Super League
Der FCSG lässt sich von den Young Boys zweimal kalt erwischen und unterliegt trotz guter Reaktion mit 1:2

Der FC St.Gallen kassiert im Wankdorf sowohl in der Startphase als auch gleich nach der Pause ein Gegentor. Allerdings beweisen die ersatzgeschwächten Ostschweizer Charakter und rappeln sich auf. Doch mehr als das Anschlusstor liegt nicht drin. Nach dem siebten Meisterschaftsspiel in Folge ohne Sieg kommen die St.Galler dem Tabellenende immer näher.

Patricia Loher
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St. Gallens Thody Élie Youan (links) gegen Michel Aebischer.

St. Gallens Thody Élie Youan (links) gegen Michel Aebischer.

Peter Schneider/Keystone

Die Spielwertung

Die Dominanz der Young Boys ist phasenweise drückend. Zu Beginn deutet vieles darauf hin, dass dieser Abend für die ersatzgeschwächten St.Galler kein gutes Ende nimmt. Nur rappeln sich die Gäste auf und tragen dann doch noch dazu bei, dass das Spiel spannender und unterhaltsamer wird. Für eine bessere Note ist die Fehlerquote bei den Ostschweizern aber zu hoch. Spielnote: 4,5

Die Tore

  • 1:0, 3. Minute, Jordan Siebatcheu: Nach einem kurz ausgeführten Corner und einer Flanke von Michel Aebischer ist St.Gallens Abwehr nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe. So trifft Siebatcheu per Kopf zur Führung für die Young Boys. St.Gallens Goalie Lawrence Ati Zigi sieht etwas unglücklich aus.
  • 2:0, 47. Minute, Felix Mambimbi: Die zweite Halbzeit beginnt so wie die erste Hälfte: Die Berner erzielen gleich ein Tor. St.Gallens Leonhard Münst bekommt Mambimbi nicht unter Kontrolle. Der Stürmer erhöht mit einem satten Abschluss in die entfernte Ecke auf 2:0.
  • 2:1, 62. Minute, Kwadwo Duah: Nach einem Foul an Jérémy Guillemenot bekommt St.Gallen an der Strafraumgrenze einen Freistoss zugesprochen: Der eingewechselte Kwadwo Duah nimmt Anlauf, der Ball wird noch abgefälscht und geht am machtlosen Torhüter David von Ballmoos vorbei ins Tor.

Die Spielanalyse

Als ob St.Gallen personell nicht schon genug geschwächt wäre: Nebst den gesperrten Betim Fazliji und Lukas Görtler sowie den verletzten Ousmane Diakité und Boris Babic fehlt den Ostschweizern in Bern auch noch Victor Ruiz. Der Spanier leidet an Adduktorenproblemen.

Damit bricht den St.Gallern ausgerechnet für die Partie beim Meister fast das ganze Mittelfeld weg.

Zum ersten Mal von Beginn weg zum Einsatz kommt die 19-jährige Stuttgart-Leihgabe Leonhard Münst. Der Deutsche spielt für Ruiz hinter den Spitzen, Isaac Schmidt ersetzt Captain Görtler, Musah Nuhu in der zentralen Abwehr Fazliji und Stillhart im defensiven Mittelfeld Diakité. Die Captainbinde trägt Nicolas Lüchinger. Das Sturmduo bilden Alessio Besio und Jérémy Guillemenot.

Die Young Boys starten furios und kennen kein Erbarmen. Sie spielen die überforderten St.Galler – es ist die erste Rückkehr der Ostschweizer ins Wankdorf seit dem verlorenen Cupfinal im Mai – in den Startminuten schwindlig. Schon nach drei Minuten sind die Gäste nach einem Kopfballtor von Jordan Siebatcheu in Rückstand. Die Startphase ist eine Berner Demonstration.

Die Mannschaft von Zeidler hat dem Nichts entgegenzusetzen: Wären die Berner konsequenter und könnte St.Gallen nicht auf Goalie Zigi zählen, würde es nach zehn Minuten 0:3 stehen.

Nach gut einer Viertelstunde findet St.Gallen den Tritt etwas besser. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Gäste nun weniger nervös wirken und die Fehlerquote, die zuvor hoch war, reduzieren. Allerdings nehmen die Young Boys auch etwas Tempo aus ihrem Spiel, man wird das Gefühl nicht los, dass der Champions-League-Teilnehmer stets in der Lage ist, zuzusetzen.

Offensiv tritt St.Gallen kaum in Erscheinung, die Gastgeber hingegen erspielen sich weiter gute Möglichkeiten. So klärt nach 26 Minuten Michael Kempter einen Abschluss auf der Torlinie. Trotzdem versucht St.Gallen nun, sich etwas aktiver am Spiel zu beteiligen.

In der 41. Minute bietet sich dann plötzlich die grosse Chance auf den Ausgleich: Nach einem Konter sind die Ostschweizer in Überzahl, doch der Abschluss von Thody Élie Youan dürfte Goalie David von Ballmoos höchstens ein müdes Lächeln entlockt haben. Daraus hätte der Franzose mehr machen müssen!

Aus Sicht der St.Galler zur Pause das Beste: Das Zwischenresultat.

Der 19-jährige Leonhard Münst (rechts) kommt erstmals für St.Gallen von Beginn weg zum Einsatz. Links: Christopher Martins.

Der 19-jährige Leonhard Münst (rechts) kommt erstmals für St.Gallen von Beginn weg zum Einsatz. Links: Christopher Martins.

Peter Schneider/Keystone

Nach der Pause aber lässt sich St.Gallen erneut gleich erwischen, die Young Boys erhöhen durch Felix Mambimbi auf 2:0. Nun wird es für die Ostschweizer natürlich schwierig, hier noch etwas zu holen. Allerdings kommen Alessio Besio und auch Jérémy Guillemenot innert kurzer Zeit zu guten Möglichkeiten, beide verziehen aber.

Trotz der phasenweise drückenden Überlegenheit der Gastgeber stecken die Ostschweizer nie auf. Das muss ihnen in diesem schweren Spiel hoch angerechnet werden. In der 62. Minute werden diese Bemühungen schliesslich durch das Anschlusstor des ehemaligen YB-Spielers Kwadwo Duah belohnt. Es ist für Duah das erste Meisterschaftstor seit dem 3. April.

Geht hier doch noch einmal etwas? St.Gallen jedenfalls wirkt nun beschwingt. In der 67. Minute verpasst Guillemenot eine gute Flanke von Lüchinger nur knapp. Die Young Boys müssen sich nun das eine oder andere Mal überlaufen lassen, auch der eingewechselte Fabian Schubert kommt zu einer Gelegenheit.

Es ist nun ein abwechslungsreiches Spiel, das hin und her geht. Duah kommt aus der Drehung noch einmal zu einer Chance. In der Schlussphase partiert St.Gallens Goalie Zigi zweimal stark und verhindert damit eine höhere Niederlage.

Es bleibt also dabei: Die St.Galler warten weiter seit 2005 auf einen Sieg in Bern.

Das Tabellenende rückt nach dem siebten sieglosen Spiel in Serie und der dritten Niederlage in Folge immer näher. Kommenden Samstag gastiert St.Gallen bei den Grasshoppers. Dann muss dringend wieder einmal gepunktet werden.

Der Beste

Nicolas Lüchinger. Der Rheintaler ist ein Antreiber, auch als die Situation nach der Pause ausweglos erscheint. Lüchinger geht voran und fällt mit guten Flanken auf.

Der Schlechteste

Thody Élie Youan. Von ihm muss einfach mehr kommen. Der Franzose verliert den Ball viel zu oft fahrlässig. Sinnbildlich für seine Leistung ist, wie er in der 41. Minute St.Gallens beste Chance der ersten Halbzeit vergibt.

Der Schiedsrichter

Luca Cibelli macht seine Sache gut und hat die Partie jederzeit unter Kontrolle.

Die Reaktionen

Peter Zeidler, Trainer FC St.Gallen: «Die Young Boys haben uns vor allem in der Anfangsphase Probleme bereitet. Bei der Standardsituation vor dem 0:1 waren wir nicht diszipliniert genug. Nach dem Gegentor waren wir geschockt, haben dann jedoch etwas besser ins Spiel gefunden, kassieren aber nach der Pause das 0:2. Mit etwas Glück hätten wir hier aber doch ein Unentschieden erreichen können. Es gab einige Lichtblicke, die jungen Leonhard Münst sowie Isaac Schmidt und auch Musah Nuhu haben eine gute Partie geliefert.»

David Wagner, Trainer Young Boys: «Wir haben zu Beginn genau jene Räume bespielt, die man gegen St.Gallen bespielen muss. Nach der ersten Halbzeit müssten wir deutlicher führen, kommen dann aber gut aus der Pause. Nur haben wir danach nicht mehr gut gespielt und St.Gallen zu viele Optionen gegeben.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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