel dieser Vorrunde vor heimischem Publikum gegen den FC Zürich.»

Goalie Dejan Stojanovic über seine Abwehraktion mit schmerzhaften Folgen: «Als ich den Ball mit der Hand abwehrte, spürte ich einen Schlag in der Schulter. Zuerst dachte ich, es sei alles kaputt. Mir stockte kurz der Atem. Mit der Zeit liess der Schmerz nach und deshalb spielte ich weiter. Aber meine Schulter schmerzt auch jetzt nach dem Spiel noch etwas.»

Doppeltorschütze Boris Babic:  «In der ersten Halbzeit kamen wir nicht richtig ins Spiel. Wir wussten, dass wir nach der Pause eine Schippe drauflegen müssen – das ist uns zum Glück gelungen. Aber es ist natürlich schön, wenn man als Mannschaft auch in Führung gehen kann, wenn es einem mal nicht so läuft.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen: