Sutters Wunschtransfer und Zeidlers Vorfreude: Der FC St.Gallen geht sorgenfrei mit Lorenzo Gonzalez in die Rückrunde

Der FC St.Gallen startet am Sonntag mit einem Heimspiel und als Favorit gegen Lugano in die Rückrunde. Noch nicht spielberechtigt ist Lorenzo Gonzalez, das gestrandete Supertalent. Er ist der nächste Spieler, der wieder aufgerichtet werden soll.

Christian Brägger
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Lorenzo Gonzalez hat das Training beim FC St.Gallen bereits aufgenommen.

Lorenzo Gonzalez hat das Training beim FC St.Gallen bereits aufgenommen.

Benjamin Manser

Die öffentliche Wahrnehmung des FC St.Gallen hat sich verändert. Das ist keine neue Feststellung, in seinem Fall aber immer noch: bemerkenswert. Verändert hat sich auch die Attitüde der Spieler, die zu seinem Erfolgsteam gehören und jener, die einen Reiz im Fussballprojekt um Trainer Peter Zeidler und Sportchef Alain Sutter sehen. Die Strahlkraft des FC St.Gallen, wenn man so will, geht so weit, dass Boris Babic direkt angegangen und von Roter Stern Belgrad geködert wird, der Stürmer das Werben aber schon im Keim erstickt. Und sie geht sogar so weit, dass mit Lorenzo Gonzalez ablösefrei ein in Malaga gestrandeter, als Supertalent gehandelter 19-Jähriger künftig bis 2023 im Osten der Schweiz Fussball spielen wird. Inklusive der Option auf Verlängerung, wobei auch eine Ausstiegsklausel möglich scheint.

Gonzalez, das ist nicht irgendwer. Nach Jugendjahren bei Servette spielte der Stürmer bei Manchester City drei Saisons im Nachwuchs, absolvierte mitunter von der lebenden Trainerlegende Pep Guardiola geleitete Übungseinheiten. Gonzalez war es auch, der nach dem Scheitern der Schweiz gegen Schweden an der WM in Russland aus Manchester den Tweet schrieb, der eine Warnung an die Gegner und zugleich ein Versprechen für den Schweizer Fussball sein sollte: «Macht euch keine Sorgen.»

Die nächste Karriere, die wieder lanciert werden soll

Sportchef Alain Sutter

Sportchef Alain Sutter

Benjamin Manser

Es kam anders und der kräftige Stürmer, auf den Kanarischen Inseln geboren und in Genf aufgewachsen, musste sich um die eigene Karriere Sorgen machen. Weil Zeidler/Sutter sich den Ruf erarbeitet haben, Spieler wieder aufzurichten, ist für Gonzalez nach nur 120 Saisonminuten für Malaga der vermeintliche Schritt zurück sinnvoll. Paradebeispiele findet er in Miro Muheim, aber auch in Jérémy Guillemenot, die beide ebenfalls früh ins Ausland wechselten und den Vorwärtsgang erst wieder im FC St.Gallen fanden; besonders Muheim ist in aller Munde, wohl auch, weil die Position des Linksverteidigers hierzulande als Schwachstelle gilt und zweikampfstarke Linksfüsser mit Vorwärtsdrang ein gefragtes Gut sind. Sutter sagt:

«Ich habe Lorenzo im Kopf, seit ich hier im Amt bin.»

Für ihn ist Gonzalez die nächste Investition in die Zukunft, die Wechselmöglichkeit tat sich vor einer Woche auf.

Am Sonntag, wenn St.Gallen als Tabellendritter zu Hause ab 16 Uhr im Kybunpark gegen Lugano in die Rückrunde startet, muss Zeidler wegen der fehlenden Spielbewilligung noch auf den Neuzugang verzichten. Alle anderen Spieler bis auf die Langzeitverletzten sind dafür einsatzbereit, und in den Vorbereitungswochen mit dem Trainingslager in La Manga und den Freundschaftsspielen sei die Mannschaft noch enger zusammengewachsen, sagt Zeidler. Das 3:6 im Test gegen Ingolstadt ist fast vergessen, «das Resultat eines ersten Tennissatzes war ein Weckruf zur richtigen Zeit».

Trainer Peter Zeidler

Trainer Peter Zeidler

Benjamin Manser

Und spätestens mit dem 2:1 gegen Union Berlin vom vergangenen Sonntag, bei dem die Mannschaft auch neben den Fussballteller schaute und Eindrücke vom Brandenburger Tor mitnehmen durfte, spürt Zeidler wieder dieses sorgenfreie, so positive Gefühl der Vorrunde. Ein Gefühl, das der Gefahr eines Absturzes keine Beachtung schenkt. Er sagt:

«Mein Team ist in Form und meine Freude auf mögliche Erfolge grösser als die Angst vor Misserfolgen. Ich bin richtig heiss.»

Wohl nur eine offene Position: Itten oder Guillemenot?

Viel verändert hat Zeidler nicht in der Winterpause, er schenkt der Ernährung und Regeneration weiter grosse Beachtung, und natürlich bleiben offensive Grundhaltung von vorne bis hinten und haufenweise vertikale Bälle die Ingredienzen seines Fussballs. Gegen Lugano wird der Coach auf seine Stammformation setzen, was die Sache für die zweite Garnitur, die stets voll mitziehe, auch künftig nicht einfach macht. Möglich scheint nur, dass Guillemenot den Vorzug vor Cedric Itten erhält, und: Falls der FC St.Gallen gegen die Tessiner gewinnt, ist er nach 19 Runden Zweiter, egal wie die Young Boys gegen Basel spielen. Definitiv müssten sich die Sorgen dann andere machen.