Super League
GC führt den FC St.Gallen vor – ein Torfestival zu Ungunsten der Ostschweizer endet mit einem 2:5

Die Lage für den FC St.Gallen wird immer ungemütlicher. Beim 2:5 gegen die Grasshoppers und der vierten Niederlage in Serie präsentiert sich die Mannschaft von Trainer Peter Zeidler in einem besorgniserregenden Zustand.

Christian Brägger aus Zürich
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Es warten schwierige Zeiten auf den FC St.Gallen und seinen Trainer Peter Zeidler.

Es warten schwierige Zeiten auf den FC St.Gallen und seinen Trainer Peter Zeidler.

Bild: Andy Müller/Freshfocus

Die Spielwertung

Der FC St.Gallen ist in der ersten Halbzeit nicht parat in diesem für ihn wegweisenden Spiel. Nach 22 Minuten scheint die Partie bereits verloren, weil er zu diesem Zeitpunkt mit zwei Toren in Rückstand liegt. Anders präsentieren sich die Gäste aus der Ostschweiz in der zweiten Halbzeit. Doch die Hypothek der schwachen Startphase wiegt zu schwer, zudem schleichen sich bei Angriffen der Zürcher zu viele Unachtsamkeiten wie Fehler ein. Konsequenz ist die vierte Meisterschaftsniederlage in Serie und damit in der Liga der achte sieglose Auftritt in Folge. Spielnote: 5

Bendeguz Bolla (GC) foult Michael Kempter (St.Gallen)

Bendeguz Bolla (GC) foult Michael Kempter (St.Gallen)

Bild: Andy Mueller/Freshfocus

Die Tore

  • 1:0, 9.Minute, Kaly Sène: Der GC-Stürmer ist in Form und beweist dies bei einem Konter nach einem Ball in die Tiefe von Bonatini. Die Defensive des FC St.Gallen schläft, und Zigi bleibt zu lange im Tor. Als sich der Goalie der Ostschweizer doch entscheidet, herauszukommen, hat der Senegalese im Eins gegen Eins keine Mühe zu treffen. 
  • 2:0, 22.Minute, Léo Bonatini: Auch der zweite GC-Stürmer trifft. Pusic wird im Mittelfeld nicht angegriffen, er lanciert auf der Seite Sène, der dorthin passt, wo Bonatini ungedeckt heranrauscht. Der Brasilianer braucht den Ball nur noch in die Maschen zu hauen, Zigi ist chancenlos. Nur: Passgeber Sène stand wohl im Abseits. 
  • 2:1, 46.Minute, Nicolas Lüchinger: Der Rheintaler bringt nach Wiederanpfiff die Hoffnung zurück mit seinem Anschlusstor. Youan flankt von der Seite in die Mitte, dort eilt Lüchinger heran und köpfelt den Ball wuchtig ins Tor. 
  • 3:1, 49.Minute, Kaly Sène: Abermals trifft der GC-Stürmer, wieder nach einem Pass in die Tiefe (diesmal von Kawabe), wieder nach grosser Unachtsamkeit der St.Galler Hintermannschaft. 
  • 3:2, 53.Minute, Kwadwo Duah: Die St.Galler erhalten einen Penalty, weil Kempter im Sechzehner nachsetzt und von Bolla von den Beinen geholt wird. Duah lässt sich die Chance nicht entgehen vom Elfmeterpunkt und verwandelt sicher. 
  • 4:2, 70.Minute, Bendegúz Bolla: Die Grasshoppers kombinieren sich schnell und direkt in den Sechzehner der St.Galler. Dort steht Bolla völlig frei und trifft via Pfosten zum alten Zweitore-Vorsprung.
  • 5:2, 84.Minute, Djibril Diani: Fazliji vertändelt den Ball am gegnerischen Sechzehner, in der Folge kombinieren sich die Zürcher nach vorne. Als sie den Angriff vermeintlich abbrechen, kommt doch noch die Flanke - und Diani köpfelt freistehend ins Tor. 

Die Spielanalyse

Der FC St.Gallen startet ohne die verletzten Ruiz, Diakité und Babic vorsichtig in die Partie. Das verwundert nicht in Anbetracht der schlechten Serie, die er seit dem Auftaktsieg in Lausanne in der Meisterschaft hingelegt hat. Die Ostschweizer haben gegen den Rekordmeister zwar mehr Ballbesitz, aber es sind die Zürcher, die nach einem Konter in der neunten Minute durch Sène in Führung gehen.

In der Folge ist der FC St.Gallen bemüht, mehr für das Spiel zu tun. Zu Chancen kommt er kaum, ein Weitschuss von Duah neben das Tor ist das höchste der Gefühle. Es kommt gar schlimmer, weil das Heimteam nach einem schönen Angriff und dank St.Galler Passivität durch Bonatini die Führung ausbaut. Dem Tor haftet der Makel an, dass Assistgeber Sène wohl im Abseits gestanden hat. Dennoch: Was für ein schlechter Auftakt, die Partie scheint nach 22 Minuten bereits verloren.

Nach 38 Minuten gibt es ein erstes Lebenszeichen vom FCSG. Nach einem Corner köpfelt Schubert den Ball knapp am Tor vorbei, von etwas Zählbarem sind die Ostschweizer aber weiterhin meilenweit entfernt. Vor allem läuft die Mannschaft von Trainer Peter Zeidler immer wieder Gefahr, Opfer von gefährlichen Kontern zu werden. Doch Pusic scheitert zweimal.

Nach der Pause überschlagen sich die Ereignisse. Lüchinger bringt die Grünweissen heran, doch Sène stellt sofort wieder auf den alten Zweitore-Vorsprung. Nur Minuten später ist es Duah, der mittels Penalty die St.Galler erneut heranbringt. Jetzt entwickelt sich ein regelrechter Schlagabtausch, mit Chancen auf beiden Seiten, vor allem Duah und Youan vergeben nach knapp 60 Minuten zwei gute.

Kwadwo Duah lässt GC-Goalie Moreira vom Elfmeterpunkt keine Chance.

Kwadwo Duah lässt GC-Goalie Moreira vom Elfmeterpunkt keine Chance.

Andy Müller/Freshfocus

GC lässt nun mehr und mehr nach, St.Gallen ist spielbestimmend. Trainer Giorgio Contini hat längst Mutationen vorgenommen, Zeidler ebenfalls. Doch dann erlösen sich die Grasshoppers sich gleich selber, indem sie die nächsten Fehler der St.Galler konsequent ausnützen. Bolla trifft nach einem schönen Angriff zum 4:2, das ist definitiv die Vorentscheidung.

Danach kommt von den St.Gallern nicht mehr viel. Sinnbildlich ist das 5:2 der Grasshoppers durch Diani. Die Zürcher brechen einen Konter nahezu ab, die Flanke kommt dennoch, doch weit und breit steht kein St.Galler beim Torschützen. Wer derart viele Fehler macht, kann in der Super League schlicht nicht gewinnen. Diese schmerzliche Erfahrung muss der Gast aus der Ostschweiz vor 5800 Zuschauern im Letzigrund machen.

Der Beste

Keiner. Es gibt an diesem Abend keinen, der das Team mitreisst. Keinen, der es trägt. Einzig Lüchingers Tor und sein anschliessender Torjubel bilden da die Ausnahme.

Der Schlechteste

Das ganze Team zeigt eine desolate Leistung. Es fehlt an vielen Ecken und Enden, teilweise sogar am Kampfeswillen. Also wäre es ungerecht, hier in dieser Rubrik einzelne Spieler zu nennen.

Aufgefallen

Lukas Görtler findet im Pauseninterview bei «Blue» klare Worte über die Leistung des FCSG: «Es ist desolat, was wir gezeigt haben, vor allem in der Anfangsphase. Wenn wir in der zweiten Halbzeit kein anderes Gesicht zeigen, sieht es schlecht aus. Die Mentalität der Truppe stimmt aber. Das stimmt mich für die zweite Halbzeit zuversichtlich.»

Die Fans sind gegen GC Klar in der Überzahl.

Die Fans sind gegen GC Klar in der Überzahl.

Bild: Freshfocus

Die Fans

Ja, an den Fans des FC St.Gallen liegt es nicht, dass es ihrem Klub nicht läuft. Im Vergleich mit der Kurve der Grasshoppers sind sie klar in der Überzahl. Doch einmal mehr nützen die Unterstützung und unzähligen Lieder, welche die Ostschweizer andauernd singen, nichts.

Die Reaktionen

GC-Trainer Contini: Wir fanden gut ins Spiel, belohnten uns aber für die erste gute Halbzeit zu wenig. Nach der Pause waren die St.Galler wieder heiss, und wir zogen unruhige 30 Minuten ein. Doch unser Matchplan ging auf, das Zentrum war zu. Wir scheuten die Zweikämpfe nicht, waren aggressiv. Unter dem Strich sieht das Resultat gut aus. Mentalität und Umsetzung meiner Pläne stimmten.

FCSG-Trainer Zeidler: Das Spiel hat so begonnen, wie es uns in unserer psychologischen Situation nicht passieren darf. Wir haben bei den ersten zwei Gegentoren nicht gut verteidigt. Nach der Pause kamen wir zurück, erinnerten uns dann aber wieder daran, wie man schlecht verteidigt. Nach dem nächsten Anschlusstor hatten wir die beste Phase und wir hätten ausgleichen können. Nach dem vierten Gegentor war das Spiel für uns fertig. Kompliment an GC.

Die Noten der FCSG-Spieler

Lawrence Ati Zigi: Note 3,5. Zigi zögert vor dem 0:1 zu lange mit dem Herauslaufen. Kassiert fünf Gegentore! Und verhindert dennoch Schlimmeres.
13 Bilder
Leonidas Stergiou: Note 3. Kann einmal mit letzter Kraft retten. In entscheidenden Momenten fehlt ihm die Zweikampfstärke, das defensive Zentrum hat «Leo» mit Fazliji nie im Griff.
Basil Stillhart: Note 2.5. Verunsichert und ausser Form, wirkt angeschlagen. Hinter den Spitzen kein Faktor, im defensiven Mittelfeld ebenfalls nicht.
Fabian Schubert: Note 2.5. Wo sind nur die vielen Tore, die er für Linz erzielte? Nirgends. Hat kaum Aktionen und rechtfertigt das Vertrauen nicht. Doch wer tut das schon an diesem Abend.
Jérémy Guillemenot: Note 3. Kommt nach der Pause für Stillhart, zeigt wie viele sehr wenig.
Kwadwo Duah: Note 3.5 Verwandelt den Foulelfmeter sicher. Eine Chance zum 3:3, die ein Stürmer mit Vertrauen nutzen würde. War schon unauffälliger.
Leonhard Münst: Note 3. Als Diakité-Ersatz im zentralen Mittelfeld überfordert. Danach hinter den Spitzen etwas besser, aber das reicht nirgendwohin.
Lukas Görtler: Note 3. Wo ist nur der Lukas von früher? Einmal mehr mit wenig Einfluss aufs Spiel, offensiv kaum Aktionen. Verheddert sich oft.
Thody Élie Youan: Note 3. Flanke zu Lüchingers Tor. Macht einfach zu wenig aus sich – dazu die schlechte Körpersprache, aber fast einziger Gefahrenherd.
Betim Fazliji: Note 2.5. Wirkt fahrig. Verliert viele Zweikämpfe, weil er zu weit weg vom Gegner steht. Einer der schlechtesten Auftritte im FCSG-Dress.
Michael Kempter: Note 3.5. Kempter holt immerhin Eckbälle und einen Penalty heraus, wird aber auch oft überspielt. Ebenfalls fehlt die Ausstrahlung.
Alessio Besio, Note: 3. Muss nach seiner Hereinnahme für Schubert einmal mehr hartes Super-League-Brot essen.
Nicolas Lüchinger: Note 3.5. Erzielt den ersten Anschlusstreffer. Vor allem in der 1. Halbzeit bringt auch der Rheintaler gar keine Stabilität in die Defensive.

Lawrence Ati Zigi: Note 3,5. Zigi zögert vor dem 0:1 zu lange mit dem Herauslaufen. Kassiert fünf Gegentore! Und verhindert dennoch Schlimmeres.

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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